Werbespot Cate Blanchett, ihre Kinder und die Kohlesteuer

Hollywood-Star Cate Blanchett wirbt in ihrer australischen Heimat für die Einführung einer Kohlesteuer. Die Multimillionärin verstehe die finanziellen Ängste der Bürger nicht, schelten Medien und Politiker. Sie wolle ihren Kindern weiter in die Augen sehen können, sagt die Schauspielerin.

REUTERS/ Say Yes

Sydney - Meist sind die Australier sehr stolz auf ihren Exportschlager Cate Blanchett. Die 42-Jährige gehört zu den Topstars in Hollywood, hat für ihre Rolle der Katharine Hepburn in "Aviator" einen Oscar bekommen und mehrere Nominierungen vorzuweisen. Doch nun ist die Schauspielerin unter Beschuss geraten - weil sie das Gesicht einer von Gewerkschaften und Umweltschutzgruppen finanzierten Fernsehkampagne ist. Darin werden die Zuschauer aufgerufen, "Ja" zur von der Regierung geplanten Kohlesteuer zu sagen.

Nun hat Blanchett ihr Engagement öffentlich verteidigt: Sie unterstütze den Kampf gegen den Klimawandel im Interesse ihrer Kinder. Als Mutter könne sie die Konsequenzen des wachsenden CO2-Ausstoßes für die Gesellschaft nicht einfach so hinnehmen, sagte Blanchett, die mit ihrem Mann Andrew Upton drei Söhne hat, dem "Sydney Morning Herald".

"Wie soll ich meinen Kindern in die Augen sehen, wenn ich nicht versuche, etwas dagegen zu unternehmen?" Die Reaktionen von "Leuten auf der anderen Seite der Debatte" hätten sie aber nicht überrascht.

Australien, das seine Energie vor allem aus Kohle gewinnt, gehört zu den Ländern mit dem größten Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) pro Kopf. Blanchett, rund 140 weitere Prominente und Organisationen haben sich hinter Pläne der australischen Mitte-links-Regierung gestellt, die eine Abgabe für den Ausstoß von Treibhausgasen ab Juli 2012 vorsieht. Die konservative Opposition lehnt das Vorhaben ab - ebenso wie einer Umfrage zufolge die Mehrheit der Bevölkerung. Die meisten Bürger sehen vor allem die steigenden Kosten, die auf sie zukommen.

Blanchett musste von einigen Medien herbe Kritik einstecken. Diese warfen der Multimillionärin vor, völlig abgehoben zu sein und die finanziellen Ängste der normalen Australier nicht zu verstehen. Für eine Multimillionärin sei es einfach, so etwas über den grünen Klee zu loben, meinte die Sprecherin des Verbandes für Familien, Terri Kelleher. Die einfachen Leute bekämen die Folgen durch höhere Preise aber bitter zu spüren.

"Ja, ich hatte viel Glück bei meiner Karriere, aber das ist kein Grund, nicht für etwas einzustehen, von dem ich zutiefst überzeugt bin", sagte die Schauspielerin nun der australischen Zeitung. "Mir ist klar, dass sich Menschen beim Wort Steuern zu Recht und verständlicherweise Sorgen um ihren Lebensstandard machen." Aber ihre Unterstützung basiere darauf, dass Menschen mit kleinem und geringem Einkommen bei der Abgabe unterstützt würden.

