Müllberge in Beirut Den Libanesen stinkt's gewaltig

Seitdem die größte Deponie des Libanon geschlossen wurde, türmt sich der Müll in den Straßen von Beirut. Die Regierung warnt vor Gesundheitsgefahren, unternimmt aber nichts. Nun ist der Protest eskaliert.

AP/dpa

In den Straßen von Beirut hängt ein beißender Geruch. Seit Wochen türmen sich die Müllberge in der libanesischen Hauptstadt in immer neue Höhen. Denn seit die größte Deponie des Landes im Juli von einem Tag auf den anderen geschlossen wurde, weiß niemand mehr, wohin mit dem Abfall.

Am Anfang nahmen es viele Beiruter noch mit Humor, die Krise galt nur als weiterer Beweis dafür, dass der Staat zwar unfähig ist, aber die Libanesen das Problem schon irgendwie aus der Welt schaffen würden. Doch nun sind Wochen vergangen, ohne dass eine Lösung in Sicht ist. Zehntausende Tonnen Müll liegen in der Sommerhitze in der Millionenstadt herum. Ein Teil des Abfalls wird einfach in Wälder, Bergtäler oder Flüsse gekippt.

Und spätestens seit in dieser Woche Gesundheitsminister Wael Abu Faour vor den Gefahren warnte, ist den Libanesen das Lachen vergangen. Am Mittwochabend versammelten sich einige Hundert Demonstranten im Regierungsviertel, um die Politiker endlich zum Handeln aufzufordern. Eine Facebookgruppe mit dem Namen "Ihr stinkt" hatte zu der Kundgebung aufgerufen.

Der Müllprotest eskalierte: Als einige Demonstranten Eier auf den Amtssitz des Ministerpräsidenten warfen, ging die Polizei mit Wasserwerfern und Schlagstöcken gegen die Menge vor. Ein junger Mann wurde schwer verletzt, die Sicherheitskräfte nahmen mindestens vier Personen fest.

Umweltminister Mohammed al-Mashnouq sagte derweil, die Suche nach einem neuen Standort für eine Müllkippe gehe weiter. Er rief alle Libanesen auf, Vorschläge einzureichen. Bis zur Lösung der Krise könnten noch Monate vergehen.

syd



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