Wiesn-Weise Moshammers Lovesong für Daisy

Sechs Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Modeschöpfer Rudolph Moshammer hat ein Komponist ein altes Liebeslied des Meisters ausgegraben: Der launige Marsch ist weder Mann noch Frau gewidmet, sondern - wie könnte es anders sein - der vierbeinigen Lebensgefährtin des Münchners.

DPA

München - Das ist Rumtata vom Feinsten: schlimmer Text, fiese Melodie und beides auf billigste Art vermarktet: Sechs Jahre nach dem Tod von "Modezar" Rudolph Moshammer schenkt der Münchner Musikproduzent und Komponist Gottfried Seidl-Carusa der Welt ein Lied. Nicht irgendein Lied. Es ist eine - bisher garantiert unveröffentlichte - musikalische Liebeserklärung Moshammers an seine Yorkshire-Hündin Daisy.

"Mein Hund Daisy, ist so crazy, und mein Liebling ist er auch" heißt es da. "Mein Hund Daisy, ist so crazy, herrscht allein bei mir zu Haus". Natürlich singt der Münchner Partylöwe nicht selbst, das überlässt er dem Komponisten Seidl-Carusa. Der hat gerade den Song auf seine Website gestellt, will eine CD herausbringen und hofft aufs große Geschäft. Der "Mosi-Marsch" solle vor allem die Bierzelte auf dem Oktoberfest erobern, so sei Plan.

So sollen die "Schleißheimer Schloßpfeiffer" aus Oberschleißheim, denen Moshammer zu Lebzeiten stets freundschaftlich verbunden war, das Lied beim traditionellen Trachten- und Schützenzug am ersten Wiesn-Sonntag spielen. "Schloßpfeiffer"-Spielleiter Stefan Vohburger findet die Idee gut. "Wir haben uns bereits mit dem Produzenten zusammengesetzt", sagte er. Zwar rechnet er nicht mit einer Präsentation beim Trachten- und Schützenzug, aber im Umfeld des Oktoberfests werde es sicherlich eine Gelegenheit geben.

"Moshammer und ich haben den Song bereits vor elf Jahren aufgenommen", erinnert sich der Komponist, der in den achtziger Jahren die niederbayrische Schlägersängerin Nicki entdeckte. Als der Modeschöpfer Moshammer beim Eurovision Song Contest mit dem Lied "Teil Freud und Leid" antrat, geriet die Liebeshymne auf seinen Schoßhund in Vergessenheit. Großer Erfolg blieb ihm allerdings verwehrt. Der gewichtige Münchner mit der schwarzen Tolle schied bereits in der Vorentscheidung aus.

Moshammer war bekannt für seinen pompösen Lebensstil. Mit weißem Rolls Royce, Chauffeur und dem stets perfekt gestylten Schoßhündchen Daisy in der Handtasche fuhr er jeden Morgen vor seinem Modegeschäft "Carnaval de Venise" in der noblen Münchner Maximilianstraße vor. Er wusste sich perfekt zu vermarkten und kreierte ein ganzes Arsenal von Merchandising-Produkten rund um sich und seine Hündin. In den Produkten präsentierte er die selbst geschaffene Kunstfigur "Mosi", eine Mischung aus König-Ludwig-Double und ewigem Muttersöhnchen.

Moshammer wurde im Januar 2005 bei einer Auseinandersetzung mit einem Mann in seiner Grünwalder Villa erdrosselt. Der Trauerzug mit dem Sarg des Modemachers, der sich für obdachlose Menschen starkgemacht hatte, war einer der größten, den die Münchner je gesehen haben. Im November 2005 wurde der Täter wegen Mordes und Raubes mit Todesfolge zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Hündin Daisy starb 2006.

ala/dapd

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