Lion-Air-Unglück in Indonesien Familie von Absturz-Opfer verklagt Boeing

Bei dem Flugzeugabsturz einer Boeing 737 Max vor Jakarta kamen alle 189 Insassen ums Leben. Nun hat eine weitere Familie Boeing verklagt - sie macht dem Flugzeugbauer schwere Vorwürfe.

Eine Angehörige hält das Foto eines Opfers des Lion-Air-Absturzes (Archivbild)
REUTERS

Eine Angehörige hält das Foto eines Opfers des Lion-Air-Absturzes (Archivbild)


Nach dem Lion-Air-Flugzeugabsturz in Indonesien haben Angehörige eines Opfers den US-Flugzeugbauer Boeing verklagt. Die Familie eines Passagiers aus Jakarta reichte Klage bei einem Gericht in Chicago ein, teilte deren Anwalt mit. Die Kläger werfen Boeing vor, das Flugzeug sei "unzumutbar gefährlich" gewesen. In Chicago im US-Bundesstaat Illinois hat Boeing seinen Sitz.

Die Passagiermaschine vom Typ Boeing 737 Max der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air war am 29. Oktober kurz nach ihrem Start in Jakarta ins Meer gestürzt. Alle 189 Insassen kamen ums Leben. Ein vorläufiger Untersuchungsbericht der indonesischen Behörden hatte im November ergeben, dass das Flugzeug wegen gravierender technischer Mängel nicht hätte starten dürfen.

Insgesamt haben 30 Angehörige von Absturzopfern Boeing verklagt. Die Klage in Chicago wurde von der Familie von Sudibyo Onggo Wardoyo aus Jakarta eingereicht. Der Mann war mit 40 Jahren bei dem Absturz ums Leben gekommen. Der Anwalt der Familie erklärte, Boeing habe "nicht nur Messgeräte installiert, die falsche Daten angezeigt haben". Das Unternehmen habe auch die Piloten unzureichend ausgebildet. "Es war so, als hätte Boeing erst die Augen der Piloten verbunden und dann ihre Hände gefesselt."

Boeing hatte nach dem Unglück die Kritik an seinem brandneuen Flugzeug 737 Max zurückgewiesen. Ein endgültiger Bericht zur Absturzursache wird erst im kommenden Jahr erwartet.

Boeing soll Piloten nicht auf diesen Störfall vorbereitet haben

Die Daten des Flugschreibers deuten allerdings darauf hin, dass die von Boeing beim Modell 737 Max eingeführte MCAS-Software (Maneuvering Characteristics Augmentation System) den Absturz verursacht hat. Sie soll eigentlich einen Strömungsabriss verhindern. Dieser tritt bei zu geringer Geschwindigkeit auf, die Tragflächen erzeugen dann nicht mehr genug Auftrieb.

Wenn die Sensoren der 737 Max eine Fluglage nahe eines solchen Abkippens an den Bordcomputer melden, senkt der die Nase der Maschine automatisch, um die Geschwindigkeit zu erhöhen. Im Falle des abgestürzten Lion Air Fluges führte ein fehlerhafter Fluglage-Sensor oder eine fehlerhafte Software dazu, dass der Bordcomputer die Maschine ins Meer lenkte.

Das Prozedere, wie mit diesem Störfall umzugehen ist, war den Piloten des Lion-Air-Fluges offenbar nicht bekannt. Piloten verschiedener Airlines bestätigten ebenfalls, dass Boeing die neue Software und deren Funktion nicht dokumentiert hatte.

Einen ausführlichen Bericht zu den Hintergründen des Absturzes und den technischen Problemen der Boeing 737 Max finden Sie hier.

kko/AFP

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