Prunkbau von Limburg Bischof kannte hohe Kosten seit Jahren

Die hohen Kosten für seine Limburger Residenz waren Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst seit Jahren bekannt. Nach SPIEGEL-Informationen wusste der Geistliche bereits 2011, dass zweistellige Millionensummen für den Bau veranschlagt wurden. Öffentlich ließ er eine viel geringere Zahl verbreiten.
Limburger Bischof Tebartz-van Elst: Kritik vom früheren Weihbischof

Limburger Bischof Tebartz-van Elst: Kritik vom früheren Weihbischof

Foto: Arne Dedert/ dpa

Limburg - Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst war nach Informationen des SPIEGEL seit Jahren über alle aufgelaufenen Kosten beim Neubau seiner Residenz informiert. Laut einem Vertrag von 2009 übernahm die Kölner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die kaufmännische Abwicklung des Projekts. Sie schickte jährlich eine Kostenaufstellung an die Vertreter des Bischöflichen Stuhls - den Bischof und seinen Generalvikar Franz Kaspar.

KPMG sollte auch dafür sorgen, dass Handwerkerrechnungen bezahlt wurden. Die Kosten des Umbaus wurden über ein Treuhandkonto der Wirtschaftsprüfer bei der Deutschen Bank beglichen. Aus anderen internen Dokumenten geht hervor, dass es bereits 2009 - also noch vor Baubeginn - eine grobe Kostenschätzung in Höhe von 17 Millionen Euro gab. Zwei Jahre später war der Bischof den Unterlagen zufolge über eine genauere Kalkulation in Höhe von 27 Millionen Euro informiert.

Dennoch ließ Tebartz-van Elst noch im Juni auf einer Pressekonferenz ausrichten, die Kosten beliefen sich auf "nur 9,85 Millionen". Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass die Kosten für den Bau auf mindestens 31 Millionen Euro steigen. Ursprünglich waren 5,5 Millionen veranschlagt gewesen. Wegen der hohen Kosten prüft die Staatsanwaltschaft Limburg Vorwürfe der Untreue gegen Tebartz-van Elst. Bis Freitag gingen neun entsprechende Strafanzeigen ein.

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Franz-Peter Tebartz-van Elst: Bischof unter Druck

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Aus der früheren Bistumsspitze um Altbischof Franz Kamphaus wurde unterdessen bekannt, dass Tebartz-van Elst bei seinem Amtsantritt in Limburg im Januar 2008 ein bischöfliches Vermögen von etwa hundert Millionen Euro vorgefunden haben soll. Es sei im Bischöflichen Stuhl, einem Schattenhaushalt, verbucht gewesen und umfasste beachtlichen Immobilienbesitz, darunter Wohnungen in besten Frankfurter Lagen.

Tebartz-van Elst steht wegen der gestiegenen Baukosten und seiner Amtsführung heftig in der Kritik. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hatte bei seinen Kollegen angesichts der Ereignisse im Bistum Limburg Bescheidenheit angemahnt. Zahlreiche Kritiker fordern Tebartz-van Elsts Rücktritt.

Ursprünglich wollte sich Tebartz-van Elst am Wochenende in einem Brief an die Gläubigen wenden - er wolle "manches klarstellen", hatte er gesagt. Diese Ankündigung wurde am Freitag überraschend und ohne Angaben von Gründen zurückgezogen.

Der Bischof steht zudem wegen eines weiteren Problems unter Druck. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat Strafbefehl gegen ihn beantragt, weil er in einem Rechtsstreit mit dem SPIEGEL in zwei Fällen falsche eidesstattliche Versicherungen abgegeben haben soll. Nach Einschätzung von Zollitsch wäre es ein Wendepunkt in der aufgeheizten Diskussion um den Bischof, wenn gegen Tebartz-van Elst ein Strafbefehl wegen Falschaussage ergehen würde.

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ulz/AFP/dpa
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