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Japans Ostküste: Rettungsarbeiten im Trümmerland

Foto: DAMIR SAGOLJ/ Reuters

+++ Liveticker +++ Energiekonzern rationiert Strom in Tokio

Die Folgen der Tsunami- und Atomkatastrophe sind auch in Japans Hauptstadt Tokio immer stärker zu spüren: Die Regierung lässt die Radioaktivität kontrollieren; Versorgungsengpässe drohen. In Teilen der Region wird die Elektrizität abgeknipst. Die Ereignisse im Liveticker.

Die Zusammenfassung der aktuellen Lage finden sie hier.

+++ Erdbeben legt Raumfahrtkontrollzentrum Tsukuba lahm +++

[12.41 Uhr] Das verheerende Erdbeben in Japan hat auch das Raumflugkontrollzentrum in Tsukuba rund 50 Kilometer nordöstlich von Tokio lahmgelegt. Seine Funktion werde derzeit teilweise von der US-Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa in Houston (Texas) übernommen, teilte ein Sprecher am Montag mit. Durch die Erdstöße seien in dem Zentrum Büros verwüstet und Teile eines Daches zerstört worden. Der Weltraumbahnhof Tanegashima im Süden Japans ist Medienberichten zufolge nicht vom Erdbeben oder vom Tsunami betroffen.

+++ Schweiz verabschiedet sich von AKW-Plänen +++

[12.30 Uhr] Nach der verheerenden Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan hat die Schweizer Regierung am Montag alle Pläne für den Bau neuer Atomkraftwerke auf Eis gelegt. Die Leiterin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, Doris Leuthard, sagte am Montag, man werde zunächst sämtliche Sicherheitsstandards prüfen und gegebenenfalls anpassen.

+++ Aktienkurse brechen ein +++

[12.20 Uhr] Am ersten Handelstag nach der Erdbebenkatastrophe in Japan sind die Aktienkurse in Japan und Deutschland eingebrochen. An der Börse in Tokio stürzte der Nikkei-Index am Montag um 6,18 Prozent oder 633,94 Punkte auf einen Schlusskurs von 9.620,49 Punkten. In Frankfurt am Main startete der Deutsche Aktienindex mit einem Minus von zeitweise 1,9 Prozent, erholte sich dann aber etwas und lag am Vormittag rund 0,6 Prozent unter dem Schlusskurs von Freitag.

Im DAX verloren vor allem Versicherungen und Energiekonzerne. Münchener Rück gaben fast 4 Prozent ab, Allianz verloren zeitweise fast 2 Prozent. Die Energiewerte E.ON und RWE gaben mehr als 3 Prozent nach. Ersten Schätzungen zufolge verursachten das Erdbeben und der Tsunami am Freitag Schäden von mehreren Dutzend Milliarden Euro.

+++ Brennstäbe in Fukushima-Reaktor komplett ohne Wasser +++

[12.09 Uhr] Die Brennstäbe in Reaktorblock 2 des Atomkraftwerks Fukushima Eins liegen nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo komplett trocken. Zuvor war am Montag versucht worden, den absinkenden Stand der Kühlflüssigkeit mit Meerwasser aufzufüllen, um eine Kernschmelze zu verhindern.

+++ Bisher keine Erkenntnisse über deutsche Opfer in Japan +++

[11.58 Uhr] Dem Auswärtigen Amt in Berlin liegen auch vier Tage nach dem Ausbruch der Katastrophe in Japan keine Erkenntnisse darüber vor, ob deutsche Staatsbürger unter den Opfern sind. Allerdings fehle weiterhin jeder Kontakt zu einem kleinen Teil der deutschen Gemeinde in Japan, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Montag in Berlin. In Japan hielten sich bei Ausbruch des Erdbebens am vergangenen Freitag rund 5000 Deutsche auf. In der Katastrophenregion im Nordosten waren es etwa 100 Bundesbürger.

+++ Energiekonzern schaltet in Region Tokio vorübergehend Strom ab +++

[11.55 Uhr] Wegen des Ausfalls mehrerer Atomkraftwerke hat der japanische Energiekonzern Tepco am Montag in der Region um Tokio mit der Stromabschaltung begonnen. Statt wie geplant schon tagsüber unterbrach Tepco die Stromversorgung jedoch erst um 17.00 Uhr Ortszeit (09.00 Uhr MEZ), um die Bürger möglichst lange von der Einschränkung zu verschonen. Der Blackout sollte voraussichtlich zwei Stunden dauern.

Etwa 330.000 Haushalte und andere Abnehmer in mehreren Präfekturen, darunter Tokio, Kanagawa, Ibaraki und Saitama, waren von der Unterbrechung betroffen. Tepco hatte von der japanischen Regierung die Genehmigung erhalten, wegen des Versorgungsengpasses kontrolliert den Strom abzuschalten. Dadurch soll verhindert werden, dass einige Regionen aufgrund von Versorgungsengpässen plötzlich ohne Strom sind.

+++ Merkel äußert sich am Nachmittag zu Japan +++

[11.51 Uhr] Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) werden sich um 16 Uhr im Kanzleramt zu den Atomunfällen in Japan äußern. Vermutlich werden sie auch zur möglichen Aussetzung der verlängerten Atomlaufzeiten in Deutschland Stellung nehmen. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Montag in Berlin, die Vorgänge in Japan müssten Deutschland zum Nachdenken bringen. Es stelle sich die Frage, "was daraus zu lernen ist" und welche Konsequenzen umzusetzen seien.

Die Bundesregierung sicherte Japan Hilfe zu. "Deutschland steht bereit, in dieser Notlage rasch und dauerhaft zu helfen", sagte Seibert. Es müsse nun geklärt werden, welche Hilfe sinnvoll sei.

+++ Euro-Finanzchefs sprechen über Katastrophe in Japan +++

[11.36 Uhr] Die Euro-Finanzminister sind am Montag in Brüssel zusammengekommen, um über die Konsequenzen der Erdbeben- und Atomkatastrophe in Japan beraten. Auf der offiziellen Tagesordnung des regulären März-Treffens steht das Thema allerdings nicht.

"Wir beschäftigen uns mit den Fragen, wie das Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte haben wird", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). "Keiner weiß es im Augenblick." In zwei Wochen solle bei einem schon länger geplanten Treffen der Finanzminister der G20-Gruppe über Reaktionen gesprochen werden.

+++ Putin hält an Russlands Atompolitik fest +++

[11.32 Uhr] Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin erklärte am Montag, sein Land werde auch nach der nuklearen Katastrophe in Japan an seine Atompolitik festhalten. Er sehe die Gefahr eines globalen Desasters nicht gegeben, sagte der Premier in der sibirischen Stadt Tomsk. Demnach sollen alle für die kommenden Dekaden geplanten Atomkraftwerke gebaut werden.

+++ Indien kündigt Überprüfung eigener Atomreaktoren an +++

[11.30 Uhr] Angesichts der dramatischen Schwierigkeiten in japanischen Atomanlagen hat der indische Ministerpräsident Manmohan Singh am Montag eine Überprüfung aller eigenen Reaktoren angekündigt. Er habe die Atomenergiebehörden und die staatliche Betreiberfirma angewiesen, die Sicherheitssysteme zu kontrollieren, sagte Singh vor Parlamentariern. Es solle geprüft werden, ob die Reaktoren Ereignissen wie einem Erdbeben oder einem Tsunami standhalten könnten. Indien verfügt über 20 Atomkraftwerke, die meisten davon stehen entlang der Küste.

+++ Daimlers japanisches Lastwagengeschäft ruht +++

[11.25 Uhr] Infolge des Erdbebens in Japan ruhen die japanischen Nutzfahrzeugaktivitäten des Stuttgarter Autoherstellers Daimler. Produktion und Verwaltung der japanischen Tochter Mitsubishi Fuso blieben geschlossen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Nach heutigem Kenntnisstand sei keiner der 12.836 Mitarbeiter in Japan zu Schaden gekommen. Ein Großteil der Angehörigen von deutschen Mitarbeitern sowie Dienstreisende befänden sich schon auf der Rückreise.

+++ Deutsche Atomtechniker wohlbehalten zurück +++

[11.15 Uhr] Zehn deutsche Kerntechniker, die sich während des Erdbebens im japanischen Atommeiler Fukushima aufgehalten hatten, sind wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Ihnen gehe es gut, teilte das Unternehmen Areva in Erlangen mit. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes konnten die Fachleute am Sonntagabend über Tokio ausreisen. Die Techniker des französischen Atomkonzerns Areva hatten in Reaktor 4 von Fukushima ein Verfahren zur Ultraschall-Prüfung von Schweißnähten vorgestellt.

+++ Mindestens sechs japanische Häfen schwer beschädigt +++

[10.58 Uhr] Mindestens sechs Häfen in Japan sind schwer beschädigt. Die nordöstlichen Häfen Hachinohe, Sendai, Ishinomaki und Onahama dürften nach Angaben von Hafenbetreibern und Reedereien für Monate, wenn nicht sogar Jahre außer Betrieb bleiben. Japans neuntgrößter Container-Hafen Kashima und der kleinere Hafen Hitachinaka seien weniger stark beschädigt, würden aber voraussichtlich erst in einigen Wochen wieder in Betrieb gehen. Zudem seien Dutzende Containerschiffe zerstört worden.

Die Hafenausfälle dürften die Hilfs- und Aufräumarbeiten erschweren und zu erheblichen Störungen der internationalen Handelsströme führen. Dies wird die japanische Volkswirtschaft laut dem Schifffahrtsmagazins "Lloyd's List Intelligence" voraussichtlich 3,4 Milliarden Dollar täglich kosten.

+++ Westerwelle erwägt Aussetzung der Laufzeitverlängerung +++

[10.53 Uhr] Vizekanzler Guido Westerwelle hält einen vorübergehenden Ausstieg aus der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke für denkbar. "Ich kann mir das vorstellen", sagte der Außenminister. Zugleich forderte Westerwelle die Bildung einer Expertenkommission: "Wir brauchen auch eine neue Risikoanalyse." Sollte sich herausstellen, dass die Kühlsysteme einzelner deutscher Kraftwerke nicht mehrfach gesichert seien, müssten die entsprechenden Meiler solange abgeschaltet werden, "bis die Lage völlig klar ist". Sicherheit habe Vorrang.

+++ Bemühung um Kühlung in zweitem AKW +++

[10.28 Uhr] Im zweiten beschädigten Atomkraftwerk Fukushima 2 arbeiten Experten weiter an der Wiederherstellung der Kühlung von zwei Reaktoren. Obwohl man sich darauf vorbereitet habe, habe man bisher bei keinem der vier Reaktoren Druck abgelassen, teilten die japanischen Behörden der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA mit. Die Radioaktivitätswerte rund um die Anlage seien normal.

+++ Offizielle Opfer-Zahl steigt auf 5000 +++

[10.21 Uhr] Die offiziell bestätigte Zahl der Toten und Vermissten ist laut Polizei auf 5000 gestiegen. Lokale Behörden befürchten jedoch, dass die tatsächliche Opferzahl weit darüber liegt - Zehntausende Menschen werden noch vermisst. Allein in der am schwersten getroffenen Präfektur Miyagi werden nach wie vor mehr als 10.000 Menschen vermisst. In der Stadt Otsuchi in der Präfektur Iwate werden 12.000 Menschen vermisst, in den Städten Iwaki und Minamisoma in der Präfektur Fukushima 1200.

