Zukunftsszenarien Limburger Bischofsresidenz könnte Flüchtlingsheim werden

Nach dem Skandal um Bischof Tebartz-van Elst diskutiert der Klerus in Limburg über die Zukunft der Bischofsresidenz. Nach SPIEGEL-Informationen stehen die Umwandlung in ein Flüchtlingsheim, in eine Suppenküche oder in eine Touristenattraktion zur Debatte. Klar ist: "Der Geldgestank muss weg."
Luftbild vom Neubau des Bischofssitzes in Limburg: Was wird aus dem Bau?

Luftbild vom Neubau des Bischofssitzes in Limburg: Was wird aus dem Bau?

Foto: Thomas Frey/ dpa

Hamburg - Ein 2000-Quadratmeter-Komplex mit Alabastersteinfenstern, Natursteinverkleidungen und einem eigenen Taubenabwehrsystem könnte bald leer stehen. Es handelt sich um die Bischofsresidenz in Limburg, deren teurer Bau zur Beurlaubung des Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst geführt hat. Nun debattieren das Bischöfliche Ordinariat und der Klerus über die Zukunft des Protzbaus.

Zu den diskutierten Szenarien gehören laut Informationen des SPIEGEL ein Flüchtlingsheim, eine Anlaufstelle für Obdachlose und eine Suppenküche. "Der Geldgestank muss weg", sagte ein Mitglied des einflussreichen Domkapitels.

Eine mögliche Unterbringung von Flüchtlingen würde sich am Vorbild von Altbischof Franz Kamphaus orientieren, der in den achtziger und neunziger Jahren das damalige Bischofshaus einer fünfköpfigen Familie aus Eritrea überließ und ins Priesterseminar zog.

Eine Öffnung für Obdachlose würde hingegen der Caritas entgegenkommen. "Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, könnten in der Residenz bewirtet werden", sagte ein Caritas-Mitarbeiter. Sollte eine Suppenküche eröffnet werden, kämen dafür laut einem Vorschlag, der im Ordinariat diskutiert wurde, indische Nonnen in Frage, die bislang Bischof Tebartz-van Elst versorgt hatten.

Ein weiteres Szenario sieht vor, den über 31 Millionen Euro teuren Bischofssitz als Touristenattraktion zu nutzen. Zudem könnten die schwarze bischöfliche Privatkapelle und der rund 800.000 Euro teure Mariengarten für die Allgemeinheit geöffnet werden; für die warme Jahreszeit ist an ein kirchliches Park-Café gedacht.

"Eine Erbsünde"

Dass Tebartz-van Elst oder ein neuer Bischof die Residenz bezieht, gilt im Ordinariat als schwer vorstellbar. "Der Bau ist so etwas wie eine Erbsünde geworden, die uns der Bischof hinterlassen hat", sagt ein Mitarbeiter der Caritas im Ordinariat.

Tebartz-van Elst steht vor allem wegen seiner Amtsführung und der teuren Residenz auf dem Limburger Domberg in der Kritik. Die Staatsanwaltschaft Limburg prüft derzeit, ob sie gegen Tebartz-van Elst ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue einleitet. Nach Bekanntwerden der hohen Kosten für den neuen Bischofssitz waren mehrere Anzeigen eingegangen. Der Bischof hat sich bislang noch nicht offiziell zu den Vorwürfen geäußert. Papst Franziskus hatte Tebartz-van Elst am Mittwoch eine Auszeit verordnet.

Eine Kommission, die von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzt wurde, prüft derzeit die Kosten der Limburger Residenz. Bis Ergebnisse vorlägen, werde Tebartz-van Elst eine Zeit außerhalb der Diözese verbringen, teilte der Vatikan mit.

Ob er an die Bistumsspitze zurückkehren kann, ist offen, weil die Stimmung in der Diözese vergiftet ist. Der Fall hatte eine neue Vertrauenskrise in der katholischen Kirche ausgelöst. Offenbar wird angestrebt, die Zukunft des Bischofs binnen zwei Monaten - vor dem Weihnachtsfest - endgültig zu klären.

lgr