Nach Weinstein-Verteidigung Woody Allen in Erklärungsnot

"Schlimm für Harvey": Woody Allen meldet sich im Fall Weinstein zu Wort - und zeigt zunächst Verständnis für beide Seiten. Dann will er alles ganz anders gemeint haben.

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Immer mehr Hollywoodgrößen äußern sich zu den Vorwürfen gegen Harvey Weinstein. In einem Interview mit der BBC meldete sich nun auch Woody Allen zu Wort - und redete sich um Kopf und Kragen. "Diese ganze Sache mit Harvey Weinstein ist traurig für alle Beteiligten", sagte Allen. "Tragisch für die betroffenen Frauen, schlimm für Harvey, dessen Leben so durcheinandergerät."

Ebenso wie Modedesignerin Donna Karan, die für ihre Weinstein-Verteidigung kritisiert wurde, bemühte sich Allen kurz nach seinen Äußerungen um eine Klarstellung. Er teilte er "Variety" mit: "Als ich sagte, dass es mir für Harvey Weinstein leid tut, dachte ich, es wäre klar, dass ich so fühle, weil er ein trauriger, kranker Mann ist. Ich war überrascht, dass es anders aufgenommen wurde."

Gemeinsam mit Weinstein hat der Regisseur diverse Filmprojekte realisiert. Der "New Yorker"-Artikel, der den Weinstein-Skandal vorantrieb, stammt von Allens Sohn Ronan Farrow.

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Reaktionen auf Weinstein: "Unser aller Problem"

Im Gespräch mit der BBC hatte Allen gesagt, er hoffe, der Skandal würde zu "Verbesserungen" führen. Aber: "Es darf nicht in eine Hexenjagd-Atmosphäre ausarten, wo jeder Mann, der in einem Büro einer Kollegin zuzwinkert, plötzlich einen Anwalt anrufen muss, um sich zu verteidigen. Das wäre auch nicht richtig."

Woody Allen wurde vorgeworfen, in den frühen Neunzigerjahren seine siebenjährige Stieftochter Dylan Farrow sexuell missbraucht zu haben. 1992 wurden die Übergriffe in einer Reportage in der "Vanity Fair" minutiös geschildert. Mia Farrow sagte damals, sie habe beschlossen, den Fall nicht vor Gericht zu bringen, um ihre Tochter zu schonen.

2014 wandte sich die damals 28-jährige Dylan Farrow ein weiteres Mal in einem offenen Brief an die Öffentlichkeit. Sie warf Hollywood vor, ihn noch immer zu hofieren. Woody Allen, so Farrow, "ist das lebende Zeugnis dafür, wie unsere Gesellschaft die Überlebenden von sexuellem Missbrauch im Stich lässt". Damals erhielt Allen den Golden Globe für sein Lebenswerk.

Allen bestritt die Vorwürfe 2014 erneut vehement. Es handle sich um eine Racheaktion seiner Ex-Frau, teilte der Regisseur mit.

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Vorwürfe gegen Medienmogul: Die Akte Weinstein

bma

insgesamt 22 Beiträge
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noethlich 16.10.2017
1. Auch nur ein falsches Wort
und die Hexenjagd ist eröffnet. Twitter ist ein moderner Pranger und der User-Mob wartet nur auf sein nächstes Opfer. Spätere Richtigstellungen spielen keine Rolle und Zwischentöne werden nicht toleriert, auch Tatsachen nicht, wer einmal Ziel dieser Hysteriemaschine geworden ist, ist nur noch auf dem Papier unschuldig, denn Twitter (Facebook natürlich genauso) hat den Daumen bereits gesenkt... es ist angsteinflößend.
FL1962 16.10.2017
2. Das hat Stil -
Woody Allen hat Mitleid mit Weinstein? Als nächstes kommen dann Kinski und Polanski. Pot, kettle, black.
catcargerry 16.10.2017
3. Einfach mal ...
Besonders diplomatisch von Woody Allen war es nicht, sich zu der Causa überhaupt zu äußern. Ihm hätte eigentlich klar sein müssen, dass er Gelände betritt, das gerade auch für ihn vermint ist.
Bueckstueck 16.10.2017
4.
Zitat von noethlichund die Hexenjagd ist eröffnet. Twitter ist ein moderner Pranger und der User-Mob wartet nur auf sein nächstes Opfer. Spätere Richtigstellungen spielen keine Rolle und Zwischentöne werden nicht toleriert, auch Tatsachen nicht, wer einmal Ziel dieser Hysteriemaschine geworden ist, ist nur noch auf dem Papier unschuldig, denn Twitter (Facebook natürlich genauso) hat den Daumen bereits gesenkt... es ist angsteinflößend.
Was hat das mit twitter und facebook zu tun? Weinstein hat sexuelle Belästigung eingeräumt.
Papazaca 16.10.2017
5. Woody Allen ist gleich mehrfach befangen
Wenn ich mich richtig erinnere hat Weinstein Allens Filme über Jahrzehnte produziert. Man kann davon ausgehen, das Allen und Weinstein Freunde sind. Dann hatte Woody Allen selbst sein Missbrauchserlebnis, das niemals richtig aufgeklärt wurde. Er ist in jedem Fall, so oder so, befangen. Und dann hat sich das Verhältnis Frauen vs Männer verändert. Was früher verschämt verheimlicht wurde wird heute klipp und unmißverständlich als Vergewaltigung gebrandmarkt. Und sich dann richtig zu allem zu äußern hat Allen offensichtlich nicht hinbekommen. Obwohl sein eigener Sohn Ronan Farrow die Weinstein-Affäre "anstieß". Verrückter geht es nicht. Oh Woody .....
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