Zur Ausgabe
Artikel 30 / 129
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

VERBRECHEN Löwen-Falle

aus DER SPIEGEL 5/2002

Für Kriminalisten ist der Tatort eines Verbrechens wie eine Visitenkarte des Täters: Aus den Spuren ziehen sie Rückschlüsse auf seine Persönlichkeit. Mittlerweile hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Serientäter durch die Wahl ihrer Tatorte sogar Hinweise auf ihren Wohnort geben. Einerseits begeht ein Krimineller in unmittelbarer Nähe seiner Wohnung keine Verbrechen, weil er das Risiko fürchtet, erkannt zu werden. Andererseits entfernt er sich auch nicht weiter von zu Hause als notwendig, weil er sich gern auf vertrautem Terrain bewegt - auch Verbrecher treiben so wenig Aufwand wie nötig. Der kanadische Ex-Polizist Kim Rossmo, den unter anderem ein Buch über das Jagdverhalten afrikanischer Löwen zu seiner Idee des »Geoprofiling« inspirierte, hat seine Theorie inzwischen als Software-Programm »Rigel« auf den Markt gebracht: Die Reliefkarte, die der Computer aus der räumlichen Verteilung der Tatorte errechnet, lässt den Wohnort des Täters dort vermuten, wo das Profil am höchsten und am hellsten ist. Der Nutzen für die Praxis ist beachtlich: Sind fünf oder sechs Tatorte desselben Täters bekannt, lässt sich die Größe des Gebiets, in dem er wahrscheinlich wohnt, um mehr als 90 Prozent eingrenzen. Inzwischen wird Rossmos Software unter anderen vom FBI, von Scotland Yard und vom Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden eingesetzt.

Zur Ausgabe
Artikel 30 / 129
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.