Sonderverkauf beschädigter Ware Kaufhaus Åhléns zieht umstrittene Rabattaktion zurück

Das Kaufhaus, das vom Lkw-Anschlag in Stockholm betroffen war, wollte an diesem Sonntag wieder öffnen - mit einer Rabattaktion für beschädigte Ware. "Eine schlechte Idee", wie Åhléns nun feststellte.

Blumen vor dem Tatort in Stockholm
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Blumen vor dem Tatort in Stockholm


Nach dem Anschlag in Stockholm bleibt das Kaufhaus, in das der Lkw am Freitag gefahren war, am Sonntag geschlossen. Zuvor hatte Åhléns City am Samstagabend erklärt, Teile des Hauses wieder öffnen zu wollen. Mit der Ankündigung, durch Rauch beschädigte Waren zum halben Preis zu verkaufen, hatte das Kaufhaus aber heftige Kritik in den sozialen Medien auf sich gezogen.

Facebook-Nutzer nannten die Pläne geschmacklos. Deshalb zog Åhléns die Ankündigung am Sonntag zurück und will nun erst am Montag wieder öffnen. Das Kaufhaus entschuldigte sich auf seiner Facebook-Seite für "eine schlechte Entscheidung".

Man habe zeigen wollen, dass man bösen Kräften nicht die "Kontrolle über unsere Leben" überlassen dürfe. "Wir standen unter Druck und haben in einer Situation zu schnell reagiert, die für uns alle schrecklich und unwirklich ist", schrieb das Kaufhaus an seine Kunden. "Es ging nie darum, Geld mit dem äußerst tragischen Ereignis, das Stockholm getroffen hat, zu verdienen."

"Wir lassen die Dunkelheit niemals gewinnen"

Die Polizei in Stockholm ermittelt wegen Terrorverdachts gegen einen 39-jährigen Mann aus Usbekistan. Am Samstag wurde er nach Angaben seines Anwalts zum ersten Mal verhört. Zu einem möglichen Motiv des Verdächtigen äußerten sich die Ermittler bislang nicht. "Die Umstände weisen auf eine Absicht hin, unserer Bevölkerung zu schaden und für Angst und Schrecken zu sorgen", sagte Staatsanwalt Hans Ihrman am Samstag.

Der Täter hatte am Freitag einen Lastwagen in einer belebten Stockholmer Einkaufsstraße erst in eine Menschenmenge und dann in die Front eines Kaufhauses gesteuert. Dabei waren vier Menschen getötet und 15 verletzt worden.

Am Sonntag wollen sich Stockholmer auf einem zentralen Platz in der Stadt versammeln, um der Opfer des Anschlags zu gedenken - und um zu zeigen, dass sie keine Angst vor dem Terror haben. Für Montag kündigte Schwedens Regierungschef Stefan Löfven eine landesweite Schweigeminute an.

Zahlreiche Stockholmer und Touristen hatten am Samstag die Gegend rund um die Einkaufsstraße Drottninggatan besucht und Blumen niedergelegt. "Wir lassen die Dunkelheit niemals gewinnen", stand auf einem handgeschriebenen Zettel, der zwischen Blumen und leuchtenden Kerzen lag.

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Stockholm: Der Tag nach dem Anschlag

Am späten Abend hatte die Polizei die Absperrungen um den Tatort entfernt. Die Untersuchungen am Ort seien abgeschlossen, sagte eine Sprecherin. Die Ermittler untersuchen derweil einen verdächtigen Gegenstand, der auf dem Fahrersitz des Lkw gefunden worden war.

Die schwedische Polizei will nach der Tat weiter verstärkt Präsenz zeigen. Zehn Tage lang sollen außerdem alle Ausreisenden an den Grenzen kontrolliert werden. Man könne noch nicht ausschließen, dass mehrere Menschen an der Tat beteiligt gewesen seien, sagte Reichspolizeichef Dan Eliasson am Samstag. Offiziellen angaben zufolge wurden bislang sieben weitere Personen im Zusammenhang mit dem Attentat von der Polizei befragt.

Der verdächtige 39-Jährige war den Behörden seit dem Vorjahr namentlich bekannt. "Wir konnten keine Verbindungen zu extremistischen Milieus bestätigen", sagte Anders Thornberg von der schwedischen Sicherheitspolizei mit Blick auf die damaligen Untersuchungen.

wit/dpa/AP/Reuters

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