Stürmer und Drang Mario Gomez pinkelt links außen

Sie tippen auf Linien, tragen Glücksmünzen in den Schuhen oder betreten das Spielfeld mit einem bestimmen Fuß zuerst - Sportler pflegen mitunter seltsame Rituale. So auch Nationalstürmer Mario Gomez, der nun bekennt: Es läuft nur über links.


Hamburg - Es ist ein ungewöhnliche Offenbarung, die der Nationalstürmer Mario Gomez nun dem Magazin "Men's Health" anvertraut: Er gehe auf der Toilette "immer ans Pissoir ganz links außen", sagte der 22-Jährige, der beim VfB Stuttgart spielt. Er wisse zwar, dass das nichts bringe, aber: "Wenn ich es mal nicht mache und wir verlieren, dann würde ich die ganze Zeit denken: vielleicht lag es ja daran." Das Cover der neuen "Men's Health"-Ausgabe ziert Gomez mit freiem Oberkörper.

Fußball-Nationalstürmer Gomez: Der Mann steht links
AP

Fußball-Nationalstürmer Gomez: Der Mann steht links

Aber was veranlasst einen Sportler, zwei Jahre lang seine Socken nicht zu waschen? Warum klopfen Menschen dreimal auf Holz? Und warum werfen sie Salz über die Schulter oder bekommen Angst, wenn sie harmlose schwarze Katzen sehen? Der Aberglaube und seine Ursachen bereitete Wissenschaftlern lange Kopfzerbrechen. Auf der Suche nach Erklärungen für solch völlig irrational erscheinende Handlungen wurden die Forscher schließlich im Tierreich fündig.

Denn auch Tiere können abergläubisch sein: Das hatte der Verhaltensforscher Burrhus Skinner schon 1948 bei einem Experiment mit Tauben entdeckt, wie das Wissenschaftsmagazin "Bild der Wissenschaft" berichtet. Eingesperrt in eine Kiste, in die alle 15 Sekunden automatisch ein Leckerbissen fiel, entwickelten die Vögel merkwürdige, bizarr erscheinende Verhaltensweisen: Einige von ihnen drehten sich immer wieder im Kreis herum, andere streckten den Schnabel in regelmäßigen Abständen in eine bestimmte Ecke des Kastens und wieder andere machten schleudernde Bewegungen mit dem Kopf.

Bewegung und Futtergabe

Skinners Erklärung war ebenso einfach wie verblüffend: Die Vögel hätten eben genau zu dem Zeitpunkt, an dem das Futter in die Kiste fiel, eine bestimmte Bewegung gemacht und diesen Zufall unbewusst so interpretiert, als habe die Bewegung das Erscheinen der Leckerei ausgelöst. Folgerichtig versuchten die Tauben daraufhin, weiteres Futter durch die gleiche Bewegung herbeizuzaubern - und wurden in ihrem neu entstandenen Aberglauben durch erneutes zufälliges Zusammentreffen von Bewegung und Futtergabe bestärkt.

So unsinnig ein solches Verhalten auch erscheinen mag, hat es in einer natürlichen Umgebung doch seinen Sinn. In freier Wildbahn bestimmt das Verhalten der Tiere ja tatsächlich, ob sie bei der Nahrungssuche erfolgreich sind oder nicht. Eine positive Verstärkung durch die Konditionierung fördert also eine gewinnbringende Futtersuche.

Beim Menschen sind die Situationen zwar oft komplexer. Der zugrunde liegende Mechanismus ist jedoch derselbe. Oft stellt sich Erfolg im täglichen Leben ein, ohne dass man genau sagen könnte, welche Kleinigkeit im Verhalten nun ausschlaggebend war. Zur Sicherheit macht man es also beim nächsten Mal genauso, um den Erfolg nicht zu gefährden. Spielen zusätzlich noch Emotionen eine Rolle, verstärkt sich der Konditionierungseffekt, nicht zuletzt dadurch, dass ein festes Ritual das Gefühl vermittelt, alles unter Kontrolle zu haben.

jdl/ddp



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