Wetterextreme in Deutschland Tornado richtet massive Schäden in Lippstadt und Paderborn an

Gewitter, Starkregen und Orkanböen haben in Teilen Deutschlands schwere Schäden verursacht. Im Raum Paderborn wurden mindestens zehn Menschen schwer verletzt. In Rheinland-Pfalz ist ein Mann nach einem Stromschlag gestorben.
Zwei umgekippte Lastwagen bei einem Autohändler in Paderborn

Zwei umgekippte Lastwagen bei einem Autohändler in Paderborn

Foto: Lino Mirgeler / dpa

Ein Sturm hat im nordrhein-westfälischen Lippstadt sowie in Paderborn am Freitagnachmittag massive Schäden verursacht. Betroffen sei das gesamte Stadtgebiet von Lippstadt, sagte ein Feuerwehrsprecher. Der Deutsche Wetterdienst bestätigte inzwischen, dass es sich einen Tornado handelte.

In Paderborn sorgten durch das Unwetter hervorgerufene orkanartige Winde Berichten zufolge für Verwüstungen in einem Gewerbegebiet. 30 bis 40 Menschen seien verletzt, »davon zehn schwer«, sagte ein Sprecher der Polizei am Freitagabend der Nachrichtenagentur AFP.

Wie das »Westfalen-Blatt « berichtete, wurden mehrere Möbelhäuser schwer beschädigt. Auf dem Betriebsgelände eines Autohauses sind sogar Lastwagen umgeworfen worden.

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In Lippstadt wurden laut der Nachrichtenagentur dpa zahlreiche Dächer abgedeckt, Bäume stürzten auf Autos. Es habe aber weder Tote noch – nach bisherigen Meldungen – Verletzte gegeben. Die mutmaßliche Windhose soll demnach gegen 17 Uhr durch die Stadt gezogen sein.

120 Menschen im Freibad eingeschlossen

Im Lippstadter Freizeitbad Cabrioli wurden zeitweise etwa 120 Badegäste eingeschlossen, weil umgestürzte Bäume den Eingang blockierten. Später seien die Eingeschlossenen befreit worden, berichtete die Feuerwehr.

Im Ortsteil Hellinghausen sei durch den Sturm die Spitze einer Kirche heruntergestürzt. Etwa 200 bis 300 Kräfte der Feuerwehr seien im Einsatz. Die Lippstädter Feuerwehr werde dabei von Kräften mehrerer Nachbarorte unterstützt.

Der Einsatzstab im Soester Rettungszentrum ziehe Kräfte aus der Region in Lippstadt zusammen, hieß es in einer Mitteilung. Es gehe zunächst darum, einen Überblick über die Schäden zu bekommen.

Auf Twitter kursierten indes mehrere Videos, die den Tornado in Lippstadt zeigen sollen. Verifizieren ließen sich die Aufnahmen zunächst nicht.

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Weitere Unwetter im Verlauf des Abends möglich

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte bereits am Donnerstag für ganz Deutschland vor extremen Unwettern gewarnt. Eine DWD-Sprecherin berichtete am späten Nachmittag auch von kräftigen Gewittern im Bereich der Eifel.

»Das sind zwei größere Zellen, die kurz hintereinander über das Gebiet ziehen und so mehr Regen bringen können«, so die Sprecherin. Dieses Unwetter könnte im Grenzbereich an Nordrhein-Westfalen vorbeiziehen.

Beeinträchtigungen auch im Großraum Nürnberg

Auch in Bayern sorgten Unwetter für Beeinträchtigungen. Wie die DB Regio Bayern per Twitter mitteilte, gab es wegen zahlreicher Bäume im Gleis im Raum Nürnberg am Freitagabend erhebliche Einschränkungen im Bahnverkehr. Der S-Bahn-Verkehr auf den Strecken Neustadt-Aisch-Steinach sowie Bad Windsbach-Wicklesgreuth müsse komplett eingestellt werden. In ganz Franken gab es teils heftige Gewitter.

In Spalt (Landkreis Roth) nahe dem Großen Brombachsee in Mittelfranken sind beim Einsturz einer Holzhütte 14 Menschen verletzt worden, darunter mehrere Kinder. Eine 37 Jahre alte Frau sei mit schwersten Verletzungen in eine Klinik geflogen worden, sagte eine Polizeisprecherin.

Fotostrecke

Unwetter in Teilen Deutschlands

Foto: INA FASSBENDER / AFP

Mann stirbt nach Stromschlag

Auch Rheinland-Pfalz ist von schweren Unwettern betroffen. Wie die Polizei in Koblenz mitteilte, starb ein 38-jähriger Mann am Freitagabend im Ort Wittgert (Kreis Westerwald) nach einem Stromschlag in einem unter Wasser stehenden Keller. Der Mann sei nach dem Stromschlag hingefallen und dabei vermutlich mit dem Kopf aufgeschlagen. Wiederbelebungsversuche blieben laut Polizei erfolglos.

In Andernach und Neuwied kam es laut Polizei zu »extremem« Hagel mit Hagelkörnern mit einem Durchmesser von rund fünf Zentimetern. Mehrere dutzend Autos seien erheblich beschädigt worden. Teilweise seien während der Fahrt Scheiben zertrümmert worden, teilte die Polizei weiter mit. Wegen umgefallener Bäume waren in der Region Koblenz mehrere Straßen über Stunden gesperrt. Mehrere Autos blieben zudem in überschwemmten Unterführungen liegen.

Für die Nacht zum Samstag rechnet der Deutsche Wetterdienst im Süden noch mit teils unwetterartigen Gewittern. Sonst sollen die Gewitter Richtung Polen abziehen, das Wetter sich von Westen beruhigen. Am Samstag könnte es dann im Nordosten noch ganz vereinzelt kurze Gewitter mit stürmischen Böen geben, die am Nachmittag nachlassen.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version war von einem »mutmaßlichen Tornado« die Rede. Inzwischen bestätigte der Deutsche Wetterdienst, dass es sich um einen solchen Sturm handelte. Wir haben die betreffende Stelle aktualisiert.

fek/tfb/dpa/AFP