+++ Europas Börsen im Minus, Versicherer unter Druck +++

[10.15 Uhr] Die europäischen Aktienmärkte sind am ersten kompletten Handelstag nach dem verheerenden Erdbeben in Japan mit Verlusten in den Handel gestartet. Der EuroStoxx 50 verlor 0,78 Prozent auf 2861,30 Punkte. Für den Leitindex FTSE 100 in London ging es um 0,37 Prozent auf 5807,38 Punkte nach unten, der Cac 40 in Paris büßte 0,47 Prozent auf 3910,02 Punkte ein.

Besonders stark unter Druck gerieten die Aktien von Versicherern. Der Stoxx 600 Insurance verlor 1,98 Prozent - so viel wie kein anderer Branchenindex. Die Papiere der Swiss Re, des weltweit zweitgrößten Rückversicherers verloren am Ende des Swiss-Market-Index (SMI) 3,19 Prozent. Aktien von Axa sanken um 1,68 Prozent, von Aegon um 1,59 Prozent.

+++ Söder: "Japan ändert alles" +++

[10.01 Uhr] Der bayerische Umweltminister Markus Söder will die deutsche Atompolitik nach den Katastrophen in Japan grundsätzlich überprüfen. "Ich glaube, dass Japan generell alles ändert, auch bei mir", sagte der CSU-Politiker im Bayerischen Rundfunk. Sicherheitsaspekte müssten umfassend neu diskutiert werden. Dazu gehörten alle möglichen Risiken - auch Flugzeugabstürze. Söder forderte auch eine neue Diskussion über die von Union und FDP Ende vergangenen Jahres gegen heftigen Widerstand durchgesetzte Verlängerung der Laufzeit der deutschen Kernkraftwerke.

+++ AKW-Betreiberfirma: Meerwasser kühlt Reaktoren +++

[9.52 Uhr] Nach Angaben der Betreiberfirma Tepco hat die Einleitung von Meerwasser eine Überhitzung des Reaktors 2 im Kernkraftwerk Fukushima 1 (Daiichi) verhindert. Die Temperatur im Reaktor sei auf unter 100 Grad Celsius gesunken, berichtete die Nachrichtenagentur Jiji. Die japanische Atomaufsicht schließt eine Katastrophe wie vor 25 Jahren in Tschernobyl aus, wie der Minister für Nationale Strategie, Koichiro Genba, laut Jiji sagte.

+++ Credit Suisse Japan: Schäden von bis zu 180 Milliarden Dollar +++

[9.47 Uhr] Die japanische Niederlassung der Schweizer Großbank Credit Suisse schätzt die wirtschaftlichen Schäden der Katastrophe auf rund 170 bis 180 Milliarden Dollar. Der Chefvolkswirt von Credit Suisse Japan, Hiromichi Shirakawa, kam nach einem Vergleich mit dem schweren Erdbeben in der japanischen Stadt Kobe 1995 zu dem Schluss, dass die jüngste Katastrophe knapp 40 Prozent der wirtschaftlichen Schäden von damals verursacht haben dürfte. In Nordjapan habe es weniger Bürogebäude, Fabriken und Autobahnen gegeben als damals in Kobe.

+++ Weltverband sagt Eiskunstlauf-WM in Tokio ab +++

[9.36 Uhr] Der Eislauf-Weltverband ISU hat die vom 21. bis 27. März geplanten Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Tokio abgesagt. "Angesichts der katastrophalen Ereignisse in Japan haben wir in Absprache mit den japanischen Behörden und dem japanischen Verband festgestellt, dass eine planmäßige Durchführung der WM in Tokio derzeit nicht möglich ist", heißt es in dem von ISU-Präsident Ottavio Cinquanta unterzeichneten Statement. Ein Ersatztermin werde geprüft.

+++ Radioaktivität in Fukushima nach zweiter Explosion nicht erhöht +++

[8.59 Uhr] Nach der Explosion am Reaktor 3 im Atomkraftwerk Fukushima soll im Umfeld der Anlage keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden. Das sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Die zweite Explosion in dem AKW habe das Gebäudes des Reaktors 3 zerstört, der innerste Sicherheitsbehälter sei aber nicht beschädigt worden. Auch der Kontrollraum sei noch benutzbar, teilten die japanischen Behörden mit.

+++ AKW-Betreiber kühlt Reaktor 2 mit Meerwasser +++

[8.46 Uhr] Der Betreiber des Atomkraftwerkes Fukushima, Tepco, hat mit dem Einleiten von Meereswasser in den Reaktor 2 begonnen. Dieser war zuletzt noch mit dem normalen Notsystem gekühlt worden, während in Reaktor 1 und 3 bereits Meerwasser eingeleitet worden war. Die Regierung bestätigte unterdessen, dass bei der Explosion in Reaktor 3 elf Menschen verletzt wurden.

+++ USA ziehen Schiffe und Flugzeuge von Fukushima zurück +++

[8.35 Uhr] Die U.S. Navy hat ihre Schiffe und Flugzeuge den Kurs ändern lassen. Man habe sie zurückgezogen, nachdem der Flugzeugträger "Ronald Reagan" rund 160 Kilometer vor der Küste Radioaktivität gemessen habe, teilte die siebte Flotte mit. Die Menge der Strahlung habe ungefähr der Menge entsprochen, der man in einer normalen Umgebung in einem Monat ausgesetzt sei. Die Schiffe und Flugzeuge waren in Richtung des Unglückskraftwerks Fukushima unterwegs.

+++ Verkehr in Tokio liegt fast still +++

[8.17 Uhr] Das neuerliche Beben hat den Bahnverkehr in der japanischen Hauptstadt nahezu zum Erliegen gebracht. Japan Rail, der größte Verkehrsbetrieb des Landes, stellte alle Stadtlinien bis auf vier ein. Und auch diese sind teilweise unterbrochen. Nur zehn Prozent der Züge auf der wichtigsten Ost-West-Bahnlinie durch Tokio würden verkehren, berichtete das japanische Fernsehen. Reisende drängten sich in den Stationen, um einen Platz in einem Zug zu ergattern. Die Warteschlangen reichten oft bis in die Bahnhofshallen. Zugverbindungen zum Flughafen Narita wurden ebenfalls eingestellt.

+++ Baden-Württemberg schickt Inspekteure in Atomkraftwerke +++

[8.06 Uhr] Baden-Württemberg überprüft seine Kernkraftwerke. Ab dem heutigen Montag seien Inspekteure im Einsatz, die sich vor allem um die Frage der Notstromversorgung kümmern sollen, sagte Landesumweltministerin Tanja Gönner im Deutschlandfunk. Begleitet werde diese Überprüfung von einer unabhängigen Expertenkommission. Sollten die Experten feststellen, dass die Sicherheit in den Kernkraftwerken nicht gewährleistet sei, "wird auch abgeschaltet", so die CDU-Politikerin.

+++ Oettinger hält Schließung alter AKW für möglich +++

[8.02 Uhr] Günther Oettinger schließt als Konsequenz aus der Atomkatastrophe in Japan die vorzeitige Schließung älterer deutscher Kernkraftwerke nicht aus. Die alten Kraftwerke seien zwar ständig und umfassend nachgerüstet worden, dennoch müsse ohne jede Vorbedingung deren Sicherheit geprüft werden, sagte der EU-Kommissar im Deutschlandfunk. Für Dienstag habe er die Aufsichtsbehörden der Mitgliedstaaten zu Beratungen nach Brüssel eingeladen. "Der Vorfall hat die Welt verändert, und vieles, was wir als Industriegesellschaften für sicher und beherrschbar gehalten haben, ist nun in Frage gestellt", so Oettinger.

+++ Kühlsystem in Reaktor 2 von Fukushima ausgefallen +++

[7.40 Uhr] Im Atomkraftwerk Fukushima 1 ist in einem weiteren Reaktor das Kühlsystem zusammengebrochen. Die Kühlung von Reaktor 2 funktioniere nicht mehr, teilte der Kraftwerksbetreiber Tepco nach Angaben der Nachrichtenagentur Jiji mit. Dies könne zu einer Überhitzung und damit zu einer weiteren Explosion führen.

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Japans Atomkatastrophe: Schreckensnachricht aus Fukushima

Foto: AFP/ NHK

+++ China billigt massiven Ausbau der Atomenergie +++

[7.36 Uhr] Ungeachtet der Atomkatastrophe in Japan hat Chinas Volkskongress einen massiven Ausbau der Kernenergie beschlossen. Bis 2015 soll mit dem Bau von weiteren 40 Gigawatt an Kapazitäten begonnen werden. Bis 2020 sollen die gegenwärtigen Atomkapazitäten verachtfacht werden, berichten chinesische Staatsmedien. Ohne offene Debatte stimmten 2778 Delegierte in Peking für den neuen Entwicklungsplan. Nur 56 stimmten dagegen, während sich 38 Abgeordnete enthielten.

+++ Toyota stoppt Produktion bis mindestens Mittwoch +++

[7.28 Uhr] Der weltgrößte Autobauer Toyota lässt die Produktion in allen japanischen Werken bis mindestens Mittwoch ruhen. Das meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. Der Konzern hatte bereits am Wochenende einen Produktionsstopp für Anfang der Woche angekündigt. Wie viele Autos Toyota wegen des Stopps erst verspätet bauen kann, war zunächst unklar.

An der Börse wurden die Papiere des Autobauers bis Mittag Ortszeit etwa 8,5 Prozent tiefer gehandelt als am Freitag. Insgesamt verlor der Nikkei-Index, der die 225 führenden Werte der japanischen Aktienmärkte listet, bis Mittag rund sechs Prozent.

+++ Malaysische Zeitung entschuldigt sich für Tsunami-Karikatur +++

[6.52 Uhr] Eine Tsunami-Karikatur hat in Malaysia Proteststürme ausgelöst. Die Zeitung "Berita Harian" hatte am Sonntag eine Karikatur veröffentlicht, auf der die japanische Science-Fiction-Figur Ultraman vor riesigen Wellen flieht. Am Montag entschuldigte sich das Blatt dafür und reagierte damit auf Hunderte Protestanrufe und -zuschriften. "Wir hatten nicht die Absicht, uns über das Desaster lustig zu machen", teilte die Zeitung mit.

+++ Zahlreiche Tankstellen ausverkauft +++

[6.14 Uhr] Die Versorgungssituation wird in einigen Regionen Japans immer ernster. Zettel mit der Aufschrift "ausverkauft" hingen an vielen Tankstellen in der Präfektur Ibaraki, die südlich von Fukushima und der Erdbebenregion liegt, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa. "Menschen kamen mit Dutzenden Kanistern, um ihre Benzin- und Heizölvorräte aufzustocken." An den wenigen noch offenen Tankstellen bildeten sich lange Schlangen.

