Walz-Hochzeit Armreif statt Ehering

Von wegen unromantisch: Vor der Hochzeit hatte der Berliner Starfriseur Udo Walz stets betont, er wolle mit der Heirat nur seinem Lebensgefährten das Erben erleichtern. Für einen schnöden bürokratischen Akt allerdings hat der 63-Jährige mächtig aufgefahren.


Berlin - Alle waren sie da. Schauspielerin Barbara Becker, Kollegin Bettina Zimmermann, Stylist Mads Rönnborg und "Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel - allein als Trauzeugen. Sabine Christiansen mit ihrem Ehemann Norbert Medus, Schauspieler Sven Martinek und Musiker Thomas Fuchsberger. Kunden, Fans und Freunde. Mit viel Tamtam hat Starfriseur Udo Walz hat am Samstag in Berlin seinen 25 Jahre jüngeren Lebensgefährten Carsten Thamm geheiratet. Die Eheschließung fand im Luxushotel "Brandenburger Hof" statt.

Statt Eheringen trug das Paar silberne Armreifen, Geschenke von Barbara Becker. Auf roten Samtstühlen im japanischen Garten besiegelte das Paar seine Liebe vor dem Standesbeamten. Nach der Trauung - hier waren nur 35 Gäste geladen - bewarfen die Trauzeugen das Paar mit Reis. Stolze 200 Gäste sind zur Feier am Abend im "China Club" eingeladen.

Kennengelernt hatten sich Udo Walz und Carsten Thamm vor 14 Jahren bei einer Weihnachtsfeier des Friseurs, wie das Paar dem "Bunte"-Autor Paul Sahner verriet. Thamm arbeitet auch als Geschäftführer beruflich mit Walz zusammen.

Umgewöhnen müsse er sich nicht, sagte Walz kurz vor der Hochzeit dem Sender TV Berlin. "Nee, da ändert sich ja gar nichts. Carsten und ich, wir kennen uns 14 Jahre, was soll sich da ändern?" Er rede auch gar nicht so gerne von "heiraten", sondern von der "Festigung einer Partnerschaft", betonte Deutschlands wohl bekanntester Friseur. Hochzeiten bei Männern finde er schwierig, sagte Walz dem Sender.

"Du bist ja nicht ganz dicht"

Viele schwule Männer hätten ihm auch gesagt: "Du bist ja nicht ganz dicht." Das Interesse sei gleichwohl erstaunlicherweise sehr groß, Zeitungen weltweit hätten über die bevorstehende Hochzeit berichtet. Das Interesse sei deshalb so groß, weil in Deutschland erstmals ein prominenter Mann einen Mann heirate, meinte Walz.

In einem Interview der "B.Z." hatte der 63-Jährige im April erklärt: "Ich werde auf jeden Fall früher gehen als Carsten, das ist klar. Und deshalb möchte ich vorsorgen, damit er nicht so viel Erbschaftsteuer zahlen muss." Außerdem sagte er: "Ich möchte nicht, dass er sich mit meiner Schwester und meinen Stiefbrüdern mal ums Erbe streiten muss."

Der aus Waiblingen (Baden-Württemberg) stammende Promi-Friseur besitzt neun Salons mit 90 Mitarbeitern in Berlin, Potsdam, auf Mallorca und auf der MS Deutschland, dem "Traumschiff". Nach eigenen Angaben hat Walz bisher rund 200.000 Köpfe frisiert, darunter die von Marlene Dietrich, Romy Schneider, Wolfgang Joop, Claudia Schiffer und Placido Domingo. Aber auch Kanzlerin Angela Merkel und ihr Vorgänger Gerhard Schröder gehören zu seinen Kunden.

Udo Walz war auch einmal mit einer Frau verlobt, wie er im Gespräch mit Frank Elstner in der SWR-Talkshow "Menschen der Woche" verriet. Eines Tages, an Weihnachten, habe er ihr gesagt, er gehe Zigaretten holen, und sei nie wieder zu ihr zurückgekehrt. "Ich war feige", bekannte Walz. Aber die Ex-Verlobte sei bis heute Stammkundin und werde gratis frisiert.

ffr/AP/dpa



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