Anzeige in der Schweiz Karl Dall wehrt sich gegen Vergewaltigungsvorwürfe

Eine Journalistin erhebt offenbar schwere Vorwürfe gegen Karl Dall: Sie behauptet, der Entertainer habe sie vergewaltigt. Dall saß vier Tage lang in Untersuchungshaft. Er bestreitet die Anschuldigungen, will sich aber einem möglichen Prozess in der Schweiz stellen.

DPA

Von Rainer Leurs


Zürich/Hamburg - Schwere Vorwürfe gegen Karl Dall: Der deutsche Schauspieler und Entertainer steht unter Verdacht, in der Schweiz eine Frau vergewaltigt zu haben. Das sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Zürich SPIEGEL ONLINE und bestätigte damit einen Bericht der "Bild"-Zeitung. Der 72-Jährige habe wegen der Vorwürfe Anfang November vier Tage in Untersuchungshaft gesessen. Weil keine Flucht- oder Verdunklungsgefahr bestehe, sei er inzwischen entlassen worden; es bestehe aber weiter dringender Tatverdacht.

Wie unter anderem die Schweizer Boulevardzeitung "Blick" berichtet, hatte eine 43-jährige Journalistin aus Solothurn den Deutschen angezeigt. Sie habe im August per E-Mail ein Interview mit ihm geführt und ihn am 5. September in Zürich nach einem Talkshow-Auftritt persönlich getroffen. Die Frau bezichtigt Dall dem Blatt zufolge, sie nach der Aufzeichnung der Sendung in einem Hotelzimmer vergewaltigt zu haben.

Dalls Schweizer Rechtsanwalt Marc Engler sagte SPIEGEL ONLINE, sein Mandant wehre sich vehement gegen die Vorwürfe. "Es ist weder zu einer Vergewaltigung noch zu Geschlechtsverkehr gekommen", sagte er.

Hinter verspiegelter Glasscheibe Befragung verfolgt

Gemeinsam mit Dall habe Engler die Befragung der 43-Jährigen durch die Polizei hinter einer verspiegelten Glasscheibe verfolgen und ihr selbst einige Fragen stellen können. "Ich hatte aufgrund ihrer Aussagen und meiner Aktenkenntnis den Eindruck, dass diese Frau wenig glaubwürdig ist", sagte Engler.

Bei dem Treffen am 5. September habe es sich um die erste und bis zur Vernehmung einzige Begegnung von Dall und der Journalistin gehandelt, fügte der Anwalt hinzu. Die Frau habe Dall an diesem Abend bedrängt, dieser wiederum habe sie auf Distanz halten wollen.

In einer schriftlichen Stellungnahme, die unter anderem in der "Bild"-Zeitung veröffentlicht wurde, wehrte sich Dall auch persönlich gegen die Vorwürfe. "Eine freie Schweizer Journalistin versuchte, einen beruflichen Kontakt mit mir zu benutzen, sich in mein Leben einzuschleichen und finanzielle Vorteile daraus zu erlangen", heißt es darin. "Als ihr Vorhaben scheiterte, erhob sie den Vorwurf einer Vergewaltigung."

"Möge dieser Albtraum möglichst bald vorüber sein"

Die Frau habe begonnen, Dall und seine Familie zu belästigen und finanzielle Forderungen zu stellen, schreibt der 72-Jährige weiter. Nach einigen Wochen habe sie schließlich Anzeige erstattet. "Ihre Aussagen sind in widersprüchlicher Manier gestrickt." Dall sei "zutiefst traurig über diese Ereignisse", er fühle sich in seinem Zutrauen missbraucht. "Möge dieser Albtraum möglichst bald vorüber sein."

Dalls Anwalt Engler zufolge machten die Schweizer Behörden keine Auflagen für die Entlassung aus der U-Haft. "Selbstverständlich hat Herr Dall zugesichert, dass er sich für die Untersuchung in der Schweiz zur Verfügung hält", sagte er. Einem möglichen Prozess werde sich der Deutsche stellen. Engler fügte hinzu, es bestehe durchaus die Möglichkeit, dass es zu einer Anklage kommt. Die Hürden für eine Einstellung von Verfahren seien durch den Gesetzgeber in den letzten Jahren immer weiter nach oben versetzt worden, sagte er.

Laut "Blick" war Dall nach einem Auftritt in St. Gallen am 3. November verhaftet worden. Polizisten hätten ihm am späten Abend beim Verlassen der Veranstaltungshalle Handschellen angelegt und ihn ins Untersuchungsgefängnis gebracht.

Dall gilt als Urgestein der deutschen Fernsehunterhaltung. Zurzeit ist der gebürtige Ostfriese mit einer Solo-Theatershow auf Tournee.

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