+++ Sprecher: Risiko einer weiteren Explosion gering +++

[5.49 Uhr] Eine erneute Explosion im Reaktor 3 des Kernkraftwerks Fukushima ist nach Angaben der Regierung unwahrscheinlich. Der zentrale Kontrollraum des Reaktors sei unbeschädigt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Montag. Nach der Wasserstoffexplosion in dem Reaktor sei nur eine kleine Veränderung der radioaktiven Strahlung festgestellt worden, fügte er hinzu. Die Gefahr, dass massenweise radioaktive Substanzen verbreitet würden, sei gering.

+++ Katastrophen-Provinz bittet um Särge +++

[5.33 Uhr] Die Behörden der Präfektur Iwate haben an Bestattungsunternehmen im ganzen Land appelliert, Särge und Leichensäcke in die Krisenregion zu schicken. Dies berichtet die BBC unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AP. "Wir haben einfach nicht genug davon", wird ein Offizieller zitiert. "Mit so etwas haben wir nicht gerechnet, es ist einfach überwältigend."

+++ Tsunami-Warnung offiziell aufgehoben +++

[5.25 Uhr] Die Behörden haben die Tsunami-Warnung für die Nordostküste Japans offiziell aufgehoben. Der Fernsehsender NHK hatte kurz zuvor unter Berufung auf die Feuerwehr berichtet, in Folge des schweren Nachbebens vor der Küste Japans rolle eine Tsunami-Welle auf das Land zu, die bis zu drei Meter hoch sein könne. Die örtlichen Behörden hatten daraufhin eine Warnung herausgegeben, hoben diese aber wenig später wieder auf. Das meteorologische Institut konnte diese Angaben jedoch nicht bestätigen, obgleich ein Sprecher einräumte, dass einige Messgeräte durch das schwere Beben vom Freitag und den anschließenden Tsunami beschädigt wurden.

+++ Kriegsschiff fährt durch Strahlenwolke +++

[5.23 Uhr] Der US-Flugzeugträger "Ronald Reagan" passierte auf seinem Weg in das japanische Katastrophengebiet eine radioaktive Wolke aus den beschädigten Kraftwerken an der Ostküste des Landes. Dies berichtet die "New York Times". Die Crew sei binnen einer Stunde der Strahlendosis eines ganzen Monats ausgesetzt gewesen, so das Blatt weiter.

+++ Tsunami bleibt aus, Hubschrauber sorgte für Fehlalarm +++

[5.15 Uhr] Die Gefahr eines Tsunamis scheint nun endgültig gebannt. Noch ist die Warnung zwar nicht offiziell aufgehoben, aber die Anzeichen auf einen Fehlalarm häufen sich. Nach Informationen der BBC hatte die Crew eines Hubschraubers die Meldung einer Welle vor der Ostküste Japans nahe Fukushima abgesetzt.

Behörden finden 2000 Tote

+++ Zahl der Verletzten im AKW steigt +++

[5.09 Uhr] Die Lage im Kraftwerk Fukushima hat sich nach den dramatischen Stunden offenbar beruhigt. Neben dem Reaktorkern ist nach Angaben der Agentur AFP auch der Kontrollraum unbeschädigt geblieben. Die Zahl der Verletzten jedoch steigt. Nach Mitteilung der Betreiberfirma Tepco sind bei der Wasserstoffexplosion elf Menschen verletzt worden. Zunächst war nur von drei Personen die Rede gewesen.

+++ Keine erhöhte Strahlung gemessen +++

[4.49 Uhr] Nach der Explosion im Atomkraftwerk Fukushima I gibt es nach Angaben der Regierung keine veränderten Strahlenwerte um den Komplex. Bei dem Vorfall am Montag seien sechs Menschen verletzt worden. Inzwischen werden keine Vermissten mehr gemeldet.

+++ Zentralbank erhöht Finanzspritze auf 133 Milliarden Euro +++

[4.45 Uhr] Die japanische Zentralbank hat ihre Geldspritze für die Finanzmärkte noch einmal drastisch erhöht. Umgerechnet rund 133 Milliarden Euro sollen die Folgen der Erdbebenkatastrophe zunächst abmildern. Zum Start des Börsenhandels hatten die Aktienkurse zuvor drastisch nachgegeben. Der Nikkei-Index verlor mehr als fünf Prozent und fiel zwischenzeitlich unter die 10.000-Punkte-Marke. Auch die Aktien der japanischen Automobilhersteller verzeichneten starke Kursnachlässe. Die Betreiberfirma mehrerer havarierter Reaktoren, Tepco, wurde wegen einer Fülle von Verkaufsaufträgen vom Handel ausgesetzt.

+++ Drei Verletzte, sieben Vermisste in AKW +++

[4.28 Uhr] Nach Angaben der Betreiberfirma Tepco werden nach der Wasserstoffexplosion noch sieben Menschen in dem Atomkraftwerk vermisst. Drei Personen wurden bei der Detonation verletzt.

+++ Keine Anzeichen für neuen Tsunami +++

[4.17 Uhr] Bei der Warnung vor einer erneuten Flutwelle könnte es sich um falschen Alarm gehandelt haben. Inzwischen bestätigt auch die meteorologische Behörde, die Gefahr eines weiteren tödlichen Tsunamis bestehe nicht.

+++ Strahlenmessung in Tokio angewiesen +++

[4.11 Uhr] Nach der neuen Explosion im Atomkraftwerk Fukushima hat der Gouverneur von Tokio am Montag auch eine Strahlenmessung in der japanischen Hauptstadt angeordnet. Das Kraftwerk befindet sich etwa 240 Kilometer nordöstlich der Millionenstadt Tokio.

+++ Widersprüchliche Berichte über Verletzte in Kraftwerk +++

[4.02 Uhr] Bei der Explosion in dem Reaktor hat es offenbar mehrere Verletzte gegeben. Das berichteten Vertreter der Betreiberfirma Tepco. Regierungssprecher Yukio Edano hatte dagegen noch Minuten zuvor erklärt, es sei niemand zu Schaden gekommen.

+++ Regierung: Vorfall ähnlich wie Explosion am Samstag +++

[3.56 Uhr] Die japanische Regierung hat die Explosion im Unglücks-Atomkraftwerk Fukushima bestätigt. Regierungssprecher Yukio Edano sagte am Montag, die Stahlhülle von Reaktor 3 sei nach Angaben der Betreiberfirma Tepco unbeschädigt. Techniker hätten am Sonntag noch versucht, den Reaktor mit Meerwasser abzukühlen. Jedoch sei der Wasserstand abgesunken, was zu weiterem Druck führte. Die Explosion sei mit der vergleichbar, die sich am Samstag in Reaktor 1 ereignet hatte.

+++ Reaktorkern offenbar unbeschädigt +++

[3.48 Uhr] Trotz der erneuten Explosion im Atomkraftwerk Fukushima I ist nach Angaben der Regierung die Hülle um den betroffenen Reaktor offenbar intakt. Es sei unwahrscheinlich, dass eine größere Menge Radioaktivität ausgetreten sei. Die Regierung rief die Menschen trotzdem auf, im Umkreis von 20 Kilometern um das Unglückskraftwerk in ihren Häusern zu bleiben, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.

+++ Behörden entdecken 2000 Tote +++

[3.46 Uhr] Grausiger Fund: Nach Angaben der Agentur Kyodo sind am Montag 2000 Leichen an der Küste der Präfektur Miyagi gefunden worden: tausend auf der Ojika-Halbinsel und tausend bei Minamisanriku.

+++ BBC: Gebäude auf Reaktor-Gelände kollabiert +++

[3.41 Uhr] Offenbar ist auf dem Gelände des Reaktors ein Gebäude als Folge der Explosion eingestürzt. Das berichtet die BBC unter Berufung auf japanische TV-Bilder. Um welches Gebäude es sich handelt, ist noch unklar.

+++ Angst vor neuem Tsunami wächst +++

[3.38 Uhr] Die Bevölkerung an der Nordostküste wurde aufgefordert, sich an höher gelegene Orte zu begeben. Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete unter Berufung auf Beamte der Präfektur Fukushima, die Wellen könnten nach dem schweren Nachbeben bis zu drei Meter hoch werden. In der Stadt Soma ertönten Sirenen, und über öffentliche Durchsagesystem wurden Einwohner aufgerufen, sich an höher gelegene Orte zu begeben.

+++ Rauch steigt aus Unglücks-AKW +++

[3.28 Uhr] Noch ist nicht klar, ob die Hülle des Kraftwerks bei der neuen Wasserstoffexplosion Schaden genommen hat. Aus der Anlage dringt nach Agenturangaben dichter Rauch. Am Samstag hatte es bereits eine Wasserstoffexplosion in Block eins gegeben, Block drei galt ebenfalls als gefährdet. Im Reaktor 3 war am Sonntag eine Kernschmelze befürchtet worden, im Reaktor 1 des Kraftwerks ereignete sich am Samstag eine Explosion, die aber den Reaktorkern nicht beschädigte.

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Zwei Tage nach dem Beben: Verwüstete Ostküste

Foto: Kimimasa Mayama/ dpa

+++ Erneute Explosion in AKW +++

[3.23 Uhr] Im Kraftwerk Fukushima I hat es offenbar erneut weitere Explosion gegeben. Noch ist unklar, welcher Teil des Komplexes betroffen - und ob radioaktives Material ausgetreten ist.

+++ Warnung vor neuer Flutwelle +++

[3.10 Uhr] Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo wird an der Küste der Präfektur Fukushima ein weiterer Tsunami erwartet. Er soll drei Meter hohe Wellen mit sich bringen. Dem Fernsehsender NHK zufolge könnte die Welle bereits in Kürze eintreffen.

+++ Erdstöße lassen Flughafen erzittern +++

[2.35 Uhr] Das Nachbeben hat auch den Flughafen von Tokio erschüttert. SPIEGEL-Reporter Thilo Thielke berichtet aus der japanischen Hauptstadt: "Zwischen 10 Uhr und 10.07 Uhr hat hier die Erde mehrmals gebebt, der Flughafen gewackelt. Es scheint aber so zu sein, als würden die meisten Flüge stattfinden. Nur Abflüge nach Peking, Shanghai, Zürich und Wien wurden offenbar gestrichen. Der Zug von Tokio nach Natita verkehrt nicht, die Strassen sind aber frei." Schäden haben die erneuten Erdstöße offenbar nicht verursacht.

+++ Erde in Tokio bebt erneut +++

[2.13 Uhr] Ein Nachbeben der Stärke 6,2 hat am Montag um kurz nach 10 Uhr Ortszeit die japanische Hauptstadt Tokio erschüttert. Das berichtete der Sender NHK. Über Schäden in Tokio und bei den schon angeschlagenen Atomkraftwerken in Fukushima war zunächst nichts bekannt. Die US-Erdbebenwarte (USGS) gab die Stärke dagegen mit 5,8 an. Das Epizentrum lag demnach vor der Küste, rund 150 Kilometer nordöstlich von Tokio entfernt. Die Behörden gaben aber zunächst keine Tsunami-Warnung aus.

