Tod eines Weltstars Ärzte kämpften mehr als eine Stunde um Jacksons Leben

Die Rettungskräfte waren sofort zur Stelle, sie versuchten mehr als eine Stunde lang, Michael Jackson zu reanimieren - vergeblich: Der "King of Pop" ist im Alter von 50 Jahren in Los Angeles gestorben. Ein Anwalt der Familie sprach von einem "nicht unerwarteten" Tod.


Hamburg - Die Hilfe war sofort zur Stelle, doch sie konnte nichts mehr ausrichten: Ein ganzes Team von Medizinern, darunter auch Michael Jacksons persönlicher Arzt, habe versucht, das Leben seines Bruders zu retten, sagte Jermaine Jackson vor Reportern im UCLA Medical Center in Los Angeles.

Der Privatarzt des 50-Jährigen war in der Villa des "King of Pop", als dieser offenbar einen Herzanfall erlitt. Doch die sofort unternommenen Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Um 12.26 Uhr Ortszeit ging ein Notruf aus dem Haus in Holmby Hills in der Zentrale der Rettungskräfte ein.

Jackson wurde dann in das nahe gelegene UCLA Medical Center gebracht. Dort hätten die Ärzte mehr als eine Stunde lang versucht, das Herz des Sängers wieder zum Schlagen zu bringen, erklärte Jacksons Bruder Jermaine weiter. "Sie haben es nicht geschafft", sagte Jackson, der auch Sprecher der Familie ist.

Nach Angaben der Behörden wurde der Sänger um 14.26 Uhr Ortszeit (23.26 Uhr MESZ) für tot erklärt.

Jermaine Jackson bat die Öffentlichkeit darum, die Privatsphäre der Familie zu respektieren. Unter Tränen sagte er: "Michael, wir lieben dich". Fernsehbilder zeigten, wie Jacksons Mutter Katherine und seine Schwester LaToya später am Abend das Krankenhaus verließen.

Der Leichnam Jacksons wurde wenige Stunden nach dem Tod per Hubschrauber zum Amt für Gerichtsmedizin des Bezirks Los Angeles geflogen. Dort soll am Freitag eine Autopsie vorgenommen werden, Ergebnisse sind in einigen Tagen zu erwarten.

Anwalt spricht von "erheblicher" Dosis von Medikamenten

Die Familie hält offenbar einen Zusammenhang zwischen dem Tod des Popstars und seinem Medikamentenkonsum für möglich. Jacksons Tod sei "nicht unerwartet" gekommen, sagte der Anwalt der Familie, Brian Oxman, dem Sender CNN.

Er schloss eine versehentlich eingenommene tödliche Dosis verschreibungspflichtiger Medikamente nicht aus. "Dies war etwas, was ich befürchtete, und etwas, vor dem ich gewarnt habe", sagte Oxman CNN. Jackson habe in letzter Zeit Medikamente genommen, um sich für seine bevorstehenden Comeback-Konzerte vorzubereiten, darunter Mittel gegen frühere Verletzungen, unter anderem ein Rücken- und ein Beinbruch.

"Ich weiß nicht genau, in welchem Umfang er die Medikamente genommen hat, aber nach dem, was der Familie berichtet wurde, war die Dosis erheblich", sagte Oxman. "Er arbeitete sehr hart. Er übte hier vier Tage pro Woche. Sechs Stunden am Tag", sagte Johnny Caswell, Leiter eines Soundstagestudios in Burbank, der "Los Angeles Times". Er war "sehr zerbrechlich", aber voller Energie. "Wir sind alle total schockiert".

Nach jahrelanger Bühnenabstinenz hatte Jackson im Frühjahr eine Serie von rund 50 Konzerten ab Juli angekündigt. Zu seinen Comeback-Konzerten hatte er selbst erklärt: "Das werden meine letzten Shows sein. Das wird es sein. Wenn ich sage, das ist es, dann meine ich wirklich, das ist es."

Mitte Mai wurde dann der erste geplante Auftritt um einige Tage und die drei weiteren auf das kommende Jahr verschoben. Der Konzertveranstalter hatte damals versichert, die Terminänderung habe nichts mit der Gesundheit des Popstars zu tun.

"Er war einer der Größten"

Vor der Klinik versammelten sich Hunderte Fans, trauerten um ihr Idol. "Ich kann nicht glauben, dass wir heute wohl den besten Entertainer der Welt verloren haben", sagte die 49-Jährige Lana Brown, die sich als den "größten Jackson-Fan aller Zeiten" bezeichnete. Er sei sofort aus seinem Büro zur Klinik gerannt, sagte ein anderer Fan, Yoshiko Plair. So jemand wie Michael Jackson könne doch eigentlich nicht sterben, sagte er, "ganz wie Peter Pan".

Jackson-Fans hielten spontan Mahnwachen ab und zollten ihrem Idol mit Gesängen und Moonwalk-Nachahmungen Tribut. In der Nacht zum Freitag versammelte sich eine große Menschenmenge vor dem legendären New Yorker Apollo-Theater, in dem der junge Jackson 1969 mit einem Talentwettbewerb seine Karriere gestartet hatte. "In Erinnerung an Michael Jackson, eine wahre Apollo-Legende", leuchtete als Schriftzug auf dem Gebäude auf.

Auch vor Jacksons Nobelvilla in Holmby Hills erwiesen ihm Hunderte die letzte Ehre. Wie der Internet-Dienst "TMZ.com" berichtete, wurden ein Dutzend Touristen in einem Reisebus Augenzeugen von Jacksons Abtransport im Krankenwagen. Sie hatten vor dem Tor des Anwesens Fotos geschossen, als die Ambulanz zur Klinik fuhr.

Künstlerkollegin Madonna reagierte bestürzt: "Ich kann nicht aufhören zu weinen", erklärte sie auf der Web-Seite People.com. Sie habe Michael Jackson immer bewundert, "er war einer der Größten". Produzent Quincy Jones sagte, er finde keine Worte. Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger erklärte, die Welt habe einen der einflussreichsten Persönlichkeiten in der Musikindustrie verloren.

Lisa Marie Presley, die Mitte der neunziger Jahre kurz mit Jackson verheiratet war, sprach von einem "massiven Verlust". Sie denke vor allem an Jacksons Kinder, "die ihm alles bedeuteten". Hollywoodstar Elizabeth Taylor, Jacksons langjährige enge Freundin, war nach Angaben ihres Sprecher "zu sehr am Boden zerstört", um den Verlust in Worte zu fassen.

Frank DiLeo, Jacksons Manager und langjähriger Freund, beschrieb den Popstar als "das größte Talent, mit dem ich je gearbeitet habe". Nach seinen letzten Proben am Mittwochabend habe Jackson sehr zuversichtlich gewirkt. "Er sagte mir, wie glücklich er sei und dass die Dinge sich endlich so entwickelten, wie er es sich wünschte", sagte DiLeo der "Times".

han/dpa/ddp/AP/AFP

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