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Gestorben Zofia Posmysz, 98

aus DER SPIEGEL 33/2022
Foto: Maciek Nabrdalik / NYT / Redux / laif

Vor gut sieben Jahren hat sie dem SPIEGEL ausführlich ihre Erinnerungen geschildert. Die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz jährte sich zum 70. Mal, der SPIEGEL brachte die Titelgeschichte »Die letzten Zeugen«, in der Holocaustüberlebende genau davon berichteten: vom Überleben. Sie waren damals schon uralt, diese letzten Zeugen, aber einige leben immer noch, und jedes dieser hinzugewonnenen Jahre ist ein Triumph über die Häscher und Mörder des Nationalsozialismus. Zofia Posmysz war 18 Jahre alt und im polnischen Widerstand, als sie ins KZ deportiert wurde. Nach der Befreiung arbeitete sie als Kulturredakteurin, schrieb Bücher und Hörspiele, ihr Werk »Die Passagierin aus Ka­bine 45« diente als Vorlage für Mieczysław Weinbergs 2006 uraufgeführte Oper »Die Passagierin«. Bei ihrem Treffen mit dem SPIEGEL sprach sie auch über das Vergeben: Man könne nur den­jenigen vergeben, die darum bitten würden, insofern sei es aus­geschlossen, Hitler zu vergeben. Außerdem bedeute Vergeben nicht Vergessen. Zofia Posmysz starb am 8. August in einem Hospiz in der polnischen Stadt Oświęcim, die einmal Auschwitz hieß.

sby
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