Torontos Skandal-Bürgermeister Wilde Party-Nacht mit Dame

Es wird eng für Rob Ford. Erst musste Torontos Bürgermeister zugeben, Crack geraucht zu haben, nun tauchen neue Vorwürfe auf. Polizeiprotokolle legen nahe, dass der 44-Jährige sich womöglich mit einer Prostituierten vergnügt hat, betrunken Auto fuhr und Drogen nahm. Der Stadtrat hat genug.

AP/ The Canadian Press

Toronto - Auch nach seinem Drogengeständnis kommt Torontos Skandal-Bürgermeister Rob Ford nicht aus den Negativschlagzeilen: Der Stadtrat von Kanadas größter Stadt forderte den 44-Jährigen mit überwältigender Mehrheit von 37 zu 5 Stimmen auf, seine Amtsgeschäfte niederzulegen. "Wir verlangen von Ihnen, sich zurückzuziehen und eine Auszeit einzulegen, um Ihre privaten Probleme abseits der Öffentlichkeit zu regeln", erklärten die Volksvertreter in einer gemeinsamen Resolution.

Für den Bürgermeister war es die erste Stadtratssitzung seit seinem Eingeständnis, Crack geraucht und jahrelang illegale Drogen gekauft zu haben - was er zuvor hartnäckig und monatelang bestritten hatte. Der Bürgermeister erklärte zwar, er habe "Fehler gemacht", sein Amt niederlegen will er aber keineswegs. Er sei nicht drogenabhängig und habe seine Pflichten nicht vernachlässigt. "Ich werde diesen Job auf jeden Fall behalten", sagte der Politiker, der bei den Kommunalwahlen im Oktober 2014 wieder antreten will.

Im Stadtrat sitzt auch Fords Bruder Doug, der von einer Hexenjagd auf das Stadtoberhaupt sprach. Die Stellungnahme des Stadtrats ist für Rob Ford zwar nicht bindend, erhöht aber den ohnehin großen Druck auf ihn.

Immer neue Vorwürfe tauchen auf: Nach Filmaufnahmen von einem peinlichen Wutausbruch im Vollrausch bringt ihn nun eine feuchtfröhliche Feier zum St. Patrick's Day im März 2012 in Erklärungsnot. Dabei soll sich der Bürgermeister mit einer mutmaßlichen Prostituierten vergnügt, Kokain geschnupft und sich anschließend ans Steuer gesetzt haben, obwohl er angeblich schon eine halbe Flasche Wodka getrunken hatte. Das geht zumindest aus Zeugenbefragungen der Polizei hervor, deren Protokolle die Justiz nun veröffentlichte.

"Peinlich und erniedrigend"

Mehrere von Fords Mitarbeitern hätten der Polizei ihre Besorgnis über den berauschten Bürgermeister und dessen verwirrtes und aggressives Verhalten an jenem Abend mitgeteilt, berichtete der "Toronto Star". Die Party begann demnach im Büro des Bürgermeisters, ging in einem privaten Raum einer Bar weiter und führte die Feiernden schließlich wieder zurück in Fords Büro.

Der Bürgermeister sei bereits gegen 21 Uhr "völlig weggetreten" gewesen, berichtete einer seiner Mitarbeiter der Polizei. Im Laufe des turbulenten Abends soll Ford extreme Stimmungsschwankungen gezeigt haben: Er habe einen Taxifahrer rassistisch beleidigt, Mitarbeiter beschimpft und sei wegen seines verstorbenen Vaters in Tränen ausgebrochen, heißt es laut der Zeitung in den Protokollen.

In der Ratssitzung bestritt Ford, jemals einen Mitarbeiter angegriffen zu haben. Die vorherigen Details aus seinem Privatleben bezeichnete er als "peinlich und erniedrigend", aber auch als Einzelfälle. Zweifel an der Einmaligkeit der Vorkommnisse nährte der Bürgermeister jedoch gleich selbst, indem er sich einmal mehr auf Gedächtnislücken berief. Auf die Frage eines Abgeordneten, ob er weitere Enthüllungen ausschließen könne, sagte Ford: "Keine Ahnung, vielleicht gibt es noch weitere Leichen in meinem Keller. Ich weiß es nicht."

Aktuellen Umfragen zufolge verlangen drei Viertel der Einwohner Torontos seinen Rücktritt. Auch am Mittwoch demonstrierten wieder Hunderte Gegner vor dem Stadtratsgebäude und forderten Ford auf zurückzutreten.

wit/AFP/AP



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