Til Schweiger "Du kannst dir nicht wünschen, von allen Kritikern in Deutschland geliebt zu werden"

Er steht immer wieder in der Kritik - für seine Filme, aber auch für öffentliche Äußerungen. Nun hat Til Schweiger über sein Verhältnis zum Feuilleton und seine Solidarität mit Xavier Naidoo gesprochen.
Til Schweiger: "Entspannt euch"

Til Schweiger: "Entspannt euch"

Foto: Britta Pedersen/ dpa

"Keinohrhasen", "Kokowääh" oder "Honig im Kopf": Til Schweigers Filme feiern an den Kinokassen oft große Erfolge - werden von den Kritikern jedoch meist verrissen. Wohl auch deshalb gilt das Verhältnis zwischen dem 56-Jährigen und dem Feuilleton als schwierig. "Du kannst dir nicht wünschen, von allen Kritikern in Deutschland geliebt zu werden", sagte Schweiger nun der "Zeit"  in einem Interview. "Wenn du das machst, musst du dich aufknüpfen, da habe ich keine Lust drauf." 

Aus Spaß habe er Kollegen schon einmal vorgeschlagen, einen Streifen zu einem Thema zu drehen, "das den Kritikern gut gefällt, dann drehen wir den Film in Schwarz-Weiß mit möglichst wenig Schnitten und ganz langen Einstellungen und versuchen, jeglichen Erzählrhythmus zu vermeiden."

Schweiger ist jedoch der Meinung, dass die Kritiker auch dann nicht neutral auf das Werk schauen würden - sondern es pauschal negativ bewerten würden: "Wenn du so einen Film machst und 'Regie: Til Schweiger' drauf schreibst, würde er trotzdem nichts gewinnen."

Der Regisseur wird nicht nur immer wieder für seine Filme kritisiert - sondern auch für seine Äußerungen in den sozialen Netzwerken und in Interviews. Im März verteidigte er beispielsweise Xavier Naidoo, nachdem der Sänger wegen Rassismusvorwürfen aus der DSDS-Jury geflogen war. Naidoo fällt immer wieder mit der Verbreitung von Verschwörungsideologien  auf und soll Verbindungen zur rechtsextremen Identitären Bewegung haben - was er selbst bestreitet.

Warum er sich dennoch mit Naidoo solidarisierte, erklärte Schweiger mit einer zweifelhaften Begründung: "Wenn alle auf einen draufhauen, dann habe ich automatisch das Gefühl, mich hinter den stellen zu müssen." Er kenne den Sänger seit 20 Jahren und sei sicher, dass er kein Rassist sei.

Rüge vom eigenen Vater

"Das klingt jetzt komisch, aber ich mag den Kerl so gern, dass ich mir diese Lieder gar nicht anhören will." Schweiger spielte damit auf einige Songs Naidoos an, in denen der Sänger sich antisemitischer und rassistischer Klischees bedient. Er selbst habe sich die Lieder nie angehört, sagte Schweiger.

Schweigers Engagement für Naidoo traf selbst in der eigenen Familie auf wenig Gegenliebe: Sein Vater habe ihm Links geschickt und gesagt: "Til, pass mal auf, was du hier sagst." Schließlich kündigte Schweiger immerhin an, sich die Lieder doch einmal anzuhören - vielleicht.

Negative Darstellungen in der Öffentlichkeit treffen den Schauspieler und Regisseur, so legen zumindest seine Äußerungen nahe, selbst nicht mehr - wohl aber andere: "Ich habe ständig damit zu tun, meine ältesten Freunde von früher zu trösten", sagte der 56-Jährige. Sie würden es für unfair halten, so Schweiger, wie er dargestellt werde. "Ich sage dann: Leute, es ist halt so, und solange mich das nicht kaputtmacht, müsst ihr euch damit nicht befassen. Entspannt euch."

bbr
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