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Thuzar Wint Lwin Miss Demokratie

aus DER SPIEGEL 21/2021
Foto:

Ysa Parez / NYT / Redux / laif

Sie ist jung, schön und sehr mutig: Thuzar Wint Lwin, 22, trat als Vertreterin ihrer Heimat Myanmar beim Miss-Universe-Wettbewerb in Florida mit einem Schild in der Hand auf. Darauf stand: »Betet für Myanmar«. Es war nicht das erste Mal, dass Thuzar Wint Lwin auf die politischen Missstände in Myanmar hingewiesen hat. Wegen ihres Engagements in der Demokratiebewegung fürchtete sie, das Land nicht verlassen zu dürfen. Anfang Februar putschte sich das Militär an die Macht, Gegner werden seither verhaftet, Proteste blutig niedergeschlagen, mehr als 780 Menschen sollen getötet worden sein. Die Englischstudentin Thuzar Wint Lwin beteiligte sich von Anfang an bei den Protesten, die sie auch in den sozialen Medien dokumentiert. Noch kurz vor ihrer Reise nach Florida sagte sie in einem Interview: »Sie töten unsere Leute wie Tiere. Wo bleibt die Menschlichkeit? Bitte helft uns. Wir sind hier hilflos.« Die Bürger Myanmars fordern die Rückkehr zur Demokratie und die Wiedereinsetzung der festgesetzten De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Die Schönheitskönigin erhielt für ihren Auftritt mit dem Protestschild in den USA weltweit Aufmerksamkeit. Und natürlich blieb die Aktion auch in ihrer Heimat nicht unbemerkt. Gegen sie soll jetzt Haftbefehl erlassen worden sein. Thuzar Wint Lwin muss fürchten, bei ihrer Heimkehr verhaftet zu werden. Wo sie sich im Moment aufhält, ist nicht bekannt. Der Miss-Universe-Wettbewerb ging vergangenen Sonntag zu Ende, Siegerin wurde die Mexikanerin Andrea Meza. Thuzar Wint Lwin gewann in der Kategorie »Nationales Kostüm«.

ks
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