Ungeladen zu Obama Der größte Triumph der Partyschrecken

Eine Ex-Cheerleaderin und ein Winzer düpierten den Secret Service. Das Washingtoner Möchtegern-Society-Pärchen Michaele und Tareq Salahi schlich sich zu einem Staatsdinner ins Weiße Haus. Nun bekommen die beiden endlich, wonach sie sich am meisten sehnen: Aufmerksamkeit.


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Partyschreck: Die Salahis zu Gast bei Obama
Hamburg - Sie wirken wie die lebendige Karikatur eines amerikanischen Upper-Class-Paars, das ganze Leben öffentlich, eine einzige schillernde Fassade, von der Welt bitte zu bestaunen. Und nun kommen Michaele und Tareq Salahi dank einer Unverschämtheit vorübergehend ganz groß heraus. Die Ex-Cheerleaderin der Washington Redskins und der Winzer haben es geschafft, sich uneingeladen zu einem Staatsdinner ins Weiße Haus zu stehlen. Sie passierten sämtliche Sicherheitskontrollen und präsentierten hinterher stolz ihre Fotos mit ranghohen US-Vertretern im Internet. Die Bilder zeigten die Eheleute unter anderem an der Seite von Vizepräsident Joe Biden und Obamas Stabschef Rahm Emanuel.

Doch wer sind die beiden Menschen, die so authentisch wirken wie Figuren aus dem Desperate-Housewives-Sex-and-the-City-Kosmos, dauerlächelnd, schönheitsbehandelt und nach eigener Auskunft im Besitz der "größten Schuhsammlung Washingtons"?

"Sie sind Reality-Show-Menschen", verkündete eine Kolumnistin der "Washington Post" auf CNN, und man konnte den Widerwillen aus ihren Worten deutlich heraushören: "Das sagt ja schon fast alles." Als sie das Paar bei dem Dinner im Weißen Haus gesehen habe, habe sie gedacht: "Was um alles in der Welt machen die hier? Wie haben die bloß eine Einladung ergattern können?", so Roxanne Roberts. Die Eheleute seien in der Vergangenheit vor allem mit halbseidenen Poloturnieren und einem hässlichen Familienstreit um ihr Weingut in Virginia aufgefallen.

Damals zankten sich Tareq und Michaele Salahi in aller Öffentlichkeit mit den Eltern des 40-Jährigen über die Zukunft der Ländereien. Laut "Washington Post" planten Dirgham, 83, und Corinne, 64, Salahi das Gut zu verkaufen, um ihre Schulden zu tilgen. Ihrem Sohn Tareq warfen sie vor, sich in das Geschäft eingemischt zu haben. Sie sollen sogar versucht haben, ihn von dem Weingut zu vertreiben. Salahi junior wiederum beschuldigte den Anwalt seiner Eltern, ihn in seinem Haus überfallen zu haben. Der Streit gipfelte in einer Zivilklage.

In Highheels vor dem Kamin

Doch die Salahis suchen die öffentliche Aufmerksamkeit auch noch auf ganz anderen Wegen. So posierten die beiden bereits auf dem Titelblatt des Lokalmagazins "Style", sie im Minirock und Highheels, lasziv an einem Kamin lehnend, er im Smoking, eine Hand lässig in der Hosentasche. Demnächst werden die Möchtergern-Prominenten auch noch in einer Reality-Sendung auftreten, Titel der Show: "Real Housewives D.C.".

Ältere Fotos auf Facebook zeigen die Salahis unter anderem mit Prinz Charles, Ex-US-Präsident Bill Clinton, der Talkmasterin Oprah Winfrey, dem Astronauten Buzz Aldrin und US-Fernsehstar Bill Cosby. Im Internet, dem optimalen Medium für Selbstdarsteller wie sie, haben sie auch das nicht wenig kitschige Video ihrer pastellfarbenen Eheschließung veröffentlicht.

Ein hämischer Kommentar unter dem unerträglichen Film lautet: "Schmalziges Hochzeitsvideo: 25.000 Dollar; Blondes Haarfärbemittel: sechs Dollar; Klasse: unbezahlbar. Es gibt einfach Dinge, die kann man nicht kaufen."

jdl/mas



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