+++ Nukleare Gefahr bleibt bestehen +++

[1.56 Uhr] Die Situation in den beschädigten AKW ist weiter angespannt. Japans Atomsicherheitsbehörde bestätigte, dass die Strahlung im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi weiterhin über den gültigen Grenzwerten liege. Die von Kabinettsekretär Yukio Edano ausgegebene Warnung vor einer drohenden zweiten Explosion in einem von drei von Kühlproblemen betroffenen Reaktoren in der rund 250 Kilometer von Tokio entfernten Anlage besteht weiter.

+++ 144 US-Spezialisten helfen bei Rettungsaktion +++

[1.33 Uhr] US-Rettungskräfte sind in Japan eingetroffen und unterstützen die Suche nach Überlebenden. Dies gab das Weiße Haus in Washington bekannt. Insgesamt handelt es sich um 144 Spezialisten, die mit zwölf Spürhunden unterwegs sind. Außerdem haben sie schweres Räumgerät aus den USA mitgebracht.

+++ Nikkei-Index gibt massiv nach +++

[1.19 Uhr] Nach dem schweren Erdbeben in Japan hat die Börse in Tokio zu Beginn des Handels am Montag einen Kurssturz erlitten. Der Nikkei-Index verlor mehr als fünf Prozent und fiel zwischenzeitlich unter die 10.000-Punkte-Marke. Auch die Aktien der japanischen Automobilhersteller verzeichneten starke Kursnachlässe. Unter anderem hatten Toyota und Honda ihre Produktion zuvor auf unbestimmte Zeit eingestellt. Die japanische Zentralbank pumpte die Rekordsumme von sieben Billionen Yen (61,4 Milliarden Euro) in den Geldmarkt des Landes. Es war der erste Börsentag nach dem Erdbeben und dem anschließendem Tsunami vom Freitag.

+++ Experten hoffen auf den Zeitfaktor +++

[0.40 Uhr] Wie ist die Lage an den Sorgen-Reaktoren in Fukushima? Derzeit kann das nach Ansicht von Experten wohl niemand seriös beantworten, berichtet Reuters. Für eine Entwarnung sei es jedenfalls definitiv zu früh. Je länger der Betreiber die Notkühlung durch Meerwasser aufrecht erhalten kann, desto größer würde die Aussicht, eine nukleare Katastrophe abwenden zu können, zitiert die Nachrichtenagentur Mark Hibbs vom Carnegie Endowment for International Peace. Ähnlich äußerte sich auch Atomexperte Richard Wakeford von der Universität von Manchester.

Welle flutet Krankenhaus in Minamisariku

+++ Das geflutete Krankenhaus von Minamisariku +++

[0.27 Uhr] Ein Arzt aus einem Krankenhaus in der Stadt Minamisariku berichtet dem japanischen Sender NHK von dramatischen Szenen während des Tsunamis am Freitag. Die Wassermassen fluteten das fünfstöckige Gebäude demnach bis zur vierten Etage. Das Personal habe die Patienten aus dem vierten Stock und ein Drittel der Patienten aus dem dritten Stock retten können, die übrigen seien in den Fluten verschwunden. Insgesamt seien hundert Patienten in dem Gebäude untergebracht gewesen.

+++ Augenzeuge berichtet aus der Sperrzone um Fukushima +++

[23.54 Uhr] Der Unternehmer und frühere Journalist Yasumitsu Yamada ist bis auf wenige Kilometer an das schwer beschädigte Kernkraftwerk Fukushima Eins herangekommen. "Polizei hat mich nicht zurückgehalten. Es gab keine Straßensperren, wie es im Fernsehen verkündet wurde", erzählte er der Nachrichtenagentur dpa. Yamada berichtet, er habe viele Menschen gesehen, die in Turnhallen und Schulen geflüchtet seien. Sie seien verstört und besorgt. Wenn man sie auf die Situation anspreche, fingen viele Mütter an zu weinen. Der Busverkehr sei gestoppt. Ein privater Fahrer habe ihn für umgerechnet etwa 150 Euro die letzten 15 Kilometer bis kurz vors Kraftwerk in den Ort Otemachi gebracht. Es seien viele Krankenwagen und Polizeiwagen in die offiziell gesperrte Zone hinein- und hinausgefahren.

Es gebe in der Gegend wie in vielen anderen Gebieten kein Benzin mehr. Am Flughafen in Fukushima hätten hunderte Leute für Flüge angestanden. "Die Schlangen waren enorm", berichtet der 44-Jährige. Innerhalb der 20-Kilometer-Evakuierungszone bleiben seinen Aussagen zufolge vorwiegend alte Menschen, die nicht flüchten wollen.

+++ Strahlungswerte bei AKW Fukushima 1 noch immer zu hoch +++

[23.47 Uhr] Der Betreiber des havarierten Atomkraftwerks Fukushima 1 hat laut der Nachrichtenagentur Kyodo abermals schlechte Nachrichten an die Regierung gemeldet: Die radioaktive Strahlung übersteigt laut Tepco auch am Montagmorgen Ortszeit noch immer die gesetzlich geregelte Höchstmenge. Techniker in Fukushima versuchen seit Samstag, eine Kernschmelze in mehreren Reaktoren zu vermeiden. Regierungsbeamte versicherten am Sonntag, von den Strahlungswerten gehe keine Gefahr für die Bevölkerung aus. Bewohner im Umkreis von 20 Kilometern rund um die beiden AKW in Fukushima wurden in Sicherheit gebracht.

+++ Energieversorger verschiebt geplante Stromsperre +++

[23.35 Uhr] Die angekündigten Stromsparmaßnahmen für den Nordosten Japans sind verschoben. Wie der Energieversorger Tepco mitteilte, hätte eigentlch in einigen Regionen ab 6.20 Uhr (Ortszeit) der Strom abgestellt werden sollen. Damit wollte das Unternehmen einer drohenden Energieunterversorgung im ganzen Land entgegenwirken. Nun soll dies, wenn überhaupt, frühestens um 10 Uhr geschehen. Als Grund für die Verschiebung gibt Tepco an, der Bedarf am frühen Montagmorgen sei bisher geringer, als vorher angenommen.

+++ Meteorologen sagen Westwind voraus +++

[22.52 Uhr] In der Region um die Kernkraftwerke Fukushima wird der Wind nach Angaben japanischer Meteorologen in der Nacht auf West drehen, so dass etwaige nuklear belastete Wolken auf den Ozean geblasen werden.

+++ IAEA: Japan gibt für AKW Onagawa Entwarnung +++

[22.46 Uhr] Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA zitiert japanische Behörden mit der Aussage, die radioaktive Strahlung um das gefährdete Atomkraftwerk Onagawa sei wieder auf normalem Niveau. Zwischenzeitlich waren die Werte stark erhöht gewesen, die Behörden hatten dort deswegen den nuklearen Notfall der niedrigsten Stufe ausgerufen. Die neuen Untersuchungen hätten ergeben, dass aus keinem der drei Reaktoren Strahlung ausgetreten sei. Die erhöhte Strahlung stamme wohl vom Kraftwerk Fukushima.

+++ Forscher messen Absinken einiger Erdbebenregionen +++

[22.25 Uhr] Schätzungen japanischer Erdbebenforscher zufolge haben die Erdstöße dazu geführt, dass einige Regionen um bis zu 75 Zentimeter abgesunken sind. Betroffen ist der Bereich von Iwate bis zur Präfektur Fukushima. Außerdem soll durch das Beben die tektonische Platte, auf der Japan liegt, ganze 20 Meter ostwärts gesprungen sein, zitiert die BBC den japanischen Fernsehsender NHK.

+++ US-Experte kritisiert Fehlplanungen an Kraftwerken +++

[21.16 Uhr] Haben vermeidbare Planungsfehler zu der Katastrophe um die japanischen AKW beigetragen? Diese These vertritt Peter Yanev, Experte für die Erdbebensicherheit von Kraftwerken, in der "New York Times". Die Schutzwälle an den beschädigten Anlagen seien unterdimensioniert gewesen, so Yanev: "Die Dieselgeneratoren für das Kühlsystem waren an einem tiefer gelegenen Ort aufgebaut, weil man davon ausging, dass die Schutzwälle hoch genug seien. Das war eine fatale Fehlkalkulation." Durch den Ausfall der Kühlelemente als Folge des Tsunamis kam es zur Überhitzung der Reaktoren.

+++ Beben macht mehr als halbe Million Menschen obdachlos +++

[20.54 Uhr] In den japanischen Katastrophenregionen mussten bisher etwa 530.000 Menschen ihre Wohnungen und Häuser verlassen, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. Rund 450.000 sind durch das Beben und den Tsunami obdachlos geworden. Weitere 80.000 mussten ihre Unterkünfte verlassen, als die Behörden die Sicherheitszone um die havarierten Kernkraftwerke in Fukushima auf 20 Kilometer ausgedehnt haben.

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Tsunami-Folgen: Kernschmelze in Fukushima

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+++ USA erwarten keine radioaktive Belastung +++

[20.43 Uhr] Entwarnung für die USA: Die Atomaufsichtsbehörde des Landes geht davon aus, dass auf das Land keine gesundheitsschädliche radioaktive Belastung aus Japan zukommt. "Es deutet alles darauf hin, dass die geringen Emissionen aus dem Kraftwerk Fukushima durch die Wetterbedingungen von der Bevölkerung weggetragen werden. Daher gehen wir nicht von einer Bedrohung für die USA aus", hieß es in einer Stellungnahme der Behörde. Dies gelte auch für Alaska und die Inselgruppe Hawaii im Pazifischen Ozean.

+++ Japans Autobauer stellen Produktion vorerst komplett ein +++

[20.32 Uhr] Die Autokonzerne Toyota, Nissan und Honda stellen ab Montag ihre Produktion auf unbestimmte Zeit ein, wie BBC berichtet. Toyota betreibt zwölf Fabriken in Japan, Nissan drei. Honda teilte mit, es sei eine Produktion von 4000 Fahrzeugen pro Tag von der Entscheidung betroffen.

+++ Retter arbeiten sich in Katastrophengebiet vor +++

[20.13 Uhr] In der Region Tohoku im Nordosten Japans sind Tausende Menschen noch immer von jeder Hilfe abgeschnitten. Rettungskräfte versuchen nun, in das Katastrophengebiet vorzudringen, kommen aber vielerorts wegen überschwemmter und unterspülter Straßen nicht voran. Nach Angaben des japanischen Fernsehsenders NHK warten in der Präfektur Miyagi viele Überlebende auf Unterstützung, in der Stadt Kesenuma seien es 3400 Menschen, in Minamisanriku 2300 und in Ishinomaki 3800. In der Stadt Souma in der Präfektur Fukushima ist noch eine unbekannte Anzahl von Menschen in ihren Häusern gefangen.

+++ "Es ist die Hölle" +++

[20.01 Uhr] Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo hat mit Überlebenden aus dem Katastrophengebiet gesprochen. In der Stadt Minamisanriku ist eine 60-Jährige in einer Notunterkunft untergekommen. "Es ist die Hölle", berichtet sie. "Ich kann gar nicht darüber nachdenken, wie es morgen weitergehen soll. Im Moment kann ich mir nur Gedanken darüber machen, wie ich über den Tag komme."

