London Theaterdecke stürzt während der Vorstellung ein

Unglück in einem Londoner Theater: Ein Teil der Decke des Apollo Theatre stürzte während einer Vorstellung ein. Knapp 90 Menschen wurden verletzt, darunter mehrere schwer. "Es ist ein Glück, dass es keine Toten gegeben hat", sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr.

AP

London - In London ist während einer Vorstellung ein Teil der Decke des Apollo-Theaters eingestürzt. Laut den Rettungskräften sollen vier Menschen schwer verletzt worden sein, sich aber nicht in Lebensgefahr befinden. 81 Zuschauer seien leicht verletzt und in drei umliegende Krankenhäuser gebracht worden. Alle zunächst eingeschlossenen Zuschauer sind befreit worden, die Suche wurde am späten Abend beendet.

Viele Besucher hätten wegen der herumfliegenden Steine, Gipsputz- und Holzteile Kopfverletzungen und Schnittwunden erlitten. "Es ist ein Glück, dass es keine Toten gegeben hat", sagte Nick Harding, Einsatzleiter der Feuerwehr, der BBC.

Der britische Premierminister David Cameron twitterte: "Ich werde regelmäßig über den aktuellen Stand informiert. Ich bin den Rettungskräften für ihren schnellen Einsatz dankbar."

Welcher Teil genau einstürzte und warum, war zunächst unklar. Laut Polizei soll es sich um das Dach handeln, Nachrichtenagenturen berichteten zunächst von einem Rang. Einige Theaterbesucher sagten, das gesamte Kuppeldach sei kollabiert und auf Zuschauer gefallen. Die BBC berichtete, dass der Deckenputz heruntergefallen sei und dabei Teile der Beleuchtung mitgerissen hätte.

Viele der insgesamt mehr als 700 Theaterbesucher berichteten von einem plötzlichen lauten Geräusch. Viele dachten zunächst, es sei Teil der Vorstellung. Steine und Gipsputz seien durch den Raum geflogen. Verletzte wurden vor Ort und in benachbarten Theatern von Sanitätern behandelt. Ein Nahverkehrsbus brachte die Verwundeten dann ins Krankenhaus.

Ein Zuschauer, der mit seiner Familie in der Vorstellung war, sagte, es sei "komplettes Chaos" im Theater ausgebrochen. "Zunächst dachten wir, es sei Teil der Show", sagte der Zuschauer dem TV-Sender Sky News, "dann traf mich etwas am Kopf." "In einem Moment brach das Dach zusammen", sagte ein anderer Zeuge der BBC. Ein weiterer Mann sagte: "Ich dachte, wir geraten in sehr, sehr große Gefahr."

Eine Zuschauerin sagte: "Das ganze Dach fiel auf die Leute vor uns. Wir waren durch den Rang über uns geschützt und rannten weg. Leute fingen an zu schreien." Viele Besucher seien von Kopf bis Fuß mit Staub bedeckt gewesen.

Die Polizei wurde um 20.15 Uhr Ortszeit benachrichtigt und war innerhalb weniger Minuten am Unglücksort. Das annähernd voll besetzte Apollo Theatre, in dem eine Vorstellung des Stücks "The Curious Incident of the Dog in the Night-Time" gezeigt wurde, sei sofort evakuiert worden. Viele Familien mit Kindern waren unter den Besuchern. Der Unglücksort im Londoner Westend an der Shaftesbury Avenue wurde weitgehend abgesperrt. Die Feuerwehr war mit acht Zügen und 50 Einsatzkräften zum Unglücksort geeilt.

Ein Gutachter des Bezirks Westminster war in der Nacht auf dem Weg zum Gebäude, um eine Strukturanalyse vorzunehmen. Der Ingenieur soll prüfen, ob das Theater einsturzgefährdet ist oder nicht.

Das Apollo wurde 1901 gebaut und hat 775 Plätze auf insgesamt vier Ebenen. 1932 wurde es grundlegend renoviert.

Vor knapp drei Wochen hatte es in Schottland ein schweres Unglück gegeben. In Glasgow war ein Helikopter auf ein Pub im Zentrum von Glasgow gestürzt. Bei dem Unfall waren neun Menschen ums Leben gekommen.

max/AP/AFP/dpa



insgesamt 11 Beiträge
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frank_w._abagnale 19.12.2013
1. Bausubstanz in UK.
Ich kenne das Theater. Ich war wiederholt dort zu Gast. Indes traue ich vielen Bauwerken in UK nicht. Vieles wirkt marode. So auch mein Eindruck vom Apollo-Theater. Das Bauaufsichtsrecht scheint ein anderes als hierzulande zu sein.
BettyB. 19.12.2013
2. Tragik
Trauer um die Opfer verbunden mit der Erinnerung an der Einsturz der Berliner "schwangere Auster" und der Hoffnung, dass Befürchtungen einiger Statiker hinsichtlich der Hamburger Philharmonie nicht wahr werden...
tweet4fun 19.12.2013
3. Schlimm!
Man kann nur hoffen, daß möglichst wenige Menschen zum Opfer wurden. Es ist traurig! Was mich allerdings gewaltig ärgert ist, daß schon im ersten Beitrag hier so ganz arrogant auf die eingebildete Superiorität deutscher Bauaufsichten hingewiesen wird. Das ist absolut fehl am Platze! Als ob in Deutschland noch nie Bauwerke eingestürzt sind! Von Sporthallen (falsch berechnete Schneelast) über das Dokumentenarchiv in Köln (falsche U-Bahnbau-Absicherung) bis hin zur Kongreßhalle in Berlin (Rost im Stahlbeton).
Ostwestfale 19.12.2013
4.
Zitat von frank_w._abagnaleIch kenne das Theater. Ich war wiederholt dort zu Gast. Indes traue ich vielen Bauwerken in UK nicht. Vieles wirkt marode. So auch mein Eindruck vom Apollo-Theater. Das Bauaufsichtsrecht scheint ein anderes als hierzulande zu sein.
Solche Reaktionen finde ich vorsichtig formuliert unpassend und auch irgendwie typisch deutsch.Sie tun ja geradezu so als würden in UK wöchentlich Gebäude einstürzen und als ob in Deutschland noch nie was vergleichbares passiert wäre...
danenffm 20.12.2013
5. Profitgier der Theaterbetreiber
Ich war sehr oft in verschiedenen Londoner Theatern. Es ist allen gemeinsam, dass viel zu viele extrem enge Sitze in dichten Reihen hineingequetscht werden, auch die Gänge (Fluchtkorridore) sind enger als in Deutschland, damit möglichst viele Sitze hineingehen. Die Theater wirkten oft sehr marode und man konnte im Rang beim Gehen Schwingungen des Bodens fühlen. Für mich war das absolut klar, dass dies passieren würde. Nach Kriterien deutscher Bauämter würden wahrscheinlich 90% der Theater dort schliessen müssen!
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