Briefe an Tausende Mitarbeiter Kostete ihn seine Tupac-Verehrung den Job?

Jerry Foxhoven ist 66, glühender Tupac-Fan - und seit Kurzem nicht mehr Direktor einer großen US-Behörde. Möglicherweise musste er gehen, weil seine Passion für den Rapper kuriose Züge annahm.

Zach Boyden-Holmes/The Des Moines Register/AP

Musik, daran besteht kein Zweifel, hat eine große Kraft. Sie kann Gefühle wecken, mit der manch einer sprichwörtlich Berge versetzen mag. Und sie kann manchmal sehr konkrete Auswirkungen auf das Leben von Menschen haben - leider nicht nur positive, wie Jerry Foxhoven nun offenbar erfahren musste.

Der 66-Jährige ist ein begeisterter Fan des 1996 ermordeten Rappers Tupac Shakur, und er ist Direktor der Gesundheits- und Zivilschutzbehörde im US-Bundesstaat Iowa - wobei, genau gesagt: Das war er. Im Juni verlor der Staatsdiener seinen Job, und Medienberichten zufolge lag das an seiner Passion für Tupac.

Seine Vorgesetzten sollen Foxhoven laut BBC im Juni zur Kündigung gedrängt haben, weil er es mit seiner Begeisterung offenbar übertrieb - und sie auch in seiner Arbeit erstaunlich großen Raum einnahm: An sogenannten Tupac-Freitagen spielte er demnach etwa Musik des Rappers in seinem Büro ab.

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Tupac-Anhänger: Der Fan Foxhoven

Zudem soll Foxhoven regelmäßig Mails mit Tupac-Zitaten in der Behörde verschickt haben. Noch vor Kurzem erhielten den Berichten zufolge etwa 4000 Mitarbeiter eine solche Nachricht, insgesamt soll es sich dem Sender NPR zufolge um mindestens 350 E-Mails dieser Art gehandelt haben. "Ich könnte heute etwas niedergeschlagen wirken, weil der 22. Todestag von 2Pac ist", schrieb er demzufolge etwa im vergangenen Jahr.

Foxhoven verteidigte seine Passion. "Ich bin ein 66 Jahre alter weißer Mann aus dem Mittleren Westen, der Rap-Musik und Tupac mag", sagte er NPR. Er habe dieses Hobby eingesetzt, um sich an seine Kollegen zu wenden - "um ihnen zu zeigen, dass ich ein Mensch bin, eine gewisse Unbeschwertheit habe".

"Ich halte das für einen Zufall"

Verlor Foxhoven wirklich wegen seiner streitbaren Mails den Direktorenposten? Die Behörden äußerten sich dazu bislang nicht, und der 66-Jährige glaubt offenbar auch selbst nicht daran: "Ich halte das für einen Zufall", sagte er der "New York Times". Was der tatsächliche Grund seiner Kündigung sein soll, verriet er allerdings nicht.

Der damals 25-jährige Tupac Shakur wurde im September 1996 aus einem fahrenden Auto erschossen. Bis heute sind die Hintergründe unklar. Als Hauptverdächtiger galt lange ein Gangmitglied namens Orlando Anderson - er soll kurz vor Tupacs Tod mit dem Rapper in Streit geraten und von ihm und seinen Freunden verprügelt worden sein. (Mehr über den Fall erfahren Sie hier.)

Im vergangenen Jahr war wieder Bewegung in den Fall gekommen: Die Polizei in Las Vegas nahm erneute Ermittlungen auf - weil ein Zeuge in einem Interview bislang unbekannte Details über die Tatnacht preisgegeben hatte. Demnach hat möglicherweise Anderson den Musiker aus Rache getötet.

Ob der Fall jemals geklärt wird, ist ungewiss - und unwahrscheinlich: Den Hauptverdächtigen Anderson, der immer behauptet hatte, nicht auf den Rapper geschossen zu haben, können die Beamten jedenfalls nicht mehr befragen. Er wurde zwei Jahre nach Tupac ebenfalls erschossen.

mxw



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