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Gestorben Werner Schulz, 72

aus DER SPIEGEL 46/2022
Foto:

Metodi Popow / IMAGO

1950 in Zwickau geboren, suchte er immer wieder die Auseinander­setzung mit der DDR. Nach einer Lehre als Lokomotivschlosser studierte er in Berlin, war in Oppositionsgruppen aktiv und zählte 1989 zu den Gründungsmitgliedern des Neuen Forums. Nach der Wende blieb er als Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen auch im vereinten Deutschland streitbar. Schulz hatte einen anderen Blick auf die Welt als viele westdeutsche Grüne und nach 40 Jahren DDR nur noch wenig Lust auf große Sprüche oder autoritäre Führung. Er saß 15 Jahre lang im Bundestag, zwischenzeitlich war er Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion. Unvergessen, wie er 2010 auf einer Pressekonferenz dem Linkenpolitiker Gregor Gysi die Leviten las. Joachim Gauck kandidierte damals zum ersten Mal als Bundespräsident, im dritten Wahlgang unterlag er dem CDU-Politiker Christian Wulff. Auch, weil die Wahlleute der Linken sich im entscheidenden Durchgang enthielten. »Ihr hättet über euren SED-Schatten springen können«, rief Schulz Gysi zu. Schulz sah und benannte die Probleme, die das Ende der DDR für einen Teil ihrer Bürgerinnen und Bürger bedeutete, aber für ihn überwog der positive Blick auf die Wiedervereinigung. Bundes­präsident Frank-Walter Steinmeier hatte ihn am 9. November dieses Jahres zu einer Tagung ins Schloss Bellevue eingeladen. Schulz brach dort zusammen. Josef Schuster, Arzt und Chef des Zentralrats der Juden in Deutschland, versuchte vergebens, ihn wiederzubeleben. Werner Schulz starb am 9. November in Berlin.

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