Limburger Bischofsresidenz Tebartz-van Elst soll Kosten gezielt verschleiert haben

Mit einem Trick hat Franz-Peter Tebartz-van Elst offenbar verhindert, dass der Vatikan die Kosten der Limburger Bischofsresidenz erfährt. Die Summe wurde laut "FAS" gestückelt, um die Meldepflicht an den Kirchenstaat zu umgehen.
Limburger Bischofsresidenz: Stückelung der Kosten?

Limburger Bischofsresidenz: Stückelung der Kosten?

Foto: Thomas Frey/ dpa

Limburg - Unter der Ägide des umstrittenen Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst sind im Bistum Limburg möglicherweise über Jahre hinweg die Baukosten für dessen Amtssitz verschleiert worden. Die Aufsichtsinstanzen des Vatikans und des Vermögensverwaltungsrats des Bistums seien damit systematisch unterlaufen worden, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ("FAS") .

Für den Bau waren ursprünglich 5,5 Millionen Euro veranschlagt; inzwischen wird damit gerechnet, dass die Kosten auf 40 Millionen Euro steigen könnten. Der mit Rücktrittsforderungen konfrontierte Bischof steht wegen der immensen Mehrkosten unter Druck und will nach eigenen Angaben nun Papst Franziskus über seinen Amtsverbleib entscheiden lassen.

Neben Tebartz-van Elst, der seine überraschend bekannt gewordene Reise nach Rom um einige Tage verschiebt, wird kommende Woche auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, im Vatikan erwartet. Er will mit dem Papst über die Situation im Bistum Limburg sprechen.

Nach Informationen der "FAS" war dem neu gegründeten Vermögensverwaltungsrat, einem Kontrollgremium, im Sommer 2011 ein Kostenvolumen in Höhe von 17 Millionen Euro für Um- und Neubauten auf dem Limburger Domberg vorgelegt worden. Diese Summe sei in zehn Einzelprojekte gestückelt gewesen, die alle unter der Grenze von fünf Millionen Euro lagen. Erst ab dieser Summe müssen Bauvorhaben dem Vatikan zwingend angezeigt werden.

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Franz-Peter Tebartz-van Elst: Bischof unter Druck

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Ein Jahr später soll der Vermögensverwaltungsrat eine Zwischenfinanzierung in Höhe von 15,7 Millionen Euro genehmigt haben. Der Kredit sei bei der Deutschen Bank aufgenommen worden und habe erstmals zu einem Konflikt zwischen dem Bischof und dem Rat geführt, heißt es in dem Zeitungsbericht. Tebartz-van Elst habe gegen den Rat des Gremiums verlangt, dass die Kosten niemals öffentlich werden dürften. Da die Buchführung an die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ausgelagert worden sei, hätten nur der Dombaumeister und der Architekt Rechnungen und Belege zu sehen bekommen.

Erst Anfang Oktober 2013 soll der Vermögensverwaltungsrat Einblick in die tatsächlichen Kosten erhalten haben, nachdem der Bischof auf Druck des Vatikans Mitte September einer Offenlegung der Baukosten zugestimmt hatte. Mit inzwischen 31,4 Millionen Euro beliefen sich die Ausgaben zu diesem Zeitpunkt laut "FAS" schon auf etwa ein Drittel des Vermögens des Bischöflichen Stuhls. Das ist eine Art Schattenhaushalt, der getrennt vom Bistumshaushalt verwaltet wird. Diesen Topf kennen nur der Bischof und wenige Eingeweihte.

Die drei Mitglieder des Rates konfrontierten den Bischof laut "FAS" in einer Sitzung am 7. Oktober mit den Kosten. Dem Gremium gehören Jochen Riebel, Theodor-Michael Lucas und Carl-Friedrich Leuschner an. Riebel ist ehemaliger Leiter der Hessischen Staatskanzlei, Lucas Vorstandsprecher eines großen Trägers von Sozialeinrichtungen, Leuschner Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.

Teure Änderungswünsche

Die Darstellung der "FAS" deckt sich mit Aussagen Riebels, wonach der Bischof den Vermögensverwaltungsrat "hinters Licht geführt" habe. Die Gesamtkosten seien den Mitgliedern des Gremiums bis zuletzt nicht bekannt gewesen, hatte Riebel vor wenigen Tagen gesagt. Trotz mehrfacher Aufforderung habe Tebartz-van Elst weder Haushalte des Bischöflichen Stuhls für 2012 und 2013 noch Einzelprojekte vorgelegt.

Unter Berufung auf ihr vorliegende Unterlagen schreibt die Zeitung, dass ein Teil der Mehrkosten auf ständige Umplanungen und Änderungen während der Bauphase zurückzuführen sei. Seit 2011 seien zum Beispiel mehrfach Raumpläne und Bodenbeläge umgeplant sowie Beleuchtungen, Elektroanschlüsse und die Entwässerung geändert worden.

Die Staatsanwaltschaft Limburg prüft wegen der stark gestiegenen Baukosten inzwischen Vorwürfe der Untreue gegen Tebartz-van Elst. Mehrere entsprechende Anzeigen sind eingegangen. Laut "Bild"-Zeitung war der Bischof für die Limburger Staatsanwaltschaft in der vergangenen Woche allerdings nicht zu sprechen. Demnach hatten die Ermittler klären wollen, wer bis zu welcher Höhe über Mittel des Bischöflichen Stuhls verfügen kann. Nun habe man die Anfrage schriftlich gestellt.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat zudem gegen Tebartz-van Elst einen Strafbefehl wegen eidesstattlicher Falschaussage in zwei Fällen beantragt. Dabei geht es um Angaben, die der Bischof in einem Rechtsstreit mit dem SPIEGEL zu einem Flug nach Indien gemacht hatte.

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ulz/AFP/dpa
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