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Tan Caglar Unterhaltung mit Nebenwirkung

aus DER SPIEGEL 33/2021
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Swen Pförtner / picture alliance/dpa

Seit fast 20 Jahren ist Tan Caglar, 41, wegen einer angeborenen Rückenmarksfehlbildung auf einen Rollstuhl angewiesen; er coachte Firmen in Inklusionsfragen, spielte als Profi Rollstuhlbasketball, trat auf Bühnen mit eigenem Comedyprogramm auf und schrieb eine Autobiografie. In dieser Woche startet Caglar, als Chirurg Dr. Ilay Demir in der ARD-Serie »In aller Freundschaft« als Serienschauspieler durch. Echte Rollstuhlfahrer gibt es in der deutschen TV-Landschaft bisher wenige. Caglar erkennt Rollstuhlfahrer-Schauspieler auf den ersten Blick: »Ich sehe zum Beispiel an der Sitzhaltung, wenn ein Fußgänger wieder versucht, einen Rollstuhlfahrer zu spielen.« Er wolle die Zuschauer in erster Linie unterhalten – dass dabei die Diversität im Fernsehen angekurbelt werde, sei eine tolle Nebenwirkung. Bis auf das Üben der komplexen medizinischen Fachbegriffe benötigte der Schauspieler wenig Vorbereitung. Es gebe kaum Unterschiede zwischen ihm und dem TV-Doktor: »Wäre ich ein Arzt, wäre ich wohl genauso«, scherzt der Schauspieler. Caglar, dessen Eltern in den Siebzigerjahren aus der Türkei nach Deutschland kamen, sieht in seinem Seriencharakter einen »selbstbewussten Mann«, der seine Behinderung humorvoll und unverkrampft thematisiere: »Ilay Demir wird ganz normal angenommen wie jeder andere Arzt auch.« Dass hier keine Stereotype bedient und nichts wegdiskutiert werde, schaffe eine Alltäglichkeit im Umgang, die wichtig sei, so Caglar.

vhe
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