Spendensammler »Captain Tom« ist tot

Er sammelte Millionen für das britische Gesundheitssystem, dann erkrankte er selbst an Covid-19. Nun ist der 100-jährige Tom Moore seiner Familie zufolge gestorben.
Queen Elizabeth II., Tom Moore am 17. Juli 2020 im Hof von Schloss Windsor

Queen Elizabeth II., Tom Moore am 17. Juli 2020 im Hof von Schloss Windsor

Foto: REUTERS

Der 100 Jahre alte britische Rekordspendensammler Tom Moore (»Captain Tom«) ist gestorben. Das teilte seine Familie mit.

Der Senior hatte sich zuvor mit dem Coronavirus infiziert. Wegen anderer Medikamente, die er erhalten hatte, war Moore nicht gegen Covid-19 geimpft worden. Moore wurde in einem Krankenhaus in Bedford rund 90 Kilometer nördlich von London behandelt. Kinder und Enkel hätten die letzten Stunden an seiner Seite verbracht, persönlich oder über einen Videochat, berichteten die Töchter. »Wir haben stundenlang mit ihm geplaudert und uns an unsere Kindheit und unsere wundervolle Mutter erinnert. Wir teilten Lachen und Tränen miteinander.«

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Der Veteran aus dem Zweiten Weltkrieg hatte im vergangenen Jahr mit einem Spendenlauf knapp 32,8 Millionen britische Pfund (etwa 37 Millionen Euro) für den Nationalen Gesundheitsdienst NHS in der Corona-Pandemie gesammelt und damit weltweite Berühmtheit erlangt. Die Summe wurde als Guinness-Weltrekord für die höchste Summe, die bei einem Spendenlauf je zusammenkam, anerkannt. Queen Elizabeth II. schlug ihn nach dem Spendenlauf zum Ritter.

Seine Töchter fassten es so zusammen: »Das letzte Lebensjahr unseres Vaters war geradezu bemerkenswert. Er war verjüngt und erlebte Dinge, von denen er nur geträumt hatte.« Sogar eine Verfilmung seines Lebens war geplant.

DER SPIEGEL

Die Begeisterung für Sir Tom, wie er sich seit dem Ritterschlag nennen durfte, war enorm. Ehrenhalber zum Colonel befördert, stürmte er sogar mit seiner eigenen Version der Fußball-Hymne »You'll Never Walk Alone« an die Spitze der Charts in Großbritannien. Den Song nahm er gemeinsam mit dem britischen Sänger und Schauspieler Michael Ball und einem NHS-Chor auf. Zu seinem 100. Geburtstag im April 2020 erhielt er etwa 125.000 Glückwunschkarten aus aller Welt. Über sein Haus in dem beschaulichen Örtchen Marston Moretaine in der Grafschaft Bedfordshire flogen damals zu seinen Ehren Kampfflugzeuge aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Die Königin kündigte nun an, Moores Familie eine private Beileidsbekundung zukommen zu lassen. »Ihre Majestät hat es sehr genossen, Captain Sir Tom und seine Familie letztes Jahr in Windsor zu treffen«, heißt es in einer Erklärung des Buckingham-Palastes.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

»Captain Sir Tom Moore war im wahrsten Sinne des Wortes ein Held«, twittere Premierminister Boris Johnson. Schon im Zweiten Weltkrieg habe Moore für die Freiheit gekämpft und in der dunkelsten Krise der Nachkriegszeit alle vereint und aufgemuntert. Am Regierungssitz in der Downing Street wehte der Union Jack in Gedenken an Moore auf Halbmast.

Außenminister Dominic Raab schrieb, der 100-Jährige habe »die Moral der ganzen Nation« gestärkt. Auch Oppositionsführer Keir Starmer sowie Schottlands und Nordirlands Regierungschefinnen Nicola Sturgeon und Arlene Foster gedachten Moore und seinen Verdiensten.

bbr/ptz/dpa/AP/Reuters
Mehr lesen über Verwandte Artikel