Zoff in der Modebranche Lagerfeld watscht Galliano ab

Karl Lagerfeld spricht gerne mal Klartext, doch besonders echauffierte sich der Stardesigner nun über seinen Kollegen John Galliano. Dessen Skandal habe ein "schreckliches Bild" der Branche vermittelt, wettert der deutsche Modezar.

AFP

Hamburg - Als ob er wegen seiner mutmaßlichen antisemitischen Pöbeleien nicht genug Ärger am Hals hätte: Nun muss John Galliano auch noch heftige Kritik von Karl Lagerfeld einstecken. "Es kommt jetzt schon gar nicht mehr darauf an, was er tatsächlich gesagt hat", sagte Lagerfeld laut der US-Zeitschrift "Women's Wear Daily".

Galliano vermittele "ein schreckliches Bild" der Branche. Die Pöbeleien seien "um die ganze Welt" gegangen, und alle müssten nun denken, "dass Modemacher und die gesamte Modebranche so sind", so Lagerfeld.

Bisher hatten sich andere Designer mit Äußerungen über Galliano zurückgehalten. Doch Lagerfeld hat nun offenbar genug: "Ich bin wütend, wenn Sie es wissen wollen, wütend, dass das passieren konnte." In der Geschäftswelt müsse eine Person von öffentlichem Interesse aufpassen, was sie sage, "zumal in Zeiten des Internets", sagte Lagerfeld. "Man kann nicht betrunken auf der Straße rumlaufen, es gibt Dinge, die kann man einfach nicht machen."

Galliano muss sich wegen rassistischer Beleidigung vor einem französischen Strafgericht verantworten, nachdem er in seiner Stammbar herumgepöbelt und ein Paar beleidigt hatte. Das Paar hatte Galliano angezeigt und wirft ihm vor, auch judenfeindliche Bemerkungen gemacht zu haben. Der Vorfall ereignete sich in der vergangenen Woche im Pariser Szeneviertel Marais. Die Polizei nahm Galliano vorübergehend mit auf die Wache und stellte fest, dass er 1,1 Promille Alkohol im Blut hatte.

Der Stardesigner entschuldigte sich für sein möglicherweise als grob empfundenes Verhalten, betont aber weiterhin, er habe nichts Rassistisches gesagt. "Antisemitismus und Rassismus haben in unserer Gesellschaft keinen Platz", so der Modemacher. Er habe sein Leben lang "gegen Vorurteile, Intoleranz und Diskriminierung" gekämpft, zumal er selbst davon betroffen gewesen sei.

Kurz nach dem ersten Vorfall hatte allerdings ein weiteres Opfer antisemitische Beleidigungen Gallianos gemeldet und ebenfalls Anzeige erstattet. Zudem veröffentlichte die britische Zeitung "The Sun" ein Video, das den Designer bei einer antisemitischen Tirade in einem Pariser Bistro zeigen soll. In dem Video sagt ein Mann mit Gallianos Zügen unter anderem: "Ich liebe Hitler."

Das französische Modehaus Dior kündigte an, seinen Stardesigner zu feuern. Bei den Pariser Prêt-à-porter-Schauen wird die von Galliano entworfene Kollektion an diesem Freitag präsentiert. Das für Sonntag geplante Défilé der Marke des Designers, "John Galliano", wurde dagegen abgesagt.

hut/AFP



insgesamt 9 Beiträge
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joschitura 03.03.2011
1. Die Modebranche
Tja. Frage an den Zopfträger: Kann man den von etwas das per definitionem schon schrecklich (und ziemlich absurd dazu)ist, etwas anderes vermitteln als ein "schreckliches Bild"?
sukowsky, 03.03.2011
2. Das muss gerade dieser Modezar sagen
In der Geschäftswelt müsse eine Person von öffentlichem Interesse aufpassen, das muss gerade dieser Modezar sagen?
stanis laus 03.03.2011
3. Lagerfeld hat auch mich inspiriert
Mit seinen Spitzenmanschetten. Seit dem ich die das erste Mal sah, serviere ich Hähnchen nur mit Spitzenmanschetten ums Hühnerbeinchen. Alles andere sieht zu nackt aus.
gaga007 03.03.2011
4. Ist es Sehnsucht nach vergangenen Reichen ?
Darf die Kritik der Foristen an Lagerfeld als Zustimmung zu den antisemitischen Pöbeleien Gallianos gewertet werden ? Wie schnell doch die Zeit zurückgedreht wird - diese offensichtliche Sehnsucht nach vergangenen Reichen ist erschreckend.
kunstkopf 03.03.2011
5. lachhaft
Daß Lagerfeld schäumt, ist nur allzu verständlich: Dieser exzentrische Brite stielt ihm die Show, macht eine bessere Figur und hat wahrscheinlich auch die besseren Ideen. Die Bezichtigungen sind mir nicht im Wortlaut bekannt, immerhin hat er sich für mögliches Mißverständnis entschuldigt. Dali hat wohl gelegentlich auch mit dem Faschismus kokettiert und an französischen Hochschulen dozieren können. Galliano war mir zwar bisher kein Begriff, den Piratenlook und die Dreadlockzöpfe finde ich aber Klasse, macht auf undurchschaubarer Paradiesvogelschurke. Eine mittelbare Gefahr für die Gesellschaft scheint er mir nicht zu sein, und nach 15 Jahren Dior wird er nicht ins Bodenlose fallen, also kein Grund zur Aufregung.
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