+++ Opferzahl steigt weiter +++

[19.32 Uhr] Die japanischen Behörden identifizierten bislang 1597 Opfer, 1481 Menschen gelten nach Angaben der nationalen Polizeiagentur offiziell noch als vermisst. Nicht in diese Zahlen eingeschlossen sind 200 bis 300 Opfer, die an der Küste der Präfektur Miyagi gefunden wurden. Der Polizeichef der Präfektur warnte vor weit höheren Opferzahlen, da man immer noch keinen Kontakt mit mehr als 10.000 Einwohnern habe.

+++ Wirtschaftsweiser: Entwarnung für die Weltwirtschaft +++

[19.17 Uhr] Der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, hat trotz des folgenreichen Unglücks in Japan Entwarnung für die Weltwirtschaft wie auch für die deutsche Wirtschaft gegeben. Einige deutsche Unternehmen könne es allerdings temporär hart treffen, wenn sie sehr stark in Japan engagiert seien. Eine indirekte Wirkung könne zudem von Drittlandeffekten ausgehen: "Länder, deren Exportanteil nach Japan sehr hoch ist und die demzufolge zumindest kurzfristig in Mitleidenschaft gezogen werden, können ihre Importe aus Deutschland zeitweilig zurückfahren."

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Karten: Betroffene Ostküste, Fukushima im Überblick

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+++ Deutsche Kerntechniker reisen aus +++

[18.56 Uhr] Die zehn deutschen Kerntechniker, die sich während des Erdbebens im havarierten Atommeiler Fukushima aufgehalten hatten, sind wohlauf und werden am Montag in Deutschland erwartet. Wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes mitteilte, sollten die Fachleute noch am Sonntag vom Flughafen Tokio ausreisen. Die deutsche Botschaft sei dabei behilflich. Am Montag solle es eine Pressekonferenz geben, auf dem sich mindestens einer der Betroffenen äußern werde.

+++ "Jeder deutsche Reaktor ist besser als Fukushima" +++

[18.42 Uhr] Die Kernenergiebranche warnt vor übereilten Schlussfolgerungen: "Jeder deutsche Reaktor ist auf jeden Fall besser ausgerüstet als der in Fukushima", sagte der Präsident des Deutschen Atomforums dem "Handelsblatt". Eine Verkettung solcher außergewöhnlichen Naturkatastrophen wie in Japan sei für Deutschland nicht vorstellbar. Die deutschen Reaktoren seien "auf alle möglichen Einwirkungen von außen ausgelegt, beispielsweise auf Erdbeben und Überflutungen". Man sei "jeweils weit über das hinausgegangen, was notwendig ist, um den Einflüssen standzuhalten".

Sorge um ausfallende Kühlsysteme in drei Atomkraftwerken

+++ Tokai-Betreiber: "Kühlsysteme und Pumpen arbeiten gut" +++

[18.30 Uhr] Der Betreiber des AKW Tokai, dessen Kühlsystem zum Teil ausgefallen ist, wehrt jede Panik ab: Eine Kühlpumpe sei ausgefallen, eine Zusatzpumpe arbeite jedoch und kühle den Reaktor, sagte Masao Nakano vom Betreiber Japan Atomic Power Company. "Unsere Meereswasserpumpe, die durch einen Dieselgenerator angetrieben wird, ist wegen des Tunamis ausgefallen, worauf wir eines unserer Kühlsysteme manuell ausgeschaltet haben." Und: "Die anderen Kühlsysteme und Pumpen arbeiten gut, und die Temperatur des Reaktors ist nach und nach immer weiter gesunken."

+++ 50 Millionen Dollar Tsunami-Schäden in Kalifornien +++

[18.25 Uhr] In Kalifornien hat der Tsunami Schäden in Höhe von mindestens 50 Millionen Dollar (rund 36 Millionen Euro) angerichtet, sagte eine Geologie-Professorin der "Los Angeles Times" und kündigte an: "Das wird noch steigen." Die schwersten Schäden richteten die Flutwellen in den Häfen von Crescent City und Santa Cruz an.

+++ "The Japan Times": Gebäude erdbebensicherer machen +++

[18.18 Uhr] Die japanische Zeitung "The Japan Times" aus Tokio fordert nach dem verheerenden Beben noch mehr Anstrengungen im Katastrophenschutz: Die Katastrophe diene als "entsetzliche Mahnung". "Die Regierung sollte sich auch beeilen, Projekte fertigzustellen, wie den Bau oder die Renovierung von Schulgebäuden, um sie erdbebensicherer zu machen. Privatleute sollten ihrerseits ihre Notrationen an Lebensmitteln und Wasser aufstocken und sicherstellen, dass schwerer Hausrat festgezurrt ist, um Verletzungen zu vermeiden."

+++ US-Senator fordert "Pause" beim Bau neuer AKW +++

[18.05 Uhr] US-Senator Joe Lieberman hat beim Bau neuer Kernkraftwerke in den USA eine "Pause" gefordert, sprach sich aber für eine weitere Nutzung der Atomenergie in den USA aus: "Sie ist nicht importiert, sie gehört uns und sie ist sauber", sagte er dem US-Sender CBS. Zudem hätten die USA bei der AKW-Sicherheit eine "gute Bilanz" vorzuweisen.

+++ Tokai-Betreiber: AKW ausreichend gekühlt +++

[17.58 Uhr] Nach dem gemeldeten Ausfall des Kühlsystems im AKW Tokai meldet sich nun der Betreiber Japan Atomic Power zu Wort und versucht zu beschwichtigen: Der Reaktor 2 werde trotz des Ausfalls von zwei Dieselgeneratoren durch den funktionierenden dritten Generator ausreichend gekühlt.

+++ Japan: AKW Onagawa niedrigste Notfallstufe +++

[17.53 Uhr] Der Betreiber des AKW Onagawa in Japan hat nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) die niedrigste Notfallstufe ausgerufen. "Die Warnung wurde ausgesprochen, nachdem Radioaktivitätsmessungen in der Umgebung des Kraftwerks die zulässigen Werte überschritten hatten", teilte die IAEA unter Berufung auf Behörden mit. Diese untersuchten nun die Ursache für die radioaktive Strahlung. Der Notfall sei vom Unternehmen Tohoku Electric Power berichtet worden. "Die Behörden haben die IAEA darüber informiert, dass die drei Reaktoreinheiten des Kernkraftwerks Onagawa unter Kontrolle seien."

+++ Greenpeace: "Unverantwortliche Informationspolitik" +++

[17.43 Uhr] Greenpeace hat der japanischen Regierung vorgeworfen, entscheidende Details zum Atomunfall zu verschweigen und so die Menschen massiv zu gefährden. "Es ist unverantwortlich, wie die japanische Regierung und die Betreibergesellschaft dort ihre Informationspolitik betreiben", sagte ein Sprecher. Die AKW seien abgesperrt, es gebe keine unabhängigen Messungen der ausgetretenen Radioaktivität und "keine Berichte der Regierung und der Betreibergesellschaft, denen man trauen kann". Er betonte: "Es muss den Menschen die Möglichkeit gegeben werden, geordnet aus der Gefahrenzone zu kommen."

+++ "Situation auf der Kippe" +++

[17.31 Uhr] Japan steht nach Meinung des Nuklearexperten Wolfgang Renneberg vor einem Super-GAU, wenn im Atomkomplex Fukushima nicht rasch die Probleme mit der Kühlung gelöst werden. Brennstäbe drohen zu zerschmelzen und mehrere Reaktorbehälter könnten durch Hitze, Druck, Gase und gestiegene Radioaktivität zerstört werden. "Das ist im Augenblick eine Situation auf der Kippe", sagte der langjährige Leiter der Abteilung für Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium.

+++ Kühlsystem in drittem AKW ausgefallen +++

[17.13 Uhr] In einem dritten Atomkraftwerk in Japan ist das Kühlsystem ausgefallen, berichtet die Agentur Kyodo unter Berufung auf die Feuerwehr. Es handelt sich um das AKW Tokai an der Ostküste südlich von Fukushima in der Präfektur Ibaraki. Im Reaktor 2 hat eine Pumpe des Kühlsystems die Arbeit eingestellt. Die Anlage befindet sich 120 Kilometer nördlich von Tokio und wurde noch am Freitag nach dem Beben automatisch abgeschaltet. Im September 1995 gab es in dem Kraftwerk schon einmal einen Störfall, bei dem drei Arbeiter durch radioaktive Verseuchung ums Leben kamen. Das Verstrahlungsniveau hatte bis zu 20.000 Mal über dem normalen Wert gelegen. Das Tokai 2 Kraftwerk ist seit 1978 in Betrieb. Es wird von der Japan Atomic Power Company betrieben.

Die Stufen der INES-Skala

+++ Block 2 von Fukushima wieder normal gekühlt +++

[17.11 Uhr] Der Reaktor 2 des AKW Fukushima 1 wird mit funktionierendem Notsystem gekühlt, während in die Reaktoren 1 und 3 Meerwasser eingeleitet wird. Das teilte die japanische Atomaufsichtsbehörde NISA (Nuclear and Industrial Safety Agency) mit. Derzeit werde Süßwasser über das normale Kernnotkühlsystem (RCIC - Reactor Core Isloation Cooling) in den Reaktor 2 eingespeist. In dem Meiler war zuvor auch der Druck angestiegen. Bei den gleichfalls von Ausfällen des Kühlsystems betroffenen Reaktoren 1, 2 und 4 des Kernkraftwerks Fukushima 2 seien die Vorbereitungen zum Ablassen von Dampf abgeschlossen, sagte eine Mitarbeiterin der Behörde.

600.000 Menschen gerettet

+++ Japan schließt Steuererhöhungen aus +++

[16.53 Uhr] Das hochverschuldete Japan will den Wiederaufbau ohne Steuererhöhungen stemmen, wie Premierminister Naoto Kan erklärte. Er erwartet, dass Japan nun einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben werde wie die Vereinigten Staaten unter dem "New Deal" von Präsident Roosevelt in den dreißiger Jahren. Das Erdbeben werde schon bald durch den Wiederaufbau in den betroffenen Regionen große Nachfrage schaffen. Er forderte die Bevölkerung auf, die Wirtschaftslage weniger pessimistisch zu sehen.

+++ Bundesweit Mahnwachen geplant +++

[16.40 Uhr] Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) hat für Montagabend um 18 Uhr zu Kundgebungen aufgerufen: Die Umweltschützer riefen dazu auf, spontan eigene Mahnwachen auf öffentlichen Plätzen oder vor Atomkonzernen zu bilden. Der BBU fordert die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen weltweit und ein Exportverbot für Uran aus Deutschland. Auch in anderen Ländern könnten Naturkatastrophen massive Schäden an Atomanlagen verursachen. Ursprünglich aufgerufen zu der Aktion hat die Anti-Atom-Kampagne "Ausgestrahlt".

+++ Dena-Chef: Rückkehr zum Atomausstieg +++

[16.27 Uhr] Der Chef der halbstaatlichen Deutschen Energie-Agentur (Dena), Stephan Kohler, hat als Konsequenz aus der Atomkatastrophe in Japan die Rückkehr zum Atomausstieg gefordert. "Deutschland sollte wieder auf diesen Pfad einschwenken und die Kernkraftwerke wie im Atomausstiegsbeschluss vorgesehen abschalten", sagte Kohler dem "Handelsblatt". Zudem sollten in Deutschland die Reaktoren abgeschaltet werden, die vom Anlagentyp mit der japanischen Anlage Fukushima 1 vergleichbar sind: "Die sechs Siedewasser-Reaktoren, die in Deutschland noch laufen, müssen sofort vom Netz." Die Notstromversorgung, die in Japan versagt hat, sei eine Achillesferse für Atomkraftwerke aller Bauarten.

