Lichterscheinungen Mit 200.000 Stundenkilometern über Bayern

In der Nacht zum Sonntag jagte ein Meteorit über Süddeutschland und sorgte bei Augenzeugen im Freistaat für helle Aufregung. Auch SPIEGEL-ONLINE-Leser beobachteten das Himmelsphänomen.

München - Das Lichtspektakel über Bayern wurde offenbar durch einen ein 200.000 Stundenkilometer schnellen Meteorit verursacht, der über dem Wendelstein-Gebirge in Oberbayern in die Erdatmosphäre eingetreten war und in 80 Kilometern Höhe eine glühende Bahn Richtung Allgäu zog, erklärte der Leiter der Münchner Volkssternwarte, Peter Stättmayer, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Hobbyastronomen hatten in der Nacht zum Sonntag über Bayern das Spektakel verfolgen können - was sie sahen, war ein etwa faustgroßer Meteorit, der seine Spur am nächtlichen Himmel zog. Gegen 22.20 Uhr war der Lichtblitz etwa vier bis sechs Sekunden zu sehen. Einige Minuten später war der Überschallknall des Meteoriten zu hören, sagte Stättmayer. "Das Licht hat man praktisch sofort gesehen, der Knall kam so spät, da der Überschallknall drei Sekunden pro Kilometer brauchte, bis er am Ort der Erscheinung angekommen war."

Ein SPIEGEL-ONLINE-Leser aus Garmisch-Partenkirchen berichtet, er sei am Samstag um 22.22 Uhr von einem lauten Knall erschreckt worden, der sogar die Fensterscheiben zum Zittern gebracht hatte. "Der Knall wurde durch ein nachhaltiges längeres Grollen begleitet," schrieb der Mann in einer E-Mail. Seine Mutter, die einige Häuser weit weg wohnt, habe auch den Lichtblitz gesehen, dem der Knall einige Minuten später folgte.

Im oberbayerischen Zolling im Landkreis Freising will eine Frau den Einschlag eines Meteoritenteils in ihren Garten beobachtet haben. Nach Angaben ihres Schwiegervaters wollte die Frau gerade ihre kleine Tochter zu Bett bringen, als sie eine Lichterscheinung wie einen "Silvesterstern" in ihren Garten landen sah. Sie habe gedacht, Nachbarn hätten sich einen Scherz erlaubt, und sich nicht weiter um die Angelegenheit gekümmert.

Als sie am Sonntag im Radio Berichte über das mysteriöse Lichtspektakel hörte, schaute sie im Garten nach und fand einen etwa handflächengroßen Schlackebrocken. Gemeinsam mit ihrem Schwiegervater habe sie das Stück der Polizei übergeben. Geologie-Professor Klaus Weber-Diefenbach von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität sagte, bei dem Fundstück handle es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen fünf Milliarden Jahre alten Meteoriten aus dem Weltall.

Ob das Stück tatsächlich von dem aktuellen Vorfall stammt, ist jedoch umstritten. Stättmayer sagte, er sei sehr skeptisch, ob es sich um ein Teil aus dem aktuellen Einschlag handle. Die errechnete Bahn des Meteoriten führte nicht über das Anwesen der Familie in Zolling.

Das Spektakel hatte bei den Polizeidienststellen die Telefone heiß laufen lassen: Hunderte besorgte Bürger berichteten von grellen Lichtblitzen, die mit unglaublichem Tempo über den Himmel geschossen seien. Allein bei den Behörden in Garmisch-Partenkirchen gingen rund 50 Anrufe ein.

Auch auf der Zugspitze wurde der Lichtblitz beobachtet: "Zuerst dachte ich, ein Flugzeug sei abgestürzt", berichtete Werner Hahmann, Wetterbeobachter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auf Deutschlands höchstem Berg. "Erst zuckten drei Blitze über den Himmel, dann folgten Explosionsgeräusche. Sie waren sehr laut und dauerten mindestens eine halbe Minute."