siu/dpa/dapd/AFP

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Seite 1
snickerman 31.05.2011
1. Getroffene Hunde bellen!
Und zwar ziemlich laut- immerhin lebt Australien prima von seinen riesigen, im Tagebau billig auszubeutenden Kohleflözen und profitiert prächtig von den steigenden Energiepreisen. Da ist das Verständnis für Energiesparen und CO2-Reduktion entsprechend schwach ausgeprägt, die Lobbyarbeit der Industrie umso deutlicher. Australien wäre für Solarenergie sehr gut geeignet, alle Ressourcen für deren Produktion gibt es dort im Überfluss. Wollen die Aussies lieber die Technologien von gestern nutzen oder auf die von morgen setzen, wenn z.B. China schon aus blanker Notwehr sparsamer und umweltfreundlicher mit seiner Energie umgehen muss. Dort konzentrieren sich die Nachteile der Kohle, die in einem riesigen, dünnbesiedelten Land wie Australien nicht so ins Gewicht fallen. Dass nun Familienverbände (von wem gesponsort?) sich empören, ist doppelt hirnrissig, gerade diese sollten ihrer Kinder wegen mehr an die Zukunft denken- die "Kohle" mit der Kohle macht doch eh die Großindustrie!
frubi 31.05.2011
2. .
Zitat von sysopHollywood-Star Cate Blanchett wirbt in ihrer australischen Heimat für die Einführung einer Kohlesteuer. Die Multimillionärin verstehe die finanziellen Ängste der Bürger nicht, schelten Medien und*Politiker. Sie wolle ihren Kindern weiter in die Augen sehen können, sagt die Schauspielerin. http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,765909,00.html
Können Schauspieler nicht einfach Schauspieler sein und Sänger einfach Sänger? Dieses gezwungene Engagement für gewisse Dinge ist doch einfach nur hechlerisch. Diese "Stars" schieben einen Batzen Kohle in die Hände von irgendwelchen Organisationen und Stiftungen und glauben dann blauäugig, dass dieses Geld hilft. Das Geld hilft erstmal den Organisationen selbst und nicht den Menschen, die Geld und Sachleistungen dringend benötigen. Wenn diese "Stars" sich zusammensetzen und ihr Geld vernünftig einsetzen würden, dann wäre es ja noch in Ordnung. Alleine Bill Gates könnte ganze Dörfer errichten aber er investiert lieber Milliarden in Stiftungen die sich darum kümmern, dass möglichst viele Menschen Impfungen erhalten. So manch ein Afrikaner würde eine teure Impfung lieber gegen Essen oder eine Arbeitsstelle eintauschen.
shokaku 31.05.2011
3. Hier könnte ein Titel stehen
Zitat von frubiKönnen Schauspieler nicht einfach Schauspieler sein und Sänger einfach Sänger? Dieses gezwungene Engagement für gewisse Dinge ist doch einfach nur hechlerisch. Diese "Stars" schieben einen Batzen Kohle in die Hände von irgendwelchen Organisationen und Stiftungen und glauben dann blauäugig, dass dieses Geld hilft. Das Geld hilft erstmal den Organisationen selbst und nicht den Menschen, die Geld und Sachleistungen dringend benötigen. Wenn diese "Stars" sich zusammensetzen und ihr Geld vernünftig einsetzen würden, dann wäre es ja noch in Ordnung. Alleine Bill Gates könnte ganze Dörfer errichten aber er investiert lieber Milliarden in Stiftungen die sich darum kümmern, dass möglichst viele Menschen Impfungen erhalten. So manch ein Afrikaner würde eine teure Impfung lieber gegen Essen oder eine Arbeitsstelle eintauschen.
Sind ja nun nicht alle so, aber die mit Sendungsbewusstsein sind halt eine richtige Plage. Von nix ne Ahnung, davon aber jede Menge und dann bei anderen die Blutgrätsche ansetzen. Geradezu die reine Essenz des Gutmenschentums.
missunderstood 31.05.2011
4. Good on ya, Cate!
Zitat von snickermanUnd zwar ziemlich laut- immerhin lebt Australien prima von seinen riesigen, im Tagebau billig auszubeutenden Kohleflözen und profitiert prächtig von den steigenden Energiepreisen. Da ist das Verständnis für Energiesparen und CO2-Reduktion entsprechend schwach ausgeprägt, die Lobbyarbeit der Industrie umso deutlicher. Australien wäre für Solarenergie sehr gut geeignet, alle Ressourcen für deren Produktion gibt es dort im Überfluss. Wollen die Aussies lieber die Technologien von gestern nutzen oder auf die von morgen setzen, wenn z.B. China schon aus blanker Notwehr sparsamer und umweltfreundlicher mit seiner Energie umgehen muss. Dort konzentrieren sich die Nachteile der Kohle, die in einem riesigen, dünnbesiedelten Land wie Australien nicht so ins Gewicht fallen. Dass nun Familienverbände (von wem gesponsort?) sich empören, ist doppelt hirnrissig, gerade diese sollten ihrer Kinder wegen mehr an die Zukunft denken- die "Kohle" mit der Kohle macht doch eh die Großindustrie!
Bravo, Snickerman! Ich lebe seit zehn Jahren in Australien und so langsam geht mir die allgegenwärtige Vormachtstellung der Mining Industries hier mächtig auf die Nerven. Nicht nur haben sie unseren letzten Prinme Minister Rudd abgesägt, der eine Mining Tax eingeführt hatte, nur um sie unter dem Druck der Magnaten wieder zurückzunehmen - nein, der Club der Billionäre hat es zudem noch geschafft, die Mehrheit der Bevölkerung glauben zu machen, dass die Carbon Tax an ihren Geldbeutel, den der kleinen Leute, ginge. Falsch! Aber zu dem Bild trägt natürlich auch reichlich die monopolistische Murdoch-Presse hier in Australien ihr Schärflein bei. Good on ya, Cate! Und wenn Menschen, die ein paar Dollar mehr in der Tasche haben, die Klappe zu halten haben, dann sollte sich Gina Rinehart mal ganz klein machen. Die Mining-Königin gehört zu den reichsten Frauen der Welt: 10 Billionen Vermögen. Und hat was gegen die Carbon Tax. Warum wohl nur?
Friedrich G. Alte 31.05.2011
5. nicht ernstzunehmen
Solche Leute kann man nicht ernst nehmen. Die haben vom normalen Leben überhaupt keine Ahnung. Auch in deutschland gibt es ja genügend Promis, die ab und zu ihr Guitmenschentum heraushängen lassen müssen. Weghören!
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