+++ Atomkraftgegner protestieren in Gorleben +++

[16.20 Uhr] Mehrere hundert Kernkraftgegner haben im niedersächsischen Gorleben für einen Atomausstieg demonstriert. Zunächst hätten rund 30 Traktoren die Zufahrt zu dem Lager verstellt, anschließend hätten über 400 Demonstranten das Gelände vorübergehend besetzt, erklärte der Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. Die Polizei sprach von mehr als 200 Teilnehmern.

+++ IAEA bietet Japan erneut Hilfe an +++

[16.14 Uhr] Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA hat Japan erneut ihre Hilfe bei dem Umgang mit den Folgen des Erdbebens und des Tsunamis angeboten. Es gebe eine spezielle IAEA-Einheit, die Mitgliedstaaten in Krisensituationen helfen könne. Das Reaktions- und Hilfsnetzwerk RANET bestehe aus Staaten, die im Falle eines nuklearen Notfalls spezielle Hilfe leisten könnten, die von der IAEA koordiniert werde. Die IAEA kann bei Atomunfällen nur aktiv werden, wenn sie der betroffene Staat darum bittet.

+++ Keine Kühlungsprobleme in AKW Onagawa +++

[16.02 Uhr] Der Anstieg der Radioaktivität im Atomkraftwerk Onagawa ist einer japanischen Agentur zufolge Ergebnis des Lecks im Kraftwerk Fukushima. Die Betreibergesellschaft Tohoku sehe keine Probleme bei der Kühlung von Onagawa, heißt es.

+++ 600.000 Menschen gerettet +++

[15.54 Uhr] Inzwischen sind fast 600.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Dies teilte das Uno-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) mit. Etwa 380.000 Japaner kamen in 2000 Notunterkünften unter. Hinzu kämen etwa 210.000 Menschen, die in der Nähe des Atomkraftwerks Fukushima 1 wohnten.

+++ Deutsche aus Sendai auf dem Rückweg +++

[15.46 Uhr] Das Auswärtige Amt habe Kontakt zu der Hälfte der etwa hundert Deutschen, die sich derzeit in Japan befinden, sagte Außenminister Guido Westerwelle. Es sei unklar, ob sich die Deutschen, zu denen noch kein Kontakt besteht, zum Zeitpunkt der Katastrophe überhaupt in der Region befunden hätten. Es handele sich zumeist um deutsch-japanische Familien. Die deutschen Stellen vor Ort seien weiter bemüht, den Kontakt herzustellen. Die Lage sei jedoch unübersichtlich, daher sei eine endgültige Einschätzung noch nicht möglich. Bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass unter den Opfern des Bebens Deutsche seien. 25 deutsche Studenten, die sich in Sendai aufgehalten hatten, würden am Sonntagabend ausgeflogen werden. Die zehn Mitarbeiter eines AKW-Herstellers seien ebenfalls auf dem Weg, die Heimreise nach Deutschland noch am Sonntag anzutreten.

+++ Westerwelle: "Beunruhigung in Fukushima 2" +++

[15.41 Uhr] Die Lage in Japan bleibe "äußerst kritisch", sagte Außenminister Guido Westerwelle. Im Fall des AKW Fukushima 1 sprach er von "Entspannung und Beruhigung". Man könne die Informationen von der Regierung allerdings nur entgegennehmen, nicht selbst überprüfen. Was Fukushima 2 betreffe, gehe man eher "von einer weiteren Beunruhigung" aus.

Vulkan Shinmoedake spuckt Asche und Gestein

+++ Vulkan schleudert Gestein in die Luft +++

[15.34 Uhr] Im Südwesten Japans hat der Vulkan Shinmoedake Asche und Gestein in die Atmosphäre geschleudert. Die Asche sei dabei bis in eine Höhe von 4000 Metern gelangt, teilten die Behörden mit. Sie beschränkten zugleich den Zugang im Gebiet um den Vulkan. Der 1420 Meter hohe Shinmoedake war im Januar erstmals seit 52 Jahren wieder ausgebrochen, in den vergangenen zwei Wochen herrschte aber Ruhe.

+++ Erdbeben verursacht Milliardenschäden +++

[15.25 Uhr] Experten schätzen die Kosten des Erdbebens auf bis zu 34,6 Milliarden Dollar. Das berichtet BBC und beruft sich auf eine Risikoanalyse von AIR Worldwide. Die Schätzungen beinhalten nicht die Schäden durch den Tsunami. Deshalb werden die Kosten "wesentlich höher" ausfallen, sagen die Analysten.

+++ Gabriel: "Die ältesten AKW müssen vom Netz" +++

[15.20 Uhr] SPD-Parteichef Sigmar Gabriel forderte die Rücknahme der Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke. "Die ältesten deutschen Atomkraftwerke müssen vom Netz", sagte er am Sonntag im Willy-Brandt-Haus. Zum Teil seien das alte Siedewasserreaktoren wie in Japan. Die Katastrophe in Japan sei eingetreten, weil die Stromversorgung der Reaktoren ausgefallen sei. Es gebe auch in Deutschland denkbare Fälle, in denen die Stromversorgung zusammenbreche. Die Regierung müsse nun handeln. "Sonst ist das nur eine Beschwichtigung vor den Landtagswahlen", sagte Gabriel.

+++ Rund 200 Menschen fliehen auf AKW-Gelände +++

[15.14 Uhr] Rund 200 vom Tsunami betroffene Menschen hätten sich auf das Gelände des Kernkraftwerks Onagawa in Sicherheit gebracht, berichtet der öffentlich-rechtliche Sender NHK. Die Strahlungsintensität betrage innerhalb der Gebäude zehn Mikrosievert in der Stunde und stelle keine unmittelbare Gefahr dar. Außerhalb der Anlage wurden 21 Mikrosievert gemessen.

+++ Trittin: Deutsche AKW nicht nachrüstbar +++

[15.11 Uhr] Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hat die Ankündigung der Bundesregierung kritisiert, die Sicherheitsstandards deutscher Atomkraftwerke zu überprüfen. "Es ist eine zweideutige Botschaft, auf der einen Seite zu behaupten, deutsche Anlagen seien sicher, auf der anderen Seite eine Überprüfung anzukündigen, wie es die Kanzlerin tat", sagte Trittin und forderte erneut einen raschen Atomausstieg. "Kein Reaktor der Welt, auch keiner in Deutschland, ist für den Fall einer Kernschmelze ausgelegt."

+++ Bayern will AKW-Sicherheit prüfen +++

[15.06 Uhr] Bayern will grundsätzlich die Sicherheit der Kernkraftwerke überprüfen. "Es ist ein so fundamentales Ereignis, dass wir wirklich alles hinterfragen müssen", sagte Landesumweltminister Markus Söder und wehrte sich gegen den Vorwurf, die Gefahren unterschätzt zu haben. "Eine solche Katastrophe konnte keiner vorhersehen. Die Natur schreibt ein anderes Drehbuch als der Mensch." Der Umstieg auf erneuerbare Energien müsse nun beschleunigt werden.

+++ Notstand im AKW Onagawa +++

[14.59 Uhr] In Japan haben die Behörden den nuklearen Notstand in einem weiteren Atomkraftwerk ausgerufen. Für das Kraftwerk Onagawa sei wegen überhöhter Werte von Radioaktivität die niedrigste Notstandsstufe erklärt worden, teilte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) am Sonntag in Wien mit. Japan hatte nach dem schweren Erdbeben vom Freitag zunächst einen Unfall im Kernkraftwerk Fukushima 1 gemeldet, wo die Regierung mittlerweile eine Kernschmelze in zwei Reaktoren befürchtet.

+++ Naoto Kan: Lage in Fukushima alarmierend +++

[14.55 Uhr] Japans Ministerpräsident Naoto Kan sieht sein Land vor einer historischen Notlage: Er bezeichnete die Katastrophe - auch im Blick auf die Atomkraftwerke - als schlimmste Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Zur Überwindung der Krise komme es nun auf jeden einzelnen Japaner an. "Wir haben keine Wahl, als mit dieser Situation umzugehen und müssen davon ausgehen, dass die Opferzahl in den Zehntausenden liegen wird", sagte Naoto Takeuchi, der Polizeichef der am stärksten betroffenen Präfektur Miyagi.

+++ Ansturm: Tepco-Website zusammengebrochen +++

[14.45 Uhr] Das Energieunternehmen Tepco, das auch die havarierten Reaktoren betreibt, veröffentlichte auf seiner Web-Seite einen Zeitplan für die angekündigten Stromsperren in Japans Regionen. Prompt brach die Unternehmens-Website unter dem Ansturm der Informationssuchenden zusammen.

+++ Kein Kontakt zu 10.000 Meschen +++

[14.43 Uhr] Die Agentur Kyodo meldet, dass es bislang keinen Kontakt zu etwa 10.000 Menschen in der Präfektur Miyagi, Higashi Matsushima, gibt. Zudem werden sich die Einschränkungen in der Stromversorgung voraussichtlich bis Ende April hinziehen, meldet Kyodo.

+++ "Fahrt vorsichtig!" +++

[14.37 Uhr] Die Stromsperren dürften in japanischen Großstädten in mehr als einer Hinsicht für zusätzliches Chaos sorgen. Wie der TV-Sender NHK meldete, werden etwa in Tokio während der geplanten Abschaltungen auch die Verkehrsampeln außer Betrieb sein. "Fahrt vorsichtig!", kommentierte das Stadtmagazin Time Out Tokyo via Twitter.

+++ Zehn deutsche Areva-Mitarbeiter während Bebens in Fukushima +++

[14.36 Uhr] Zehn deutschen Mitarbeitern des Kernkraftwerksherstellers Areva, die während des Erdbebens auf dem Gelände des AKW Fukushima waren, soll es gut gehen. "Wir hatten Kontakt mit den Mitarbeitern. Sie sind alle wohlauf und gesund", sagte ein Sprecher am Sonntag. Sie hätten unmittelbar nach dem Beben am Freitagabend die Anlage verlassen und seien im Hinterland in Sicherheit gebracht worden. Nun sollten sie möglichst bald nach Deutschland zurückkehren. Die Areva-Mitarbeiter hätten sich im Zusammenhang mit Materialprüfungen in einem abgeschalteten Block von Fukushima aufgehalten. "Sie waren vor Ort, um sich bestimmte Technologien durch den Kunden zertifizieren zu lassen."

+++ "Schlimmer als in Tschernobyl" +++

[14.24 Uhr] Nach Ansicht des Strahlenbiologen Edmund Lengfelder vom Otto-Hug-Strahleninstitut in München könnten die Folgen noch schlimmer werden als vor 25 Jahren in Tschernobyl. Zwar sei der Ablauf der Katastrophe unterschiedlich, aber Japan sei zwei- bis dreimal so dicht besiedelt wie die Umgebung des ukrainischen Unglücksreaktors: "Ich gehe davon aus, dass es schlimmer wird als in Tschernobyl."

