Ermittler zu Flugzeugabsturz Lion-Air-Maschine soll "nicht flugtüchtig" gewesen sein

Der Lion-Air-Absturz mit 189 Toten hätte wahrscheinlich verhindert werden können. Bereits einen Tag vor dem Unglück sei die Maschine nicht flugtüchtig gewesen, stellen die Ermittler in einem Untersuchungsbericht fest.

Ermittler Nurcahyo Utomo
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Ermittler Nurcahyo Utomo


189 Menschen starben bei dem Absturz einer indonesischen Passagiermaschine ins Meer. Das Lion-Air-Unglück hätte vermutlich verhindert werden können. Denn die indonesische Flugaufsichtsbehörde KNKT kommt in einem vorläufigen Untersuchungsbericht zu dem Schluss, dass die Boeing 737 des Billigfliegers bereits bei einem Flug am Vortag des Unglücks "nicht flugtüchtig" gewesen sei.

Die Ermittler legen sich in ihrer Einschätzung nicht auf eine eindeutige Absturzursache fest - ihr endgültiger Bericht wird nicht vor Ende des Jahres erwartet. Zudem erläutern sie nicht, warum genau sie die Boeing als "nicht flugtüchtig" bezeichnen. Die Ermittler schreiben jedoch, Lion Air habe die Maschine trotz mehrfacher erfolgloser Bemühungen zur Behebung eines technischen Problems fliegen lassen. KNKT empfahl Lion Air, ihre "Sicherheitsstandards" zu verbessern.

Auch während ihres vorletzten Flugs habe es technische Probleme gegeben, doch der Pilot habe sich entschieden den Flug fortzusetzen, sagte der Chef der nationalen Flugsicherheitsbehörde, Nurcahyo Utomo. Die Maschine hätte nicht länger fliegen dürfen.

Das Flugzeug war am 29. Oktober nur elf Minuten nach dem Start in Indonesiens Hauptstadt Jakarta ins Meer gestürzt. Dem Bericht zufolge zerschellte die Maschine mit der enormen Geschwindigkeit von 725 Stundenkilometern auf dem Wasser. Alle Insassen kamen ums Leben.

Ersten Untersuchungen zufolge hatte die verunglückte Lion Air-Maschine Probleme mit der Geschwindigkeitsanzeige und den AOA-Sensoren. Der Zwischenbericht bestätigte diese Erkenntnisse.

Die Ermittler bestätigten zudem Informationen der "New York Times", dass die Piloten der fast nagelneuen Boeing 737 Max praktisch von Beginn an gegen den Absturz gekämpft hätten. Utomo berichtete, dass der Bordcomputer die Nase des Flugzeugs automatisch immer wieder nach unten gedrückt habe und die Crew versucht habe, sie nach oben zu steuern - letztlich aber ohne Erfolg.

"Die Piloten haben bis zum Ende gekämpft"

"Die Piloten haben bis zum Ende des Flugs unentwegt gekämpft", sagte Utomo. Es stehe fest, dass die MCAS-Software während des Flugs fälschlicherweise aktiviert worden sei. Die Ermittlungen fokussierten sich nun darauf.

Schon länger wird darüber spekuliert, dass eine neu eingeführte Software den Absturz verursacht haben könnte, die das Höhenruder der Maschine automatisch verstellen kann. AOA-Sensoren liefern Daten dazu, in welchem Winkel der Wind über die Flügel streicht und wie viel Auftrieb ein Flugzeug erhält. Sie sollen einen plötzlichen Strömungsabriss verhindern. Der sogenannte Stick Shaker, die Überzieh-Warnfunktion, sei "fast während der gesamten Flugdauer aktiviert gewesen", heißt es in dem Zwischenbericht.

Bereits bei einem Flug von Bali nach Jakarta am Tag vor dem Absturz hatte der Bordrechner widersprüchliche Angaben zu Flughöhe und -geschwindigkeit gemacht. Lion Air hatte erklärt, dass die Probleme vor dem Start am nächsten Morgen behoben worden seien. Die Fluglinie hatte darauf verzichtet, die Maschine sicherheitshalber am Boden zu lassen.

Der Datenschreiber der Boeing wurde inzwischen gefunden. Nach dem Stimmen-Rekorder, der die Gespräche und Geräusche im Cockpit aufzeichnet, wird noch gesucht.

Einen ausführlichen Bericht zu den Hintergründen des Absturzes und den technischen Problemen der Boeing 737 Max finden Sie hier.

sen/dpa/AFP

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