Streit um Kunstwerk Bruni in Bronze

Eine Skulptur nach dem Vorbild der "Première Dame" sorgt in Frankreich für Polit-Polemik. Die Gattin von Staatschef Nicolas Sarkozy soll für eine in Nogent-sur-Marne geplante Skulptur als Modell gedient haben. Und zwar für das Standbild einer Arbeiterin.

Carla Bruni (in Garches, Januar 2012): "Sie symbolisiert nicht die Welt der Arbeit."
AFP

Carla Bruni (in Garches, Januar 2012): "Sie symbolisiert nicht die Welt der Arbeit."

Von , Paris


Einfach nur Kunst sollte es nach dem Willen des Bürgermeisters sein: eine öffentliche Skulptur als Verbeugung vor der Vergangenheit vieler Mitbürger. Und ein "kleines Stück Italien" im Herzen der Stadt. Doch ausgerechnet nach dem Vorbild von Präsidentengattin Carla Bruni wollten die konservativen Ratsherren von Nogent-sur-Marne eine Statue zum Gedenken an Arbeiterinnen in der ehemaligen Federfabrik fertigen lassen. Und das hat in dem Ort vor den Toren von Paris eine heftige Kontroverse ausgelöst.

Personenkult nach sowjetischem Muster, unlautere Polit-Werbung im Vorfeld der Präsidentenwahl oder Verschwendung öffentlicher Gelder lauten die Vorwürfe und Reaktionen auf das Zwei-Meter-Monument - das Bronze-Kunstwerk soll 82.000 Euro kosten.

Dabei hatte Bürgermeister Jacques Martin, von der konservativen Regierungspartei UMP offenbar nur eine Hommage an die weiblichen Zuwanderer seiner Gemeinde vor Augen, die einst in der Federnfabrik Daunen zu modischem Kopfschmuck verarbeiteten. Es sei ihm um nicht mehr gegangen, so Martin in der Tageszeitung "Le Parisien", als um eine "physische Existenz für die Erinnerung der Bürger".

"Eine Beleidigung für die italienischen Arbeiterinnen"

"Ziemlich traurig für die Frauen, die das Handwerk seiner Zeit machen mussten", sagt William Geib, Abgeordneter der Sozialisten über das "groteske Vorhaben": "Das ist eine Beleidigung für die italienischen Arbeiterinnen, ihnen das Gesicht einer superreichen Person zu geben", so der PS-Mann über die "Schrulle" des Bürgermeisters. "Ich habe nichts gegen Carla Bruni-Sarkozy, aber sie symbolisiert nicht die Welt der Arbeit", meint Geib und setzt mokant hinzu: "Carla Bruni hat mehr Federn auf Straußen oder bei Modenschauen gesehen, als in einer Fabrik."

Selbst unter den biederen Konservativen der 30.000 Seelen-Stadt regt sich Widerstand gegen das vorgesehene Arbeiterstandbild mit dem Look des wohlsituierten Modells von aristokratischer Abstammung. Michel Gilles, Vertreter der Liste "Diverse Rechte", spricht angesichts der im April anstehenden Präsidentenwahl von einem "Polit-Coup des Bürgermeisters".

Besonders verärgert ist der Ratsherr, weil bei der Abstimmung über den Haushalt offenbar weder klar war, dass die Bronze die Gesichtszüge der First Lady tragen würde, noch dass sich die Gemeinde finanziell zu fünfzig Prozent an dem Projekt beteiligt.

Für die andere Hälfte der Kosten konnte die Immobilienfirma Cogedim, die derzeit in dem Ort eine Residenz "mit vielen Appartments, Balkon und Terrassen inklusive" plant, als Sponsor gewonnen werden. Nach Informationen des Unternehmens - Motto: "Es ist schön, mit Cogedim zu leben" - stand die Frau des Staatschefs "sofort bereit und nahm an einem Foto-Shooting teil". Mit Hilfe der Bilder sollte die Künstlerin Elisabeth Cibot ein "möglichst naturgetreues Abbild" schaffen.

Im Umfeld der "Première Dame", so brachte das Modemagazin "Elle" in Erfahrung, sei die Aufregung der braven Bürger von Nogent-sur-Marne nicht nachvollziehbar. "Carla ist ein ehemaliges Mannequin. Die künstlerischen Anfragen sind vielfältig und sie hat bisweilen eingewilligt, dass Teile ihres Körpers kopiert würden: Fuß, Hand, Gesicht - das ist alles", berichtet das Hochglanzblatt. "Wenn jemand auf ihrem Rücken für sich werben wollte oder eine Polemik lostreten würde, wäre das schade." Zwar schätze die Präsidentengattin die Arbeit von Künstlerin Cibot, aber "nie sei die Rede davon gewesen, dass Brunis Name erwähnt würde."

Unter den Bürgern der Stadt im Osten von Paris haben derartige Erklärungen die Kontroverse freilich nicht zum Verstummen gebracht. "Braucht sie wirklich ein Standbild?", lässt "Le Parisien" ein zweifelndes Ehepaar fragen. Mit Blick auf die andauernd schlechten Umfragenwerte von Ehemann und Präsident Sarkozy, oraklen die Mittfünfziger: "Eine First Lady kommt und geht. Und mit dieser dürfte es nicht mehr lange weitergehen."



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
stubborn 12.02.2012
1. ..."Wenn jemand auf ihrem Rücken...
...für sich werben wollte ...wäre das schade." Ich glaube, soweit würde Frau Bruni dann doch nicht gehen wollen.
own_brain_user 12.02.2012
2. Wieso wäre das denn schade?
---Zitat von Artikel--- (...) Die künstlerischen Anfragen sind vielfältig und sie hat bisweilen eingewilligt, dass Teile ihres Körpers kopiert würden: Fuß, Hand, Gesicht - das ist alles", berichtet das Hochglanzblatt. "Wenn jemand auf ihrem Rücken für sich werben wollte oder eine Polemik lostreten würde, wäre das schade." (...) ---Zitatende--- Wenn Füße und Hände interessant für die Werbung sind... auf dem Rücken ist doch viel mehr Platz.
7days 13.02.2012
3. nicht schoen
Zitat von sysopAFPEine Skulptur nach dem Vorbild der "Première Dame" sorgt in Frankreich für Polit-Polemik. Die Gattin von Staatschef Nicolas Sarkozy soll für eine in Nogent-sur-Marne geplante Skulptur als Modell gedient haben. Und zwar für das Standbild einer Arbeiterin. http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,814825,00.html
Die Betonung liegt auf 'ehemalig'. Erschreckend, was die Frau aus sich gemacht hat, denn dank Botox und Skalpell ist sie eine Karikatur ihrer selbst. Jetzt bleiben ihr noch Haende und Fuesse, die sie gegen Bares anbieten kann, da es am Gesicht kaum noch Interesse geben duerfte.
Spiegelwahr 13.02.2012
4. Carla Bruni soll mal ihren Mann fragen
Wenn Carla Bruni eine Bronzeskulptur haben will. dann dürfte der erste Ansprechpartner doch ihr Mann sein. Er kann ihr doch eine Bronzeskulptur schenken und nicht auf diese billige Methode über ein Denkmal für Arbeiterin einer Federfabrik, von dessen Exitenz Frau Carla Bruni weder gewusst, noch geahnt oder gar wahrgenommen hat.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.