Witwe von Kobe Bryant über den Unfalltod ihres Mannes »Als wären sie Tiere auf der Straße«

Nach dem Tod von Basketballstar Kobe Bryant sollen Ersthelfer Fotos am Unglücksort gemacht haben. Nun will seine Witwe sie dafür zur Rechenschaft ziehen – und verklagt den Bezirk Los Angeles.
Vanessa Bryant: »Mein Leben wird ohne meinen Mann und meine Tochter nie mehr dasselbe sein.«

Vanessa Bryant: »Mein Leben wird ohne meinen Mann und meine Tochter nie mehr dasselbe sein.«

Foto: Rich Fury / WireImage / Getty Images

Vanessa Bryant, die Witwe des verunglückten Basketballspielers Kobe Bryant, verklagt den Bezirk Los Angeles und die dortige Polizei. Es geht um die Frage, ob Ersthelfer am Unglücksort Fotos von Kobe Bryant und weiteren Leichen herumgereicht hätten. Bei dem Absturz im Januar 2020 starben außer Kobe Bryant auch seine Tochter Gianna, der Pilot und sechs weitere Menschen.

Durch eine Aussage der Witwe des amerikanischen Superstars traten laut einem Bericht der »New York Times«  jetzt bislang unbekannte Details zutage. Befragt von einem Anwalt, der den Bezirk Los Angeles vertritt, schilderte Bryant nun, wie der Tag des Absturzes aus ihrer Sicht verlief – und wie sie vom Tod ihres Mannes und ihrer Tochter erfuhr.

Vanessa und Kobe Bryant 2019 in Beverly Hills, Kalifornien

Vanessa und Kobe Bryant 2019 in Beverly Hills, Kalifornien

Foto: Axelle/Bauer-Griffin / FilmMagic / Getty Images

»Mein Leben wird ohne meinen Mann und meine Tochter nie mehr dasselbe sein«, sagte sie demnach.

Wie die Zeitung berichtet, habe der Morgen des Unglückstags für Vanessa Bryant damit begonnen, dass sie mit zwei Kindern zu Hause blieb, während eine Tochter an einem College-Vorbereitungskurs teilnahm und Kobe Bryant, 41, sich zusammen mit Tochter Gianna, 13, zu einem Basketballspiel aufmachte.

Gegen 11.30 Uhr habe ein Assistent der Familie ihr mitgeteilt, dass Gianna und Kobe in einen Hubschrauberunfall verwickelt gewesen seien und dass fünf Menschen den Absturz überlebt hätten; Vanessa Bryant sei davon ausgegangen, dass Kobe und Gianna sich unter den Überlebenden befänden. Als sie versucht habe, ihren Mann anzurufen, seien auf ihrem Telefon »R.I.P Kobe«-Nachrichten aufgetaucht. Erst Stunden später habe sie offiziell vom Tod ihres Mannes und ihrer Tochter erfahren.

Zunächst habe sie versucht, einen Hubschrauber zu buchen, um zur Absturzstelle zu gelangen – was aufgrund des Wetters allerdings nicht möglich gewesen sei. Sie sei dann zu einer Polizeistation nahe der Absturzstelle gefahren worden, wo niemand Fragen zu ihrem Mann und ihrer Tochter habe beantworten wollen.

Nach langem Warten habe ein Pastor den Raum betreten, gefolgt von Alex Villanueva, dem Sheriff des Bezirks Los Angeles, der ihr die Tode bestätigt und sie gefragt habe, ob er etwas für sie tun könne. »Und ich sagte: ›Wenn Sie meinen Mann und mein Baby nicht zurückbringen können, sorgen Sie bitte dafür, dass niemand sie fotografiert. Bitte sichern Sie den Bereich«, so Vanessa Bryant laut »New York Times«. Villanueva habe ihr das zugesagt, woraufhin Bryant ihm geantwortet habe: »›Nein, Sie müssen sofort zum Telefon greifen und dafür sorgen, dass die Gegend gesichert wird.« Villanueva habe ihr auch das kurz später zugesagt.

Bryant will, dass die Menschen, die die Fotos gemacht haben, zur Rechenschaft gezogen werden. »Die Auswirkungen des Hubschrauberabsturzes waren so verheerend, dass ich einfach nicht verstehe, wie jemand keine Achtung vor dem Leben und kein Mitgefühl haben kann und stattdessen diese Gelegenheit nutzt, um leblose und hilflose Menschen zu seinem eigenen kranken Vergnügen zu fotografieren«, sagte sie.

Die Kleidung, die Kobe und Gianna Bryant am Tag des Absturzes trugen, habe sie sichergestellt, aus Sorge, dass Leute Fotos davon machen würden. »Sie haben sehr gelitten«, sagte Vanessa Bryant. »Und wenn ihre Kleidung den Zustand ihrer Körper widerspiegelt, kann ich mir nicht vorstellen, wie jemand so gefühllos sein kann und keine Rücksicht auf sie oder ihre Freunde nimmt und die Bilder einfach teilt, als wären sie Tiere auf der Straße.«

Einer der strittigen Punkte, so die »New York Times«, besteht in der Frage, ob der Bezirk Vanessa Bryant und weitere Kläger psychiatrisch untersuchen lassen dürfe – um festzustellen, ob sie in Folge der geteilten Fotos wirklich unter emotionalem Stress gelitten hätten. Vanessa Bryants Anwälte argumentieren, dass solche Untersuchungen »grausam« seien. Bryant selbst sagt: »Ich sollte das nicht durchmachen müssen.«

Das Unglück hatte weltweit Bestürzung ausgelöst. Kobe Bryant  gilt als einer der besten Basketballer der Geschichte. Er spielte von 1996 bis 2016 für die Los Angeles Lakers in der US-Basketballliga NBA und stellte zahlreiche Rekorde auf.

skr/AP