Besetztes Haus in Berlin Räumung von "Liebig 34" hat begonnen - Hunderte protestieren

Rund 1500 Beamte aus acht Bundesländern sind im Einsatz, mit Kettensäge, Brecheisen und Räumfahrzeug: In Berlin hat die Polizei begonnen, das Haus Liebigstraße 34 zu räumen - und stieß auf Widerstand.
Großeinsatz am Haus Liebigstraße 34

Großeinsatz am Haus Liebigstraße 34

Foto: TOBIAS SCHWARZ / AFP

In Berlin haben Polizisten unter Protest von Demonstranten begonnen, das besetzte Haus "Liebig 34" zu räumen. Bislang brachten sie fünf Bewohner heraus. Sie wurden durch ein aufgebrochenes Fenster im ersten Stock über eine Leiter ins Freie geführt. Ein Bewohner wurde von zwei Polizisten herausgetragen. Eine Frau reckte kämpferisch die Faust in die Höhe.

Unter anderem mit einer Kettensäge hatten die Einsatzkräfte die Haustür geöffnet, wie ein SPIEGEL-Reporter berichtet. Parallel hatten Polizisten mit einem Trennschleifer an den Gittern des Fensters im ersten Stock gearbeitet.

Die Deutsche Presse-Agentur berichtet von teils heftigen Rangeleien zwischen Polizisten und schwarz vermummten Demonstranten. Es flogen Flaschen. Ein Räumfahrzeug der Polizei fuhr am Freitagmorgen vor den Eingang. Mehrere Beamte hatten die verbarrikadierte Tür untersucht und zunächst versucht, mit Brecheisen in das Innere zu kommen.

Die Polizei geht davon aus, dass sich noch Bewohner in dem Haus Liebigstraße 34 im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg aufhalten. Der Anwalt des Bewohner-Vereins, Moritz Heusinger, kritisierte, dass er nicht zu seinen Mandanten vorgelassen worden sei, um zu deeskalieren. Es sei "völlig unverständlich", dass geräumt werde und niemand wisse, wer im Haus sei.

"Liebig 34" gilt als eines der letzten Symbolprojekte der autonomen Szene in der Hauptstadt. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort. Auf Hausdächern waren Beamte postiert. Laut Polizei sollten am Freitag rund 1500 Beamte aus acht Bundesländern im Einsatz sein. Darunter seien auch technische Spezialeinheiten wie etwa Höhenretter. Ein Räumfahrzeug sowie Leitern standen bereit.

Die Polizei leiste Amtshilfe bei der gerichtlich angeordneten Übergabe des Hauses, twitterte die Behörde. Der Gerichtsvollzieher wollte das leere Haus dem Eigentümer übergeben.

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Schon Stunden zuvor versammelten sich nach SPIEGEL-Informationen Dutzende Demonstranten hinter Absperrgittern vor dem Eckhaus. Hinzu kommen Kundgebungen im Umkreis, insgesamt sind es Hunderte Protestierende. Eine Frau rief über Lautsprecher zum "Widerstand" auf.

Die meist überwiegend schwarz gekleideten Menschen skandierten laute Sprechchöre wie "Häuser denen, die drin wohnen" oder "Ganz Berlin hasst die Polizei". Die Kreuzung vor dem Haus war mit Scheinwerfern ausgeleuchtet.

Flaschenwürfe und Feuerwerk

Ein Polizeisprecher sagte, mehrfach seien in dem weiträumig abgeriegelten Bereich Beamte mit Flaschen beworfen worden. Auch Feuerwerk sei abgebrannt worden. Vereinzelt seien Gegenstände auf die Straße gebracht worden. Dabei seien zwei Störer gestellt worden.

An verschiedenen Stellen in der Stadt brannten laut Polizei in der Nacht Autoreifen, Müllcontainer sowie ein Abfertigungsgebäude im S-Bahnhof Tiergarten. Der Einsatz von Wasserwerfern zur Unterstützung der Feuerwehr beim Löschen von Kleinstfeuern sei freigegeben worden, twitterte die Polizei.

In der "Liebig 34" war bereits vor zwei Jahren ein zehnjähriger Gewerbemietvertrag für den Bewohner-Verein ausgelaufen, der sich selbst als "anarcha-queer-feministisch" bezeichnet. Der Eigentümer setzte in einem langen Gerichtsstreit durch, dass die Bewohner das Haus verlassen müssen.

bbr/rol/dpa
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