Toter King of Pop Jacksons Familie fordert zweite Autopsie

Rätselraten um Michael Jacksons Tod - wegen der ungeklärten Umstände hat die Familie des Musikers eine zweite Obduktion des Leichnams gefordert. Ein enger Vertrauter behauptet, er habe schon im Jahr 2005 von Medikamenten-Problemen beim King of Pop gewusst.


Los Angeles - Genaue Ergebnisse zum Tod von Michael Jackson sind erst in vier bis sechs Wochen zu erwarten, doch so lange will sich die Familie des toten Popstars offenbar nicht gedulden: Nach den Worten des US-Bürgerrechtlers Jesse Jackson verlangt der Jackson-Clan nun eine zweite Autopsie. Es gebe noch immer unbeantwortete Fragen zum Tod des "King of Pop", sagte Jesse Jackson, der mit der Familie nicht verwandt ist, aber als Vertrauter gilt.

Joe Jackson (r.), Vater des verstorbenen Popstars Michael Jackson, berät sich mit dem US-Bürgerrechtler Jesse Jackson und dessen Sohn Yusef DuBois (Mitte): Neue Autopsie gefordert.
REUTERS

Joe Jackson (r.), Vater des verstorbenen Popstars Michael Jackson, berät sich mit dem US-Bürgerrechtler Jesse Jackson und dessen Sohn Yusef DuBois (Mitte): Neue Autopsie gefordert.

Auch der Internetdienst TMZ.com berichtet von einer zweiten Autopsie. Die Untersuchung soll angeblich bereits im Gange sein - das behauptet TMZ.com unter Berufung auf eine der "Familie nahe stehende Quelle".

Nach der ersten gerichtsmedizinischen Untersuchung am Freitag waren keine eindeutigen Ergebnisse bekannt geworden. Aus diesem Grund wollen die Ärzte in den kommenden Wochen weitere Tests durchführen. Die Gerichtsmedizin verwies darauf, dass Jackson laut Autopsie noch nicht näher bestimmte Medikamente zu sich genommen habe.

Zum Tod von Michael Jackson
Sony BMG/Reuters

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In diesem Zusammenhang war auch Jacksons Leibarzt, Dr. Conrad Murray, von der Polizei befragt worden - allerdings nicht als Verdächtiger, wie die Behörden betonten. Einen Anwalt hat sich der Kardiologe inzwischen trotzdem genommen. In Jacksons Villa hatte er noch versucht, den Popstar mit einer Herzmassage wiederzubeleben, doch die Familie Jacksons verlangt inzwischen Aufschluss über die Rolle des Arztes.

Dabei könnten auch die Äußerungen von Deepak Chopra, ebenfalls Mediziner und langjähriger Vertrauter Jacksons, für Aufsehen sorgen. Er sei schon seit 2005 über den Medikamenten-Konsum des Popstars besorgt gewesen, so Chopra.

In diesem Jahr habe Jackson ihn erstmals nach Schmerzmitteln gefragt. Chopra behauptet, er habe abgelehnt, sei aber in den folgenden Jahren wiederholt auf ein mögliches Medikamenten-Problem Jacksons aufmerksam gemacht worden - in erster Linie durch Hinweise der Nanny von Jacksons Kindern.

Die Frau soll ihm geschildert haben, dass verschiedene Ärzte immer wieder die Wohnungen Jacksons in Santa Barbara, Los Angeles, Miami und New York aufgesucht hätten. Noch vor einem halben Jahr habe er mit dem Musiker über den Verdacht des Medikamentenmissbrauchs gesprochen. Doch immer wenn das Thema aufkam, habe Jackson nicht mehr auf seine Anrufe reagiert, so Chopra, der in den vergangenen Jahren als Autor von spirituellen Büchern bekannt geworden ist.

Die Gerüchte über die mögliche Abhängigkeit Jacksons und die unklaren Todesumstände dürften nicht das einzige Ärgernis für seine Familie bleiben. Nur 24 Stunden nach dem Tod des dreifachen Vaters zeichnete sich ab, dass es zu einer Auseinandersetzung um das Sorgerecht für seine Kinder kommen könnte.

Debbie Rowe, die leibliche Mutter der beiden älteren Kinder, hat nach Angaben ihrer früheren Rechtsanwältin Iris Finsilver Anspruch auf das Sorgerecht. Die Juristin berief sich im Gespräch mit der US-Zeitschrift "People" auf die kalifornische Rechtslage. Jackson und Rowe hatten sich 2006 nach einem jahrelangen Sorgerechtsstreit geeinigt, Einzelheiten wurden damals aber nicht bekannt. Alle drei Kinder befinden sich derzeit in der Obhut ihrer Großmutter, Katherine Jackson.

Die Organisatoren von Jacksons geplanter Comeback-Tour widersprachen derweil Berichten, der Sänger sei in den Tagen vor seinem Tod gebrechlich gewesen. Jackson habe noch einen Tag vor seinem Zusammenbruch bei den Proben für seine Londoner Konzerte "vor Glück gestrahlt", sagte Randy Phillips von der Konzertagentur AEG Live der "Los Angeles Times".

Der an den Proben beteiligte Zauberer Ed Alonzo sagte, Jackson habe nicht einmal Pause gemacht um Wasser zu trinken. "Er sah großartig aus und war voller Energie." Jesse Jackson sagte dem TV-Sender CNN, der Sänger habe drei Stunden täglich trainiert und danach noch drei Stunden getanzt. Michael sei "obenauf" gewesen und habe sich gut gefühlt.

hut/dpa/AP/AFP

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