Sünden-Bock Berlusconi pfeift auf Vergebungsgottesdienst

Silvio Berlusconi hat seine Teilnahme an einem Gottesdienst zur Vergebung der Sünden in letzter Minute abgesagt und damit in Italien für Aufsehen gesorgt. Indes hat der italienische Ministerpräsident mehrere europäische Zeitungen wegen der Berichterstattung über sein Privatleben verklagt.

AFP

Rom - Berlusconis Büro bestätigte die Absage an dem Gottesdienst. Auch ein Abendessen mit Kardinalstaatssekretär Tarciso Bertone finde nicht statt, wie der Vatikan am Freitag mitteilte. Der Regierungschef wollte ursprünglich mit seiner Gleichstellungsministerin Mara Carfagna, einem früheren Top-Model, an der "Perdonanza", einem jährlich stattfindenden Vergebungsgottesdienst in L'Aquila teilnehmen.

Berlusconi hatte über das frühere Model und Fernseh-Starlet vor zwei Jahren gesagt, er würde sie sofort heiraten, wenn er nicht schon den Bund der Ehe geschlossen hätte.

Die "Perdonanza" wird dieses Jahr von der Nummer zwei des Vatikans geleitet, Kardinalstaatssekretär Bertone. Die Tradition geht auf eine Urkunde von Papst Coelestin V. aus dem Jahr 1294 zurück. Demnach werden jedem Gläubigen, der bereut, gebeichtet und die Kommunion empfangen hat, in der Nacht vom 28. auf den 29. August bei der "Perdonanza" in der Basilika von L'Aquila alle Sünden vergeben. Als geschiedener und wiederverheirateter Katholik dürfte Berlusconi der katholischen Lehre folgend die Kommunion nicht empfangen. An dem Gottesdienst nehmen jedes Jahr Tausende Menschen teil.

Der Casanova und sein Privatleben

Berlusconi hat sich in der Öffentlichkeit in den vergangenen Wochen rar gemacht, nachdem eine Verbindung zu einer 18-Jährigen Neapolitanerin und Treffen mit einer Edel-Prostituierten für großes Aufsehen gesorgt hatten. Seine Frau Veronica Lario reichte wegen Berlusconis Eskapaden die Scheidung ein. Der Regierungschef hat alle im Zusammenhang mit den Sex-Skandalen erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Allerdings, so ließ er wissen, sei er "kein Heiliger".

Wegen der Berichterstattung über sein Privatleben hat Berlusconi indes mehrere europäische Zeitungen verklagt.

Gerichtsverfahren seien angestrengt in Italien, Frankreich und Spanien, Klagen in Großbritannien würden noch geprüft, sagte Berlusconis Anwalt Niccolo Ghedini am Freitag. Vorgegangen werde gegen die französische Wochenzeitung "Nouvel Observateur" wegen eines Artikels mit dem Titel "Sex, Macht und Lügen" und gegen das spanische Blatt "El Pais", das Fotos abdruckte, die Gäste von Berlusconi auf dessen Luxusanwesen auf Sardinien nackt zeigen.

In Berlusconis Heimat verklagten dessen Anwälte die Zeitung "La Repubblica", die für ihre kritische Berichterstattung über den konservativen Regierungschef bekannt ist. Die Anwälte werfen der Tageszeitung unter anderem vor, die Geschichte des "Nouvel Observateur" wiederholt zu haben. Das Blatt fahre eine nicht hinnehmbare Kampagne gegen den Ministerpräsidenten, sagte Ghedini. Dies bringe Italien in Misskredit, da wiederum alle anderen ausländischen Zeitungen diese Angriffe wiederholten, als seien sie wahr.

han/Reuters/AFP/AP



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.