Tirade im Sektionssaal der Pathologie Universität in München will Mitarbeiterin wegen Coronavideo kündigen

Ein Video aus der Pathologie der LMU erregt Aufsehen: Eine Mitarbeiterin lässt sich darin über Coronamaßnahmen aus – nun hat sie Hausverbot erhalten.
Pathologisches Institut der LMU München (Archivbild): Wirbel um ein Video

Pathologisches Institut der LMU München (Archivbild): Wirbel um ein Video

Foto: Lajos-Eric Balogh / picture alliance / Lajos-Eric Balogh

Die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München hat eine Mitarbeiterin vom Dienst freigestellt: Sie hatte auf Instagram eine Aufnahme geteilt, in der sie sich unter anderem über verpflichtende, kostenpflichtige PCR-Tests für nicht geimpfte Universitäts- und Krankenhausmitarbeiter empört.

Man habe »mit größtem Befremden« von dem Video erfahren und distanziere sich »aufs Schärfste« von dem Inhalt, teilte die LMU auf ihrer Homepag e mit. Bei der Frau handelt es sich demnach um eine Mitarbeiterin des pathologischen Instituts der Medizinischen Fakultät.

In dem Video läuft sie durch den Sektionssaal und erklärt, »heftig angepisst« zu sein. Sie habe bei der Arbeit erfahren, dass »das Ministerium« eine Sonderregelung für Krankenhäuser und Universitäten getroffen habe. Es habe entschieden, »dass die ungeimpften Mitarbeiter einen PCR-Test nachweisen müssen, und den müssen sie selber bezahlen«. Diese angebliche Regelung bezeichnete sie als »komplett geisteskrank«. Man nehme in Kauf, dass die entsprechenden Mitarbeiter kündigen würden, weil sie die Tests nicht zahlen könnten oder wollten.

Zwar ist eine Impfpflicht  in Deutschland in der Debatte. Die von der Frau angesprochene Vorschrift existiert jedoch für Krankenhausbeschäftigte nicht: Es gebe »aktuell keine bundes- oder landesrechtliche Regelung, die eine PCR-Testpflicht für Krankenhausbeschäftigte sowie eine diesbezügliche Kostentragung durch die Beschäftigten vorsieht«, teilte ein Sprecher des Bayerischen Gesundheitsministeriums dem SPIEGEL mit.

Zu den Hochschulen schrieb das Wissenschaftsministerium auf Anfrage: Dort gelte »eine 3G-Plus-Regelung, wonach Beschäftigte, die nicht geimpft oder genesen sind, mit Kontakt zu Studierenden, Gästen und sonstigen Besuchern zweimal wöchentlich einen negativen PCR-Test nachweisen müssen«. Eine Kostenerstattung für die Beschäftigten sei nicht vorgesehen.

Die Filmende ist am Pathologischen Institut der Medizinischen Fakultät beschäftigt und hat laut einer Sprecherin der LMU keinen derartigen Kontakt, der zu einer PCR-Test-Pflicht führen würde. Auch die Frau selbst sagt in Ihrem Clip, sie sei nicht von den Maßnahmen betroffen.

Video wird in »Querdenker«-Szene geteilt

Des Weiteren behauptet die Mitarbeiterin, dass nicht die Pandemie das Hauptproblem für die aktuelle Situation sei: »Wir haben den Notstand in Deutschland nicht wegen Corona, sondern wegen dem Fachkräftemangel.« Nur eine Minderheit – drei von 22 – der Toten in den Leichenschränken sei an Corona gestorben. Ob man »alle dazu zwingen« wolle, sich impfen zu lassen, statt Kranken zu helfen, fragte sie.

Die LMU hat nun nach eigenen Angaben ein Hausverbot gegen die Mitarbeiterin ausgesprochen. »Eine fristlose Kündigung wird darüber hinaus auf den Weg gebracht«, heißt es in der Mitteilung weiter. »In der derzeitigen Lage kommt es auf die Umsicht und Rücksicht aller an, um kranken Menschen bestmöglich zu helfen und das stark belastete Personal im Gesundheitswesen zu unterstützen. Die Verbreitung von solchen Videos trägt dazu sicherlich nicht bei.«

Das Video der Mitarbeiterin scheint besonders in der sogenannten Querdenker-Szene auf große Resonanz zu stoßen. Auch »Babylon Berlin«-Star Volker Bruch, der mit der umstrittenen Videoaktion #allesdichtmachen im Frühjahr für Aufsehen sorgte, teilte das zu dem Clip gehörende Profil.

Unter dem Namen »Paragraph 32« habe sie eine »Bewegung« gestartet, sagte die Frau in dem Video. Die richtet sich offenbar gegen die Coronamaßnahmen.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Angaben zu den Regelungen an Universitäten ergänzt.

bbr