Vivienne Westwood zum 75. Geburtstag Karos und Chaos

Vivienne Westwood gilt als Erfinderin der Punkmode - zu Recht, niemand kann Karos und Korsetts so schön in Szene setzen. Zum 75. Geburtstag der Designerin haben Sie die Wahl: Welches Outfit gefällt Ihnen am besten?

Dame Vivienne Westwood
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Dame Vivienne Westwood


London zelebriert dieses Jahr die Punkbewegung - 40 Jahre sind seit dem Erscheinen der ersten Sex-Pistols-Single "Anarchy in the UK" vergangen. Irokesenfrisuren, Bondage-Klamotten und Sicherheitsnadeln gehören längst zur Hochkultur, es gibt Ausstellungen in der renommierten British Library und im Kulturbunker Barbican. Kein Wunder, dass sich die Erfinderin der Punkmode schon lange auf andere Provokationen verlegt hat: Die britische Moderebellin Vivienne Westwood demonstriert auf einem weißen Panzer vor David Camerons Haus gegen die umstrittene Fracking-Methode zur Erdgasgewinnung und posiert nackt für Starfotograf Juergen Teller. Am 8. April feiert sie ihren 75. Geburtstag.

Ein bisschen exzentrisch war die Tochter einer Baumwollspinnerin und eines Kolonialwarenhändlers aus der englischen Grafschaft Derbyshire schon immer. Schriftstellerin wollte sie werden, entschloss sich dann aber zu einer Ausbildung als Grundschullehrerin und stimmte sogar für die Tories, die konservative Partei in Großbritannien. Mit 21 Jahren heiratete sie schließlich den Flugbegleiter Derek Westwood, der wie sie Rock 'n' Roll liebte, und bekam ihr erstes Kind. Ihr Leben schien vorgezeichnet.

Doch drei Jahre später verlor sie ihr Herz an den Kunststudenten Malcolm McLaren (1946-2010), den späteren Manager (und umstrittenerweise: Mitbegründer) der Punk-Band Sex Pistols. Er inspirierte Vivienne Westwood, ihr kleinbürgerliches Hausfrauendasein hinter sich zu lassen. Zusammen mit McLaren eröffnete sie 1970 auf der Londoner King's Road ihre erste Boutique. Schnell entwickelte sich der Laden zum absoluten Trendsetter. Der Name wechselte wie die Mode: "Let it rock", "Too fast to live, too young to die", "SEX", "Seditionaries" (Aufwiegler) und schließlich "World's End".

Protest bei Cameron
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Protest bei Cameron

Während sie ihre beiden Söhne großzog - Ben Westwood und Joseph Corré - schuf Westwood Monturen für die Musiker der Sex Pistols und inspirierte die Punkmode wie keine Zweite. Auch nach der Trennung von McLaren blieb sie ihrer rebellischen Kreativität treu. Ihr eigenes Schottenmuster "MacAndreas" und verzerrte Elemente der exaltierten Mode des 18. und 19. Jahrhunderts wurden ihr Markenzeichen - Korsagen, Wespentaillen, Reifröcke für voluminöse Hintern. Und immer: viel, viel Stoff. Das schrille Stilrecycling ist Programm: Als Insignien für ihr Label hat die Modedesignerin einen von einem Saturnring umzirkelten Reichsapfel auserkoren.

1981 debütierte Westwood bei der Londoner Fashion Week - ihre berühmte "Piraten"-Kollektion war ihr Abschied vom Punk, bevor dieser endgültig im Mainstream ankam.

Anfang der Neunzigerjahre legte Westwood auch als Geschäftsfrau richtig los. Schließlich gehörte sie zu den ganz Großen der Branche, ihre Catwalks zu den Höhepunkten der London Fashion Week. Die britische Königin ließ sich zwar nicht modisch von Westwood inspirieren, hielt ihr Werk aber dennoch in Ehren. 1992 wurde Vivienne Westwood in den "Order of the British Empire" aufgenommen. Klar, dass sich Westwood, die ewige Provokateurin, diese Gelegenheit, einen Skandal zu inszenieren, nicht entgehen lassen konnte.

"Der Klimawandel steht vor unserer Haustür"

Die Fotografen zumindest waren begeistert, als sich herausstellte, dass die Modemacherin auf einen Schlüpfer unter ihrem edlen Rock verzichtet hatte. Allzu geschockt kann die Queen damals aber nicht gewesen sein - 14 Jahre später ernannte sie Westwood zur Dame.

Provokationen gehören zwar immer noch zu Vivienne Westwoods Repertoire, doch heute trägt sie ihre Überzeugungen lieber als Parolen auf T-Shirts zur Schau, von "I am not a terrorist, please don't arrest me" bis hin zu "Climate Revolution". Ihr Engagement reicht von Protesten gegen Fracking und Massentourismus auf Kreuzfahrtschiffen bis hin zu Klimawandel. Auch bei ihren Entwürfen setzt sie mittlerweile auf Recycling.

Einmal pro Monat besuche sie außerdem den umstrittenen WikiLeaks-Aktivisten Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft: "Ich quetsche ihn nach neuen Ideen aus. Ich denke, er ist genial." Und der Botschafts-Kaffee sei wirklich gut. Natürlich ziert eines ihrer T-Shirts der Slogan "I'm Julian Assange".

Vivienne Westwood und Andreas Kronthaler
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Vivienne Westwood und Andreas Kronthaler

Inzwischen hat ihr Ehemann und langjähriger Designpartner, der 25 Jahre jüngere Tiroler Andreas Kronthaler, die Zügel übernommen. Im März zeigte er seine erste eigene Kollektion unter dem Namen "Andreas Kronthaler for Vivienne Westwood". Das Branchenblatt "Hollywood Reporter" war allerdings wenig beeindruckt und bemerkte trocken: "Genau was der Dalai Lama brauchen würde, falls er sich entscheidet, in einen Club abtanzen zu gehen." Andere gratulierten zu einem spektakulären Solodebüt.

Die Beifallsrunde auf dem Laufsteg legten die beiden Händchen haltend zurück: Vivienne Westwood (die mittlerweile ihre Haare schlicht weiß trägt statt flammend orange) wie immer mit ihrem Markenzeichen, dunkelrotem Lippenstift und orangefarbenem Lidstrich und Augenbrauen. Die ewige Rebellin.

So gehts: Sie sehen zwei Fotos im Vergleich. Klicken Sie auf das Outfit, das Ihnen besser gefällt. Das andere verschwindet, ein neues erscheint - wieder können Sie das Ihrer Meinung nach schönere Outfit anklicken. Am Ende bleibt der Sieger-Look übrig.

Uli Hesse, dpa/gam



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