+++ Stromsperre auch in Tokio +++

[14.06 Uhr] Nach dem schweren Erdbeben in Japan wird in der Hauptstadt Tokio die Elektrizität rationiert. Dabei werde es vorübergehend zu vollständigen Stromausfällen kommen, teilte das Versorgungsunternehmen der Stadt mit. Zuvor hieß es, Tokio werde von den Stromsperren ausgenommen.

Möglicherweise Hunderte Deutsche unter den Opfern

+++ Schicksal von hundert Deutschen ungewiss +++

[13.43 Uhr] Unter den Opfern der Tsunami-Katastrophe in Japan sind möglicherweise auch Deutsche. Die Bundesregierung habe noch nicht zu allen in dem betroffenen Gebiet lebenden hundert Deutschen Kontakt aufnehmen können, sagte Außenminister Guido Westerwelle. Bisher gebe es aber keine konkreten Hinweise, dass Deutsche zu Schaden gekommen sind. "Ausschließen kann ich es in Anbetracht dieser enormen Naturkatastrophe natürlich nicht", fügte Westerwelle hinzu.

+++ Schockstopp für Japans Produktion +++

[13.32 Uhr] Ein schwerer Atomunfall, die Abschaltung mehrerer Kraftwerke, Produktionsausfälle bei Toyota, Nissan und Honda, verwüstete Infrastruktur - und ein noch nicht abzusehendes Ausmaß des Wiederaufbaus: Japans Wirtschaft dürfte massiv unter den Folgen des Bebens leiden, der ohnehin enorme Schuldenberg des Landes weiter wachsen. "Das Erdbeben wird beträchtliche Folgen für die wirtschaftliche Aktivität einer großen Zahl von Branchen haben", sagte Regierungssprecher Edano.

+++ Benzin geht aus +++

[13.12 Uhr] Die Benzinhersteller vermelden Probleme bei der Versorgung mit Benzin und Kerosin in den Katastrophengebieten. Der Seetransport ist nur noch eingeschränkt möglich, die drei Raffinerien im Nordosten sind außer Betrieb, schreiben japanische Medien. Aus den Reservetanks um Tokio wird nicht mehr ausgeliefert. Wegen weiträumiger Stromausfälle kann das Benzin teilweise nicht über die Tankstellen ausgegeben werden. In der verwüsteten Stadt Sendai wird kein Benzin mehr an Privatpersonen ausgegeben, es wird für Feuerwehr, Polizei und Rettungsfahrzeuge genutzt. Viele Menschen sitzen fest und schlafen im Auto.

+++ USA und Frankreich raten zur Ausreise +++

[13.04 Uhr] Frankreich hat seine Staatsbürger aufgerufen, Japan zu verlassen. Das Risiko schwerer Nachbeben sei zu groß, die Situation um das AKW Fukushima ungewiss. "Wir raten allen dringlichst, den Großraum Tokio zu verlassen und Ausreisepläne nicht zu verschieben", hieß es in einem Statement der französischen Botschaft. Von Reisen nach Japan sei unbedingt abzuraten. Deutschland hat eine Teilreisewarnung für Japan herausgegeben . Auch das US-Außenministerium warnte, Mitarbeiter von US-Behörden sollten alle nicht unbedingt notwendigen Reisen nach Japan verschieben. US-Bürger wurden aufgefordert, auf Urlaubsreisen und Besuche in dem Land vorerst zu verzichten.

+++ Fisch knapp und teuer +++

[12.50 Uhr] In Japan wird der Fisch knapp. Aufgrund der katastrophalen Schäden an den Fischereihäfen werdem starke Einschränkungen des Angebots sowie Preiserhöhungen für Fisch in Japan erwartet. Der Nordosten Japans sei für ungefähr 20 Prozent der Fischversorgung Japans verantwortlich. Die wichtigsten Fischereihäfen haben nach Einschätzung des Land- und Seewirtschaftsministeriums alle starke Schäden erlitten.

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Tsunami-Folgen: Kernschmelze in Fukushima

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+++ Energie wird rationiert +++

[12.42 Uhr] Die japanische Regierung kündigt Stromsperren an, weil die Energieversorgung mit den verbliebenen Kraftwerken offenbar nicht vollständig sichergestellt werden kann. Die Industrie werde ebenso Energie sparen müssen wie Privatleute, hieß es in einer Erklärung. In einigen Regionen soll morgen für eine gewisse Zeit der Strom abgestellt werden, um zu verhindern, dass in Großstädten wie Tokio unkoordinierte Stromausfälle passieren. Die Stromsperren sollen zeitlich begrenzt von einer Region zur nächsten wandern, so dass jede betroffene Region nur für einen begrenzten Zeitraum ohne Strom auskommen muss.

+++ "Schwerste Krise seit Zweitem Weltkrieg" +++

[12.38 Uhr] Erdbeben und Tsunami haben Japan nach Einschätzung der Regierung in die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg gestürzt. Zusammen mit den durch das Beben ausgelösten Unfällen in Atomkraftwerken sei dies "die schwerste Krise der vergangenen 65 Jahre", sagte Regierungschef Naoto Kan in Tokio.

+++ Druck in Reaktor 3 steigt +++

[12.19 Uhr] Die Kraftwerksbetreiber versuchen, eine Explosion in Block 3 zu verhindern. Auch hier bildet sich in Folge der freiliegenden Brennstäbe Wasserstoff. Wegen defekter Überdruckventile an dem Reaktor wissen die Techniker derzeit nicht, wieviel Wasser die Brennstäbe noch umgibt. Sicher ist nur: Der Druck steigt. In zwei Reaktoren war es zuvor höchstwahrscheinlich zu einer Kernschmelze gekommen. Block 1 und 3 des Kraftwerks werden mit Meerwasser gekühlt, nachdem die Brennstäbe wegen nicht funktionierender Kühlsysteme schon teilweise freilagen. Am Samstag war das Gebäude von Block 1 explodiert.

+++ 12.000 Menschen gerettet +++

[11.55 Uhr] Dem japanischen Premierminister Naoto Kan zufolge wurden bislang 12.000 Menschen aus den Katastrophengebieten gerettet.

+++ Viele Senioren unter den Opfern +++

[11.45 Uhr] Die Katastrophe hat vermutlich vor allem ältere Menschen überrascht: Die Polizeiämter veröffentlichen regelmäßig Namenslisten der Todesopfer, auf ihnen findet sich derzeit ein großer Anteil älterer Menschen. Auf einer aktuellen Liste für Fukushima beträgt der Altersdurchschnitt 72 Jahre, nahezu zwei Drittel der erfassten Toten sind über 70 Jahre alt.

+++ Nudel-Pakete in Krisenregionen +++

[11.42 Uhr] Japans größter Fertignudelproduzent Nissin schickt eine Million Lebensmittelboxen in die Flüchtlingslager, dazu mobile Gasküchen und Trinkwasser. Insgesamt wurden dem Sender NHK zufolge bislang 310.000 Menschen registriert, die in den Lagern Zuflucht finden.

+++ Todeszahlen steigen weiter +++

[11.19 Uhr] Japans Polizei rechnet allein im Nordosten des Landes mit mehr als zehntausend Toten allein in der Region Miyagi - zu Zehntausenden Menschen suchen die Behörden bislang vergeblich Kontakt. Die Provinz lag dem Epizentrum am nächsten. Die Flutwellen haben in einigen Gegenden ganze Häuser und Autos fortgespült. Allein in der Ortschaft Higashimatsushima wurden bisher mehr als 200 Todesopfer entdeckt. An den Küsten der Provinzen Miyagi und Iwate wurden mehr als 600 Leichen gefunden, meldet die Agentur Kyodo. Knapp tausend Todesopfer wurden bislang geborgen.

+++ Steuererhöhungen für Notfallfonds? +++

[10.59 Uhr] Japanische Regierungs- und Oppositionsparteien wollen über vorübergehende Steuererhöhungen zur Bewältigung der Folgen des Bebens beraten. Die Japanische Zentralbank gibt 485 Millionen Euro an Soforthilfe frei.

Evakuierte kämpfen mit Erschöpfung und Krankheiten

+++ Erschöpfung und Krankheit bei den Evakuierten +++

[10.35 Uhr] Bei den Menschen, die aus dem Gebiet um Fukushima 1 evakuiert wurden, wächst die Sorge. Die Menschen wüssten nicht, was passiert, berichtet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Sie hätten Angst vor der radioaktiven Strahlung. Viele seien extrem erschöpft, manche bereits krank geworden. Medikamente würden benötigt. Helfer berichten, es gebe zu wenig warme Decken für die vielen Menschen - die Kälte mache ihnen zu schaffen. Die Regierung hat ein Gebiet im Radius von 20 Kilometern um das AKW evakuiert.

+++ Autowracks türmen sich +++

[10.26 Uhr] Tausend Importautos der Marke Mercedes wurden im Hafen Hitachinaka in der Präfektur Ibaragi ins Meer gespült, die Wracks türmen sich nun an den Docks auf.

+++ Tsunami-Entwarnung +++

[10.18 Uhr] Die Behörden haben die Tsunamiwarnung für den Nordosten Japans aufgehoben.

+++ Sendai brennt weiter +++

[10.15 Uhr] In der Stadt Sendai sind noch nicht alle Brände gelöscht, berichtet BBC-Reporter Nick Ravenscroft. Schlamm und Dreck seien überall. Aber die Menschen vor Ort hätten mit den Aufräumarbeiten begonnen, Wasser würde verteilt, ältere Menschen versorgt, so der Reporter. Die Anwohner hängen seinen Angaben zufolge Schilder auf, um herauszufinden, wer noch vermisst wird

+++ Autokonzerne halten Produktion an +++

[10.13 Uhr] Die japanischen Autobauer Toyota, Honda und Nissan wollen nach Angaben des japanischen Senders NHK an einigen Standorten ihre Produktion bis Montag unterbrechen. Honda hat demnach die Herstellung in zwei Präfekturen angehalten - benötigte Autoteile seien nicht lieferbar.

+++ Japanische Staatsbank pumpt Millionen in Krisengebiete +++

[10.09 Uhr] Die Bank of Japan gibt bekannt, 55 Milliarden Yen (umgerechnet etwa eine halbe Milliarde Euro) an Soforthilfe zur Verfügung zu stellen. Mehr als ein Dutzend Banken in Krisengebieten sollen die finanzielle Spritze zur Katastrophenbewältigung erhalten, schreibt die Agentur Kyodo.

+++ Telefon, Internet, Mobilfunk tot +++

[10.00 Uhr] Die japanischen Kommunikationskonzerne geben Hunderttausende durch das Erdbeben zerstörte Glasfaserkabel an, fast eine Million Telefonanschlüsse in den Präfekturen Iwate und Miyagi sind gekappt. Auch Mobilnetze und Internetverbindungen in weiten Teilen im Nordosten des Landes sind gestört.

