Thomas Gottschalk über Unterhaltungsbranche »Die junge Generation heute ist so weichgekocht«

Er vermisse den Mut, auch mal etwas Falsches zu sagen: So sieht Thomas Gottschalk die jungen Realitystars oder YouTube-Influencer. Manchmal habe er sogar Mitleid mit dem Nachwuchs.
Thomas Gottschalk: Froh, »dass die Leute mich immer noch sehen und hören wollen«

Thomas Gottschalk: Froh, »dass die Leute mich immer noch sehen und hören wollen«

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Thomas Gottschalk arbeitet seit mehreren Jahrzehnten als Entertainer. Mit dem Nachwuchs der Unterhaltungsbranche kann er aber nur wenig anfangen: »Ich muss aufpassen, dass ich nicht meine komplette Zeit damit verplempere, irgendwelche Realitystars oder YouTube-Influencer zu beschimpfen, weil ich nicht an sie glaube«, sagte der 72 Jahre alte Moderator in einem Interview der »Süddeutschen Zeitung«. »Das ist die große Gefahr, in der ich derzeit bin, dass ich mir ständig denke: Meint ihr das wirklich ernst?«

An den jüngeren Entertainern vermisse er demnach vor allem den Mut, auch mal etwas Falsches zu sagen. »Diese ganzen Leute mit fünf Millionen Followern zwischen neun und elf Jahren, du merkst jedes Mal, wenn die den Mund aufmachen, dass die an alle ihre fünf Millionen Follower denken und bloß nix falsch machen wollen.«

Sänger oder Redakteure im Radio beschimpft

Er selbst mache sich nie Sorgen, was die Leute über ihn denken könnten. »Die junge Generation heute ist so weichgekocht und so ängstlich auf Erfolg bedacht. Die steht so unter Druck. Das tut mir leid.« Er habe früher auch live Sänger oder Redakteure im Radio beschimpft – »das ging damals, solange die Zuhörer es lustig fanden«.

Heute sei er froh, »dass die Leute mich immer noch sehen und hören wollen«. Es sei eine große Ehre, in seinem Beruf alt werden zu dürfen.

In den Siebzigerjahren machte sich Gottschalk zunächst als Radiomoderator einen Namen. Schnell folgte der Wechsel zum Fernsehen, große Berühmtheit erlangte er als Moderator der Unterhaltungsshow »Wetten, dass..?«. Die erste Show war im Februar 1981 ausgestrahlt worden. Moderiert wurde sie von Frank Elstner, dem Erfinder des Formats. Anschließend übernahm Gottschalk mit Unterbrechung von 1987 bis 2011 die Moderatorenrolle, bevor er schließlich von Markus Lanz abgelöst wurde.

Nach einem erfolgreichen Comeback im vergangenen Jahr – mit Gottschalk – setzt das ZDF das zwischenzeitlich eingestellte Format auch 2022 und 2023 fort. Der Sender hatte dies damit begründet, dass die Resonanz auf die von mehr als 14 Millionen Menschen gesehene Jubiläumssendung im November »überwältigend« gewesen sei.

bam/dpa
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