Victoria von Schweden Ein ganz normales Königskind

Sie überwand die Magersucht, packt ihre Koffer selbst und gefällt sich als Dauerstudentin: Victoria ist eine ganz normale junge Frau - beinahe jedenfalls. Denn der Kronprinzessin von Schweden, die jetzt 30 wird, liegt ein ganzes Land zu Füßen.

Von Carolin Jenkner


Hamburg - Auf der Internetseite der schwedischen Zeitung "Aftonbladet" läuft der Countdown schon seit einigen Tagen. Jetzt sind es nur noch wenige Stunden und Minuten bis zum Geburtstag von Kronprinzessin Victoria. Morgen werden im ganzen Land die blau-gelben Fähnchen wehen. Jedes Jahr wird Victorias Geburtstag ausgiebig gefeiert. Aber dieses Jahr wird das Fest noch größer: "Vickan", wie die Schweden die Kronprinzessin nennen, wird 30.

Victoria ist das Mitglied der schwedischen Königsfamilie, das Schweden am besten repräsentiert, findet die Mehrheit der Bürger. Sie ist das älteste von drei Kindern - und das beliebteste.

Der 14. Juli, ihr Geburtstag, ist in Schweden deshalb schon seit Jahren der "Victoria-Tag", inoffiziell jedenfalls, denn normalerweise ist dies eine Ehre, die wohl nur Königinnen und Königen zuteil wird. Morgen wird die Prinzessin zunächst in Stockholm feiern und dann mit ihren Gästen weiter auf die südschwedische Insel Öland ziehen. Dorthin, wo sie fast immer ihr Geburtstagsfest gibt: auf den Sportplatz der Kleinstadt Borgholm. Dort herrscht schon seit Montag Karnevalsstimmung. Die ganze Woche über gab es Sportturniere, die alle mit ihrem Vornamen beginnen: Victoria-Tennis etwa oder Victoria-Golf, es gibt sogar eine Victoria-Messe.

Ihr Freund Daniel Westling allerdings darf an der offiziellen Feier nicht teilnehmen. Sie ist nur für Familienmitglieder gedacht. Und als das gilt für Daniel erst, wenn er mit Victoria verlobt ist. Boulevardreporter spekulieren schon lange, wann es so weit sein könnte. Seit fünf Jahren sind die Prinzessin und ihr ehemaliger Fitnesstrainer ein Paar. Aber Victoria lässt sich scheinbar nicht aus der Ruhe bringen, auch nicht mit 30.

Sie nimmt sich Zeit - privat und beruflich

"Ich fühle mich nicht durch die Spekulationen unter Druck gesetzt", sagte sie in einem Interview mit der schwedischen Nachrichtenagentur TT. Auf die Frage, ob es nicht Zeit sei, sich zu verloben, sagte sie gelassen: "Das passiert, wenn es passiert." Victoria weiß auch, dass es nicht leicht ist, in die königliche Familie einzuheiraten: "Das ist eine große Umstellung im Leben", sagte sie der Nachrichtenagentur.

Victoria lässt sich gern Zeit - mit dem Privaten wie mit dem Beruflichen. Im Herbst hat sie das Diplomatenprogramm im schwedischen Außenministerium abgeschlossen. Schon eine Woche später fing sie, Politik zu studieren. Ein paar andere Studiengänge hat sie längst abgeschlossen. Die Dauerstudentin will sich damit nach eigenem Bekunden möglichst gründlich auf ihre spätere Rolle als Königin vorbereiten. "Ich studiere, um Schweden so gut wie möglich repräsentieren zu können", sagte sie in dem Interview mit TT.

Und das könnte schon früher der Fall sein, als ihr vermutlich lieb ist: Denn wenn es nach der Mehrheit der Schweden ginge, sollte Victorias Vater Carl XVI. Gustaf schon in vier Jahren das Zepter an seine Tochter weiterreichen. 64 Prozent der Schweden sind dafür, dass er mit 65 in Rente geht. Eigentlich ist das unüblich in Schweden, denn auch hier regiert der König normalerweise bis zum Tod. Und auch Victoria selbst hat in der Vergangenheit immer wieder betont, dass ihre Eltern Carl XVI. Gustaf und Silvia die Geschäfte noch lange führen werden.

Dass sie überhaupt die Nummer eins in der Thronfolge ist, wurde durch eine Änderung des schwedischen Gesetzes möglich. Nach ihrer Geburt wurde geregelt, dass auch Frauen an der Staatsspitze stehen können.

"Wie ein ganz normales Mädchen"

Ihre Beliebtheit hat Victoria wohl auch ihrer natürlichen Ausstrahlung und ihrer unprätentiösen Art zu verdanken. Von ihrer Kindheit an waren ihre Eltern auf Normalität bedacht. Sie schickten sie auf ein ganz normales, staatliches Gymnasium in Stockholm - keine Extrawurst für die Königstochter.

Catarina Hurtig, Königshausreporterin für eine schwedische Frauenzeitschrift, hat die Prinzessin als eine Frau ohne Starallüren kennengelernt: "Ich war erstaunt, dass die Kronprinzessin so viel selbst macht", erzählt sie der Zeitung "Aftonbladet". "Klar bekommt sie in manchen Dingen Hilfe, aber sie packt ihren Koffer selbst, macht sich die Haare und schminkt sich selbst." Das Faszinierende sei, dass sie so natürlich sei und in gewisser Weise ein ganz normales Mädchen.

Vor einigen Jahren noch hatte sie mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie viele andere in ihrem Alter: Essstörungen bis hin zur Magersucht. 1998 wurde ihre Krankheit bekannt. Das Königshaus führte die Essstörungen damals auch auf die ständige Belagerung durch die Paparazzi zurück. Um in Ruhe studieren zu können, schrieb Victoria sich damals an der US-Eliteuniversität Yale ein. Später schilderte sie in Interviews ihren erfolgreichen Kampf gegen die Krankheit.

Mit 30 scheint Victoria nun eine gefestigte Persönlichkeit zu sein. Laut ihren Aussagen in den letzten Tagen und Wochen fühlt sie sich ruhiger und stärker als noch vor ein paar Jahren. Und sie verfolgt eisern ihr Ziel, die Schweden nicht zu enttäuschen: "Ich hoffe, dass ich die Erwartungen der Menschen erfüllen kann", sagte sie im Interview mit der Nachrichtenagentur TT.

Erst einmal wird sie aber feiern - morgen offiziell mit der Königsfamilie und nächste Woche ganz normal mir ihren Freunden. Wie jeder andere Schwede es auch tun würde.



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