Teenager-Affäre Berlusconis Kinder verteidigen ihren Vater

Die Zeit des Schweigens ist vorbei: In der Staatsaffäre um das unklare Verhältnis von Berlusconi zu einer 18-Jährigen haben ihm erstmals seine Kinder den Rücken gestärkt. Tochter Marina sagte öffentlich: "Jetzt reicht es!" Der Premier will im Parlament Rede und Antwort stehen.


Rom - Auch wenn er sich zu ihren Geburtstagen rar gemacht haben sein soll - in einer Krise halten die Kinder von Silvio Berlusconi brav zu ihrem Papa. Und in einer solchen steckt der italienische Regierungschef, seit das ganze Land über die Art seiner Beziehung zu der 18-jährigen Noemi diskutiert. Wer ihren Vater beleidige, beleidige auch sie selbst, sagte Berlusconis älteste Tochter Marina nun der Zeitung "Corriere della Sera".

Sie sei "stolz" auf ihren Vater, so die 42-jährige Tochter und Präsidentin der Holding Fininvest, die das Medienimperium Mediaset des Regierungschefs kontrolliert. "Jetzt reicht es", sagte Marina im Hinblick auf die Attacken von Oppositionschef Dario Franceschini. Dieser wollte am Mittwoch von seinen Landsleuten wissen, ob sie ihre Kinder von jemandem wie Berlusconi erziehen lassen würden. Franceschini habe kein Recht, ihren Vater zu beleidigen, sagte Marina nun: "Er sollte sich schämen."

Seit Wochen beherrscht die Affäre um die blonde Neapolitanerin Noemi Letizia, auf deren Party zum 18. Geburtstag Berlusconi erschienen war, die Öffentlichkeit. Bislang hatte der 72-Jährige stets erklärt, er habe das Mädchen über ihre Eltern kennengelernt - sie sei eine "Freundin der Familie".

In Italien wird nun diskutiert, ob das eine Lüge ist. "La Repubblica" zitierte am Samstag den Ex-Freund Noemis mit den Worten, Berlusconi habe das Mädchen telefonisch kontaktiert, als er sie auf Fotos gesehen und von ihrer Schönheit hin und weg gewesen sei.

Auch Berlusconis Söhne Pier Silvio und Luigi sprangen ihrem Vater nun zur Seite. Der als Vizepräsident bei Papas Firma Mediaset tätige Pier Silvio sagte der Nachrichtenagentur Ansa: "Die Werte Berlusconis sind auch meine: Tüchtigkeit, Großzügigkeit, (...) Respekt vor anderen." Daran lasse es Oppositionspolitiker Franceschini mangeln, sagte der 40-Jährige weiter. Und der 20-jährige Luigi fragte, wie die Politik dazu komme, die Vaterqualitäten des Ministerpräsidenten bewerten zu wollen.

Berlusconi selbst gab sich am Donnerstag alle Mühe, letzte Zweifel auszuräumen: Auf die Frage, ob er ein verfängliches Verhältnis mit einer Minderjährigen gehabt habe, gebe es nur eine Antwort: "Nein, absolut nicht." Ihm sei klar, sagte der Premier vor Journalisten in Rom, dass er im Fall einer Lüge sofort zurücktreten müsse. "Das schwöre ich bei meinen Kindern", sagte der Regierungschef.

Berlusconi kündigte an, im Zusammenhang mit der Affäre auch dem Parlament Rede und Antwort zu stehen. Allerdings hat er noch keinen Termin dafür angesetzt.

Marina und Pier Silvio sind Kinder aus Berlusconis erster Ehe. Luigi stammt aus der zweiten Ehe mit der Schauspielerin Veronica Lario, mit der er seit 29 Jahren liiert und seit 1990 verheiratet ist.

Lario hatte Anfang des Monats angekündigt, wegen der anhaltenden Schwäche ihres Mannes für junge Frauen die Scheidung zu wollen. Für Zorn hatte vor allem Berlusconis Besuch zu Noemis Geburtstag gesorgt: Bei den Feiern seiner eigenen Kinder glänzte Berlusconi seiner Frau zufolge mit Abwesenheit.

siu/AFP/AP



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