Reise nach Deutschland 110-Jährige verlässt Syrien - für ihre Enkeltochter

"Ich würde Nasrin gerne sehen, bevor ich sterbe": Die Greisin Laila Saleh ist übers Mittelmeer geflohen, um ihre Enkelin in Deutschland zu besuchen. Nun ist sie fast am Ziel - aber eine große Hürde bleibt.

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Für Laila Saleh ist es wohl die letzte Chance, ihre Enkeltochter zu treffen. Die Syrerin hat sich von ihrem Heimatort Kobane aufgemacht, um die nach Deutschland geflüchtete Nasrin zu treffen. Saleh ist eine von vielen Frauen aus dem Bürgerkriegsland, die enorme Risiken eingehen, um ihre Familie wieder zusammenzuführen. Aber etwas an diesem Fall ist besonders, sehr besonders.

Saleh kam 1907 zur Welt, vor mehr als 110 Jahren, so steht es in ihrem Ausweis.

Vom hohen Alter und körperlichen Gebrechen ließ sie sich trotzdem nicht abhalten: Mit mehreren Angehörigen floh die Greisin aus Syrien, um über die Türkei die gefährliche Überfahrt nach Europa anzutreten. Anfang November erreichten Laila und ihre Verwandten schließlich die griechische Insel Lesbos.

"Ich kann nicht mehr gehen", sagt Laila. "Wenn es ein Auto gäbe, würde ich Nasrin gerne sehen, bevor ich sterbe." Nasrin flüchtete 2015 zusammen mit ihrer Schwester Beriwan aus Kobane und erhielt Asyl in Deutschland. "Besser ich versuche es jetzt als später. Gott entscheidet", sagt ihre Großmutter.

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Syrerin reist zur Enkelin: Flucht für die Familie

Ihr genaues Geburtsdatum kennt keiner ihrer Angehörigen. Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hält das in ihrem Pass genannte Jahr 1907 indes für glaubwürdig. "Laila Saleh, Flüchtling aus Kobane, 110 Jahre alt", twitterte das Hilfswerk Anfang Dezember. "Ihr einziger Wunsch ist es, ihre Enkelin Nasrin wiederzutreffen."

Begleitet wurde die Urgroßmutter von ihrem Sohn Ahmed und seiner Frau Saoussa sowie deren Sohn Halil samt Frau und Kindern. "Wir blieben zwei Tage an der Grenze zwischen Kobane und der Türkei, das war schwierig", erzählt Enkel Halil, der seine Großmutter während der Reise stützen und tragen musste. Danach seien sie mit dem Bus in die türkische Küstenstadt Izmir gefahren. "Dort haben wir in einem Hotel gewartet, bis wir grünes Licht für die Überfahrt über das ägäische Meer bekamen."

Die griechische Küstenwache griff ihr Boot auf und brachte die Familie in ein überfülltes Flüchtlingslager auf Lesbos. Die erste Nacht verbrachte die Familie unter freiem Himmel. Laila und ihre Schwiegertochter wurden später in die Inselhauptstadt Mytilini und Ende November schließlich nach Athen gebracht. Die anderen Familienmitglieder blieben auf Lesbos.

Die nordsyrische Stadt Kobane an der Grenze zu Syrien wurde 2014 von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) belagert. Nach mehr als viermonatigen Kämpfen gelang es kurdischen Milizen mit Unterstützung der US-geführten Militärkoalition, die Dschihadisten zu vertreiben.

"Auch wenn sich die Lage in Kobane verbessert hat, haben wir dort nichts mehr: Unser Haus wurde zerstört, es gibt keine Arbeit", sagt Lailas Schwiegertochter Saoussa, deren Bruder im Bürgerkrieg getötet wurde. Auch einer der Enkel Lailas starb bei den Kämpfen.

"Einige sagen, wir hätten sie mitgenommen, um unser Asylverfahren zu erleichtern", sagt Ahmed über seine Mutter: "Aber das ist nicht wahr. Wir haben schon immer zusammen gelebt, wir konnten sie nicht zurücklassen." Einige seiner Brüder und Schwestern leben noch immer in Kobane.

Ob und wie es für die Greisin nun weitergeht in Richtung Deutschland, ist unklar. Anspruch auf einen Familiennachzug in die Bundesrepublik hat die Familie nicht, und über ihren Asylantrag in Griechenland soll erst Anfang 2019 entschieden werden. Für Laila, die dann 112 Jahre alt wäre, könnte das zu spät sein. "Wir wissen nicht, was wir machen sollen", sagt ihr Enkel Halil: "Bleiben oder versuchen, trotzdem aufzubrechen?".

mxw/AFP



insgesamt 132 Beiträge
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Seite 1
hollaonboard 24.12.2017
1. Sicherlich findet sich auch hier eine Ausnahme
Für Wirtschaftsflüchtlinge kennt die Kreativität keine Grenzen
jgwmuc 24.12.2017
2.
zahlt der Enkelin ein Ticket nach Athen samt 14 Tage Hotel.
MattKirby 24.12.2017
3. Ihrer Enkelin
scheint das Wiedersehen nicht ganz so wichtig gewesen zu sein, oder wird sie hier etwa gegen ihren Willen festgehalten? Zudem hat die Enkelin sicher kein Asyl erhalten, wie im Artikel beschrieben, sondern maximal Flüchtlingsstatus nach der Genfer Konvention.
odapiel 24.12.2017
4. Es sollte doch möglich sein
Es sollte doch in einem vorgeblich zivilisierten Land möglich sein, ein Besuchsvisum für diese Familie, zumindest aber für Sohn und Mutter auszustellen. Umgekehrt ist auch nicht verständlich, wieso keiner der ach so Begüterten in unserem Land in der Lage ist, der Enkelin und ihren Eltern einige Tage Urlaub in Griechenland bei der Großmutter zu schenken. Was für eine Verbesserung des Karmas wäre das, oder zumindest gäbe es einem ein gutes Gefühl. Hätte ich das Geld, ich würde es sofort tun.
casbavaria 24.12.2017
5. Mitleidsartikel zu Weihnachten...
Warum besucht die Enkelin ihre Oma nicht in Athen? Billige Flugtickets gibts da zuhauf - das Alter der betagten Dame kann sicher kein Grund sein, eine wohl 10-köpfige Familie nach Deuschland zu lassen, die dann hier lebenslang alimentiert wir.
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