London Dutzende Verletzte nach U-Bahn-Unglück

Bei dem Unfall in der Londoner U-Bahn, bei dem mehrere Waggons eines Zugs aus den Schienen sprangen, sind mit 37 Betroffenen weitaus mehr Menschen verletzt worden, als zunächst angenommen. Die Polizei schließt einen Anschlag aber aus. In Glasgow durchsuchten Terrorfahnder ein Haus.


London - Britische Polizisten haben heute das Haus in der Nähe des Glasgower Flughafens durchsucht, in dem Zeitungsberichten zufolge Bomben für die drei Anschläge vom Wochenende hergestellt worden sind. Die Ermittler lehnten Angaben zur Identität der Verdächtigen ab. Unter den acht festgenommenen Verdächtigen sind sechs Ärzte aus dem Nahen Osten und Indien. Die beiden Attentäter, die am Samstag einen mit Benzin beladenen Geländewagen in das Hauptterminal des Glasgower Flughafens steuerten, sollen das Haus gemietet haben.

Wenige Tage nach den Anschlagsversuchen hat die Entgleisung einer U-Bahn in London heute kurzzeitig Angst vor einem weiteren Terrorakt ausgelöst. Die Polizei schloss jedoch nach dem Vorfall im morgendlichen Berufsverkehr eine Gewalttat aus: Es gebe keine entsprechenden Hinweise, sagte ein Polizeivertreter. Auf der zweitwichtigsten Strecke der britischen Hauptstadt, der Central Line, waren am Morgen sechs Wagen eines mit mehr als 700 Passagieren besetzten Zuges aus den Gleisen gelaufen. Dabei wurden nach Angaben der Rettungskräfte 37 Menschen verletzt. Mögliche Unglückursache war ein Hindernis auf den Gleisen.

"Es gibt keinen Hinweis auf einen Terrorangriff", sagte Kommissar Phil Trendall von der britischen Verkehrspolizei. Ein Sprecher des Londoner Verkehrsbetriebs sagte, es werde Berichten über ein Hindernis auf den Gleisen nachgegangen. "Das erste, was einem durch den Kopf geht ist: 'Sind das Terroristen?', sagte Jacqui McElroy. Es habe sich angefühlt, als ob der Zug bei Bethnal Green aus den Schienen gehoben worden sei.

Die U-Bahn der Central Line sprang gegen 9 Uhr Ortszeit zwischen den Stationen Bethnal Green und Mile End aus dem Gleis. Rettungskräfte brachten die 700 Fahrgäste durch den Tunnel in Sicherheit. Elf Menschen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Die stark befahrene, mitten durch London laufende Linie verbindet den Finanzdistrikt im Osten mit dem Ausgeh- und Shoppingbezirk im Londoner Westend. Sie wurde nach dem Unfall gesperrt, Hunderte Fahrgäste saßen stundenlang fest.

Immer wieder Zwischenfälle in der ältesten U-Bahn der Welt

Nach Angaben des Generalsekretärs der britischen Transportgewerkschaft, Bow Crow, war es bereits der vierte Zwischenfall mit der Central Line innerhalb von anderthalb Jahren. Dort seien private Subunternehmer mit den Wartungsarbeiten beschäftigt. Seine Gewerkschaft habe bereits zuvor auf die schlechte Lagerung von Arbeitsmaterial durch die privaten Unternehmen hingewiesen, sagte Crow.

In dem stark belasteten U-Bahnnetz der britischen Hauptstadt entgleisen immer wieder Züge. 2003 waren bei einer Entgleisung auf der Central Line 32 Menschen verletzt worden. Die Londoner "Tube" ist die älteste U-Bahn der Welt. Zurzeit wird sie für umgerechnet 14,8 Milliarden Euro umfassend modernisiert. Die staatliche Betreibergesellschaft lässt ihre Infrastruktur seit 2003 von privaten Subunternehmen instand halten.

Gestern Abend war die höchste Warnstufe vor unmittelbar drohenden Terroranschlägen aufgehoben worden. Innenministerin Jacqui Smith sagte, der Terroralarm werde von "kritisch" auf "ernst" heruntergestuft. Diese Alarmstufe besteht bereits seit August 2006. Smith rief die Öffentlichkeit gleichwohl auf, weiter besonders wachsam zu sein.

Am Samstag jähren sich zum zweiten Mal die Terroranschläge auf das Londoner U-Bahn- und Busnetz mit 56 Toten. Am Mittwoch hatten die britischen Behörden die Terrorwarnstufe von "kritisch" auf "ernst" herabgestuft.

ffr/AP/AFP



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