Libyen Mehr als 100 Tote bei Flugzeugabsturz in Tripolis

Der Airbus kam aus Südafrika, beim Anflug auf Tripolis stürzte er ab: Bei einem Flugzeugunglück in der libyschen Hauptstadt sind nach offiziellen Angaben mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen. Ein Kind soll den Absturz überlebt haben.


Tripolis - Über der libyschen Hauptstadt Tripolis ist am Mittwoch ein Passagierflugzeug mit mehr als 100 Menschen an Bord abgestürzt. Wie ein Vertreter der Flughafensicherheit mitteilte, handelte es sich um ein Flugzeug der staatlichen libyschen Fluglinie Al Afriqiyah, das aus Johannesburg in Südafrika kam.

Ein Flughafenmitarbeiter teilte mit, ein achtjähriger Junge aus den Niederlanden habe das Unglück überlebt. Ein Mitarbeiter des Al-Sabia-Krankenhauses in Tripolis sagte, der Zustand des Kindes sei stabil. Der Junge werde derzeit aber noch untersucht. Zunächst war von einem Mädchen die Rede gewesen, das den Absturz überlebt haben sollte.

Die staatliche libysche Nachrichtenagentur JANA meldete, bislang seien 96 Leichen geborgen worden. Unter den Toten sind offiziellen Angaben zufolge 22 libysche Staatsbürger, die übrigen Opfer kommen demnach aus anderen Ländern. Hinweise auf deutsche Opfer gebe es bislang nicht, teilte das Auswärtige Amt mit. Der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende erklärte, an Bord der Maschine seien mehrere Dutzend Niederländer gewesen. Aus dem britischen Außenministerium verlautete, unbestätigten Berichten zufolge hätten sich britische Staatsbürger in dem Jet befunden.

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Tripolis: Flugzeugabsturz in der libyschen Hauptstadt

Über die Zahl der Menschen an Bord gab es zunächst widersprüchliche Angaben: Der Sicherheitsvertreter des Flughafens hatte bekanntgegeben, alle "94 Passagiere und elf Besatzungsmitglieder, die an Bord waren, sind tot". Afriqiyah Airways teilte dagegen mit, an Bord seien 104 Menschen gewesen - das Kind wurde nicht erwähnt.

"Bei der Landung explodiert und völlig zerstört"

Das Flugzeug "ist bei der Landung explodiert und wurde völlig zerstört", so der Sicherheitsvertreter des Flughafens. Das Unglück habe sich um 6 Uhr morgens ereignet.

Bei der Maschine handelt es sich um einen Airbus A330-200. Dies teilte der zum europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS gehörende Flugzeugbauer mit. Dabei dürfte es sich um einen fast neuen Jet gehandelt haben. Dem Branchenmagazin airliner.de zufolge hatte die libysche Fluglinie ihren ersten Airbus A330 erst im August 2009 neu von Airbus übernommen.

Ein Sprecher von Al Afriqiyah in Johannesburg bestätigte den Absturz. "Ich kann den Absturz bestätigen, aber nicht die Opferzahl. Wir warten auf einen Bericht aus Tripolis", sagte der Airline-Mitarbeiter am Flughafen von Johannesburg. Das Flugzeug sei offenbar einige Meter "von der Landebahn entfernt" verunglückt.

Berichte über einen technischen Defekt

Weshalb der Pilot die Landebahn verfehlte, war zunächst unklar. Das lokale Fernsehen zeigte Bilder von den Bergungsarbeiten. Darauf war auch der Flugdatenschreiber der Maschine zu sehen. Der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete unter Berufung auf die Luftfahrtbehörde in Tripolis, kurz vor der Landung sei ein technischer Defekt in der Maschine festgestellt worden. Diese Angabe wurde von der Fluggesellschaft zunächst jedoch nicht bestätigt.

Ein AFP-Reporter vor Ort beobachtete verstärkte Sicherheitsmaßnahmen rund um den Flughafen, der etwa 20 Kilometer von der Hauptstadt entfernt liegt. Zahlreiche Krankenwagen und Fahrzeuge des Zivilschutzes waren demnach im Einsatz. Der Zugang zum Unglücksort sei komplett gesperrt, eine Rauchwolke nicht zu sehen. Es herrschte gutes Wetter mit einigen Wolken am Himmel.

Laut der Website von Afriqiyah Airways verfügt die Firma über eine Flotte von Airbus-Flugzeugen. Die Fluglinie wurde im April 2001 gegründet und begann ihren Betrieb mit fünf geleasten Maschinen. Bei einer Luftfahrtmesse in Paris 2007 wurde ein Vertrag über den Kauf von elf neuen Airbus-Maschinen unterzeichnet. Airbus kündigte an, die Ermittlungen zur Unglücksursache zu unterstützen. Bundespräsident Horst Köhler sprach dem libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi und den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

wit/AFP/Reuters/dpa/apn



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