Willem-Alexanders Königslied "Tränen gelacht"

Willem-Alexander wird König - und das Land freut sich an ihm und lustigen T-Shirts mit seinem Konterfei. Doch jetzt droht Ungemach. Einige seiner Untertanen haben ein pompöses "Königslied" komponiert. Das Volk ist entsetzt.

DPA

Amsterdam - Gerade hat der niederländische Kronprinz Willem-Alexander wohlwollend angekündigt, er wolle kein Protokoll-Fetischist, sondern ein König zum Anfassen, sozusagen ein Wohlfühl-Regent sein. Weil ein bisschen Tradition aber sein muss, braucht ein zukünftiger König ein Lied zur Amtseinführung. Dies wurde nun gedichtet, vertont und dem Volke dargeboten.

Der Musikproduzent und Songwriter John Ewbank hat es komponiert, gesungen wird es von gleich 51 Künstlern, darunter dem Mann mit den meisten Nummer-Eins-Hits in den Niederlanden, Marco Borsato, der Jazz- und Popsängerin Trijntje Oosterhuis und dem Rapper "Lange Frans".

Am Krönungstag, dem 30. April, soll das Stück während eines Konzerts im Ahoy-Stadion uraufgeführt werden. Doch nur wenige Stunden nach der Vorstellung des "Königsliedes" hatten am Freitagabend bereits tausende Niederländer im Internet eine Petition gegen den Song unterschrieben. "Aus Protest gegen dieses schwachsinnige 'Königslied' trete ich hiermit als niederländischer Untertan zurück", heißt es in der Petition mit dem Titel "Ich sage Nein zum Königslied".

Von "Tränen gelacht" bis "Ich schäme mich zu Tode" war die ganze Klaviatur des Entsetzens in den sozialen Netzwerken zu bestaunen. Das Lied klinge nach einem miesen Beitrag für den "Eurovision Song Contest", dem armen Willem-Alexander bleibe nichts anderes übrig, als nach Argentinien auszuwandern, hieß es. Dann wurden auch noch Plagiatsvorwürfe laut: Angeblich ähnelt der Song dem Werk "10000 Reasons" von Matt Redman.

Nicht ganz unschuldig an dem überwiegend negativen Feedback mag das Video zum Lied sein. Das satte fünf Minuten und zehn Sekunden lange Stück gibt den Machern des Clips alle Zeit der Welt, die Nahaufnahmen der Künstler mit Bildern von in die Kamera grinsenden Proto-Niederländern aufzupeppen. Und da sind holzschnittartig alle, wirklich alle Gesellschaftsschichten vertreten: Handwerker und Akademiker, Menschen mit Behinderungen, Unternehmer, Migranten, Rentner, Mütter usw.

Doch auch Arrangement und Melodie der schnulzigen Mischung aus Volksmusik, Chorgesängen und Rap kamen schlecht weg. "Ich habe noch nie ein so schlechtes Lied gehört", schrieb einer der Unterzeichner der Petition. "Wenn du es noch nicht bist, wirst du mit diesem Lied spontan zum Republikaner", schrieb ein anderer.

Auch beim Text war für viele die Schmerzgrenze überschritten: "Durch Regen und Wind werde ich bei dir bleiben, ich werde dich gegen alles beschützen, was kommt, ich werde wachen, wenn du schläfst, ich beschütze dich gegen den Sturm, ich bewahre dich in Sicherheit, solange ich lebe", heißt es an einer Stelle.

Doch Achtung - einigen Niederländern wird das Werk mit Sicherheit gefallen: Inspiriert sei der Text, wie es offiziell heißt, durch Beiträge von mehr als 3300 Landsleuten, die der Einladung gefolgt waren, ihre "Träume" für die Zukunft ihres Landes zu formulieren.

ala/AFP



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