Zufallsfund in London Geheimgang aus dem 17. Jahrhundert im britischen Parlament entdeckt

"Zu sagen, dass wir überrascht waren, wäre eine Untertreibung": Bei Renovierungsarbeiten sind Historiker im Londoner Unterhaus auf einen Tunnel gestoßen - mit einem jahrhundertealten Graffiti.

Man könnte meinen, dass es im ältesten Parlament der Welt nicht mehr viel zu entdecken gibt. Weit gefehlt: Im britischen Unterhaus haben Historiker bei Renovierungsarbeiten einen geheimen Zugang zu einem bislang unentdeckten Gang aus dem 17. Jahrhundert entdeckt.

Der Durchgang zum Unterhaus war für die Krönung von König Charles II im Jahr 1660 eingezogen worden, um Gästen den Zugang zu einem Festbankett zu ermöglichen, wie britische Medien  berichten. Der Gang sei von etlichen Königen, Ministerpräsidenten und Parlamentssprechern genutzt worden.

Doch im 20. Jahrhundert geriet der Gang in Vergessenheit: 1950 wurde er während Reparaturarbeiten wegen eines Bombenschadens im Zweiten Weltkrieg wiederentdeckt und daraufhin vollständig verschlossen. Dass es noch eine Tür gab, die zu dem Gang führt, wusste niemand mehr. Bis jetzt.

"Zu sagen, dass wir überrascht waren, wäre eine Untertreibung", sagte der Historiker Mark Collins der BBC . "Wir dachten wirklich, dass er nach dem Krieg für alle Zeiten versiegelt wurde." Seine Kollegin Liz Hallam Smith sagte demnach: "Ich war vor Ehrfurcht erstarrt, denn das zeigt, dass der Palast von Westminster noch viele Geheimnisse verbirgt."

"Da war ein kleines Schlüsselloch, das zuvor niemandem aufgefallen war"

Die Historiker, die die Arbeiten vornahmen, hatten den geheimen Eingang gefunden, als sie die Holzvertäfelung der Wand genau betrachteten. "Da war ein kleines Schlüsselloch, das zuvor niemandem aufgefallen war", sagte Smith. "Sobald ein Schlüssel dafür hergestellt war, öffnete sich die Wand wie eine Tür."

In dem Gang entdeckten die Wissenschaftler unter anderem Aufhängungen für dreieinhalb Meter hohe Türen, die sich einst zur großen Westminster Halle öffneten. Der aber vielleicht erstaunlichste Fund: 169 Jahre altes Graffiti.

Liebe zu "altem Ale"

Die Inschrift hinterließen wohl Bauarbeiter, als sie das Parlamentsgebäude 1851 nach einem Feuer sanierten und den Gang dabei zumauerten. Mit Bleistift verewigte sich einer von ihnen an der Wand: "Dieser Raum wurde von Tom Porter verschlossen, der altes Ale sehr liebte."

Laut Parlamentshistoriker Mark Collins ist es erstaunlich, dass das Graffiti eine so lange Zeit unbeschadet überstand. Collins lud Porters Nachkommen zu einem Besuch in den Palast ein. "Es wäre großartig, wenn sie sehen könnten, wo ihr Verwandten einst arbeiteten", so Collins.

Doch vorher wollen die Verantwortlichen eines erledigen: Die Koordinaten des Geheimgangs sollten digitalisiert werden - damit er nie wieder verschwinde.

mxw/lmd
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