+++ Lufthansa-Flug nach Nagoya annulliert +++

[9.43 Uhr] Die Maschinen zwischen Japan und Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt sollen am Sonntag weitgehend nach Plan fliegen. Ein Lufthansa-Flug nach Nagoya wurde annulliert, die anderen vier Maschinen nach Tokio und Osaka sollten wie geplant starten.

+++ Internationale Hilfe auf Hochtouren +++

[9.31 Uhr] In Japan sind Helferteams aus den USA und China angekommen, insgesamt haben mehr als 70 Staaten und internationale Organisationen dem Land ihre Unterstützung angeboten. Nach Angaben des japanischen Außenministeriums sind mehr als 150 Mitarbeiter der US-Entwicklungshilfe in der Präfektur Aomori eingetroffen, sie sollen Hilfe in der zerstörten Küstenstadt Ofunato leisten

+++ Minister warnt vor Energiekrise +++

[9.27 Uhr] In den Katastrophengebieten droht eine wochenlange Stromknappheit, warnte Industrieminister Banri Kaieda. Landesweit sind Schätzungen zufolge 5,5 Millionen Menschen vom Stromnetz abgeschnitten. Kaieda forderte vor allem Unternehmen auf, ihren Stromverbrauch auf das "strikte Minimum" zu reduzieren. Japan hat Russland um zusätzliche Lieferungen von Flüssigerdgas gebeten.

+++ Rettungswunder auf offener See +++

[9.23 Uhr] Die Zeitung "Yomiuri" beschreibt die spektakuläre Rettung eines 60-jährigen Mannes, der auf dem Dach seines eigenen Hauses bis 15 Kilometer vor die Küste von Fukushima ins Meer abgetrieben war. Ein Schiff der Marine entdeckte den winkenden Mann aus der Stadt Minamisoma und nahm ihn mittels Beiboot an Bord. Er ist wohlauf.

Zehntausend Tote befürchtet

+++ Sony lässt Radios verteilen +++

[9.11 Uhr] Der Sony-Konzern lässt in Nordostjapan 30.000 Radios verteilen, spendet umgerechnet 2,6 Millionen Euro. Japans Regierung hat 100.000 Soldaten in die Krisenregionen geschickt, einem kurzfristigen Hilfsfonds für die Erdbeben- und Tsunami-Opfer aber bislang eine Absage erteilt.

+++ Regierungssprecher dauerpräsent +++

[9.07 Uhr] Japans Regierungssprecher Edano äußert sich jetzt beinahe stündlich im Fernsehen zur Lage im Katastrophen-AKW Fukushima - hält sich mit konkreten Informationen aber bedeckt. In einer weiteren Pressekonferenz fordert er Helfer auf, zusammenzuarbeiten und Informationen auszutauschen, damit die "Anstrengungen den Bedürfnissen vor Ort entsprechen".

+++ Dramatische Lage in Miyagi +++

[8.54 Uhr] Die Präfektur Miyagi wurde besonders hart vom Tsunami getroffen - die Situation ist dramatisch. Der japanischen Zeitung "Yomiuri" zufolge warten 20.000 Menschen auf Rettung durch Helikopter. In der Stadt Motoyoshi wurden 14 Menschen lebendig begraben, mehr als 3200 sind nach wie vor isoliert. Am Flughafen von Sendai warten 2000 Menschen auf Hilfe, in der Stadt mehr als tausend, in dem Ort Watari am Pazifik harren 9000 Menschen aus. In der näheren Umgebung des Kraftwerks Onagawa - hier wurden erhöhte Strahlenwerte gemessen - sind 2000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. In Miyagi leben mehr als zwei Millionen Menschen.

+++ Premier schaltet Toshiba-Chef ein +++

[8.37 Uhr] Japans Ministerpräsident Naoto Kan hat den Konzernchef von Toshiba, Norio Sasaki, angewiesen, alle notwendigen Untersuchungen durchführen zu lassen, um die Lage in den kritischen Reaktoren aufzuklären. Toshiba ist der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge der Hersteller der Unglücksreaktoren im Kraftwerk Fukushima.

+++ Polizei rechnet mit 10.000 Toten in Miyagi +++

[8.20 Uhr] Japanische Behörden haben die Zahl der Toten deutlich erhöht. Der japanische Fernsehsender NHK berichtet unter Berufung auf Polizeiangaben, allein in der Katastrophenregion Miyagi seien möglicherweise 10.000 Menschen ums Leben gekommen, knapp tausend Leichen wurden bereits geborgen. Bislang waren die Behörden von etwa 2000 Toten ausgegangen - in der Stadt Minamisanriku in Miyagi galten 10.000 Menschen bisher lediglich als vermisst.

+++ Ungewöhnlich hohe Bebengefahr +++

[7.52 Uhr] Japans Meteorological Agency warnt vor weiteren Erschütterungen: In den kommenden drei Tagen könne es erneut zu starken Erdbeben kommen. Die Wahrscheinlichkeit für ein Nachbeben der Stärke 5 oder 6 liege bei 70 Prozent. Dies sei ungewöhnlich hoch.

+++ Drittem Reaktorgebäude droht Explosion +++

[7.44 Uhr] Die japanische Regierung gibt Details zu den Problemen in einem dritten Reaktor bekannt: Die Brennstäbe dort seien eine Zeit lang nicht von Wasser bedeckt gewesen, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Dabei sei es wohl zu einer teilweisen Kernschmelze gekommen. Es habe ein Problem mit den Wasserpumpen gegeben. Daraufhin sei gegen 9 Uhr am Morgen Meerwasser in den Reaktor geleitet worden. Wie schon im ersten Reaktor habe sich in dem Gebäude Wasserstoff angesammelt. Es seien Maßnahmen ergriffen worden, um eine Explosion zu verhindern. Ganz ausschließen könne man dies aber nicht. Um den Druck im Reaktor zu vermindern, sei Dampf abgelassen worden. Dabei sei radioaktive Strahlung ausgetreten. Dies sei geschehen, um Schlimmeres zu verhindern.

+++ Regierung: Keine Gesundheitsgefahr +++

[7.32 Uhr] Die japanische Regierung teilt mit, rund um Fukushima sei kurzzeitig um 13.44 Uhr Ortszeit ein Anstieg der radioaktiven Strahlung auf 1557 Mikrosievert gemessen worden. Dies sei dreimal so viel wie bei einer Röntgenaufnahme. Eine Stunde später habe die Strahlenintensität bei 184 Mikrosievert gelegen. Zur Zeit bestehe keine Gesundheitsgefahr durch radioaktive Strahlung, sagte Edano. Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtet von mittlerweile 19 Strahlenopfern. In der nordöstlichen japanischen Provinz Miyagi maßen Atomexperten eine 400 Mal höhere Radioaktivität als normal. Experten vermuten, dass der Wind Radioaktivität aus der Provinz Fukushima herübergeweht habe.

+++ Hungrige Opfer in Notunterkünften +++

[6.59 Uhr] Das Ausmaß der Zerstörung nach dem verheerenden Beben und dem anschließenden Tsunami ist gewaltig: Nachdem am Morgen 600 weitere Todesopfer an der Küste Japans gefunden wurden, gehen die Behörden inzwischen von bis zu 2000 Toten aus, fast 10.000 Menschen werden vermisst. Die Regierung verdoppelte die Zahl der Soldaten, die bei der Bergung der Opfer helfen sollen, von 51.000 auf 100.000. Zehntausende hungrige Erdbebenopfer versammelten sich in Notunterkünften. Mindestens eine Million Haushalte sind ohne Wasserversorgung. Viele Gebiete konnten von Rettungsmannschaften immer noch nicht erreicht werden. Rund 2,5 Millionen Haushalte sind ohne Strom. Zahlreiche Staaten sagten Japan Hilfe zu. Die USA haben bereits einen Flugzeugträger in Japan, ein zweiter ist unterwegs.

+++ Stärke des Bebens nach oben korrigiert +++

[6.51 Uhr] Die Stärke des Erdbebens vom Freitag in Japan ist von den örtlichen Behörden auf 9.0 nach oben korrigiert worden. Das teilte das Meteorologische Amt Japans mit. Es hatte die Stärke zuvor mit 8,9 angegeben. Die US-Erdbebenwarte maß eine Stärke von 8,9. Sie änderte ihre Angaben bislang nicht. Es ist das stärkste Beben, das seit Beginn der Messungen Ende des 19. Jahrhunderts in Japan registriert wurde und es war auch eines der stärksten weltweit. Ein starkes Nachbeben erschütterte am Sonntagmorgen den Großraum Tokio.

+++ Drei Reaktoren äußerst gefährdet +++

[6.49 Uhr] Techniker versuchen, die Reaktoren in den beschädigten Atomkraftwerken zu sichern, Experten pumpen Meerwasser in die Kühlsysteme der Brennstäbe. Die japanische Regierung sieht inzwischen Anzeichen für eine Kernschmelze in zwei Reaktoren von Fukushima 1. Regierungsprecher Yukio Edano sagte, sowohl bei Block 1 als auch bei Block 3 der Anlage bestehe die Möglichkeit, dass dieser Fall eingetreten sei. Bei einem dritten Reaktor sei das Kühlsystem ausgefallen. Insgesamt gibt es damit in drei Reaktoren des Kraftwerks Fukushima Störungen, deren Ausmaß noch ungewiss ist.

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Erdbeben und Tsunami: Japan in Trümmern

Foto: AP/ Kyodo

+++ Zehn Deutsche retten sich aus AKW +++

[6.32 Uhr] Zehn deutsche Energietechniker des Kraftwerkherstellers "Areva" haben der "Bild am Sonntag" zufolge während des Bebens auf dem Gelände des Unglücksreaktors gearbeitet. Das bestätigte ein Sprecher der Zeitung. "Sie haben das Kraftwerk nach dem Beben sofort verlassen und sind ins Landesinnere geflohen. Alle zehn sind gesund und wohlauf", sagte er. Die Techniker hätten in dem Reaktorblock 4, der schon vor dem Beben abgeschaltet worden war, Wartungsarbeiten durchgeführt.

+++ Hunderttausende evakuiert +++

[6.23 Uhr] Die Evakuierung des Gebiets rund um die beiden Atomkraftwerke in Fukushima betrifft inzwischen rund 200.000 Menschen. Wie die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) am späten Samstagabend mitteilte, werden die Gebiete im Umkreis von 20 Kilometern um das AKW Fukushima 1 und im Umkreis von zehn Kilometern um Fukushima 2 evakuiert. 170.000 Menschen seien bei dem ersten und 30 000 Menschen bei dem zweiten Atomkraftwerk betroffen. Die Evakuierung sei aber noch nicht beendet, hieß es.

+++ 19 Menschen verstrahlt +++

[6.16 Uhr] Nach dem Atomunfall in Japan sind in der Nähe des Kraftwerks Fukushima 19 Personen verstrahlt worden, meldet die Nachrichtenagentur Kyodo. Nach Angaben der japanischen Atomaufsichtsbehörde könnte die Zahl der Strahlenopfer bis zu 160 betragen. Bei neun Personen war bereits vermutet worden, dass sie der Strahlung ausgesetzt waren. Die Angaben stützen sich auf lokale Behörden.

jjc/amz/ffr/jok/dapd/AP/Reuters/AFP/dpa
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