Gewaltsame Zusammenstöße Rechtsextreme Demonstranten wollen Londons Statuen schützen

Trotz offizieller Warnungen versammeln sich Tausende rechte Demonstranten in der Londoner Innenstadt. Es kam bereits zu ersten Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten und der Polizei.
Rechte Demonstranten laufen am Londoner Kriegsdenkmal Cenotaph vorbei

Rechte Demonstranten laufen am Londoner Kriegsdenkmal Cenotaph vorbei

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Dan Kitwood/ Getty Images

Tausende Demonstranten haben sich im Zentrum Londons versammelt - trotz offizieller Warnungen der Polizei und des Londoner Bürgermeisters Sadiq Khan vor gewaltsamen Auseinandersetzungen und der Ansteckungsgefahr durch die Corona-Pandemie. Laut britischen Medien ist es auf dem Parliament Square und in der Umgebung am Samstag zu Zusammenstößen rechter Demonstranten mit der Polizei und Anti-Rassimus-Gegendemonstranten gekommen.

Auf dem Trafalgar Square trennte die Polizei demnach zwei Gruppen von jeweils etwa 100 Personen, von denen die eine "Black Lives Matter" skandierte und die andere rassistische Beleidigungen rief. Es kam zu Gedränge, die Demonstranten warfen Flaschen und Dosen und zündeten Feuerwerk, während die Bereitschaftspolizei mit Hunden und Pferden versuchte, für Ordnung zu sorgen.

Zuvor hatten sich die rechtsextremen Demonstranten bei starker Polizeipräsenz am Cenotaph-Kriegsdenkmal in Whitehall und der mit Brettern verbarrikadierten Statue von Winston Churchill auf dem Parlamentsplatz versammelt. Sie sangen die Nationalhymne und skandierten "England, England", berichtet die BBC .

Eine große Gruppe von ihnen begab sich demnach auf Barrikaden vor der Downing Street, Gegenstände wurden in Richtung Polizei geworfen. Unter den überwiegend weißen, männlichen Demonstranten befanden sich rechtsextreme Gruppierungen und Fussballfans. Paul Golding, Anführer der rechtsextremen Gruppe Britain First, sagte, sie seien gekommen, um "unsere Denkmäler zu bewachen".

Im kaum zwei Meilen entfernten Hyde Park versammelten sich indes Anti-Rassismus-Demonstranten mit "Black Lives Matter"-Plakaten, obwohl die Organisatoren aufgrund drohender Gewalt aufgerufen hatten, fernzubleiben.

Rechtsextreme Demonstranten stoßen mit der Polizei an einer Barriere auf der Parliament Street zusammen

Rechtsextreme Demonstranten stoßen mit der Polizei an einer Barriere auf der Parliament Street zusammen

Foto: Dan Kitwood/ Getty Images

Londons Bürgermeister Sadiq Khan (Labour) warnte davor, dass die Rechtsextremen nicht nur beabsichtigten, die Statuen von Churchill zu schützen, sondern auch jene etwa von Nelson Mandela oder Mahatma Gandhi zu entfernen. Auch diese seien daher mit Kisten geschützt worden.

Die Churchill-Statue war in Kisten verpackt worden, um sie vor möglichen Schäden zu schützen. Zuvor hatten Demonstranten bei einer Anti-Rassismus-Kundgebung am vergangenen Wochenende den Schriftzug "war ein Rassist" auf den Sockel geschmiert, was Premierminister Boris Johnson als "absurd und beschämend" bezeichnet hatte. Innenministerin Priti Patel sagte am Freitag, die Denkmäler sollten "befreit" werden. Churchills Enkelin Emma Soames hatte daraufhin vorgeschlagen, die Statue ihres Großvaters ins Museum zu bringen, um sie zu schützen.

Die Churchill-Statue war von Demonstranten mit dem Schriftzug "war ein Rassist" versehen worden und ist inzwischen von einem Bretterverschlag umgeben

Die Churchill-Statue war von Demonstranten mit dem Schriftzug "war ein Rassist" versehen worden und ist inzwischen von einem Bretterverschlag umgeben

Foto: ISABEL INFANTES/ AFP

Um Zusammenstöße zu vermeiden, war die "Black Lives Matter"-Demonstration einen Tag vorgezogen worden. Auch die Organisatoren hatten die Menschen dringend aufgefordert, sich nicht an den für das Wochenende geplanten Kundgebungen zu beteiligen.

Denkmäler sind bei den Protestveranstaltungen nach der Tötung des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in den USA verstärkt in den Fokus gerückt. An vielen Orten Großbritanniens wurden diese besprüht oder entfernt: Die Statue des Sklavenhändlers Robert Milligan war am Dienstag in London entfernt worden, in Bristol hatten Protestler jene des Sklavenhändlers Edward Colston im Fluss versenkt. Auch die Penny Lane in Liverpool traf es. Die durch einen Beatles-Song weltberühmt gewordene Straße hat nun schwarz übertünchte Schilder, weil der angeblich namensgebende Kaufmann mit Sklaven Geld verdient haben soll. Es ist jedoch unklar, ob die Straße nach dem Kaufmann benannt wurde.

Milligan, Colston oder James Penny und andere britische Kaufleute spielten im Sklavenhandel eine zentrale Rolle. Bis zu 17 Millionen afrikanische Männer, Frauen und Kinder wurden zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert gewaltsam entführt und nach Amerika verschifft. 

Labour-Stadt- und Landräte in England und Wales kündigten daraufhin eine Überprüfung aller Denkmäler in Bezug auf Sklaverei an. Auch Khan kündigte an, alle Londoner Straßennamen, öffentlichen Gebäude und Gedenktafeln daraufhin zu untersuchen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Textfassung hieß es, Hyde Park und Downing Street lägen etwa 20 Meilen voneinander entfernt - tatsächlich beträgt die Distanz knapp zwei Meilen. Wir haben die Angabe korrigiert.

caw/Reuters/dpa