Londoner Anschläge Attentäter identifiziert, Festnahmen in Leeds

Die Attentäter von London sind identifiziert: Überwachungskameras filmten sie im Bahnhof King's Cross kurz vor den Anschlägen. Mindestens einer der Bombenleger ist tot. Sollten auch die anderen unter den Toten sein, wäre dies der erste Selbstmordanschlag in Europa.


London - Um 8.30 Uhr trafen die Attentäter mit dem Zug im Bahnhof King's Cross ein, zwanzig Minuten bevor sie in den U-Bahnen die erste der drei tödlichen Bomben zündeten. Überwachungskameras haben die Männer gefilmt, teilte der Leiter der Londoner Anti-Terror-Einheit, Peter Clark, heute mit.

Die Täter sollen alle in Großbritannien geboren worden sein. Mindestens drei der Männer stammen nach bisherigen Ermittlungen aus West Yorkshire. "Wir versuchen herauszufinden, wo sie sich in den Wochen vor den Anschlägen aufgehalten haben", sagte Clarke. "Genauer gesagt wollen wir feststellen, ob sie alle bei den Explosionen getötet wurden." Bestätigt sich das, wären die Londoner Terrorangriffe die ersten Selbstmordanschläge in Europa.

Den Angaben der Polizei zufolge wurde mindestens einer der Täter getötet. Er starb bei der Explosion in der U-Bahn-Station Aldgate. Einer der Attentäter sei am Tag der Anschläge gegen 10 Uhr von seiner Familie als vermisst gemeldet worden. Gegenstände, die ihm zugeordnet wurden, entdeckten die Ermittler am Tavistock Square. Dort war eine Bombe in einem Doppeldecker-Bus gezündet worden. Auch persönliche Dokumente der anderen Attentäter wurden in den Trümmern der U-Bahnen gefunden, hieß es. Anhand dieser Papiere seien die Männer identifiziert worden.

Nach Angaben des Fernsehsenders "Sky News" hatten zunächst Fingerabdrücke des Bombenbauers die Fahnder nach Leeds geführt. Die Spuren hatten die Spezialisten auf den Resten des Sprengsatzes gefunden, der in dem Doppeldeckerbus explodierte. Einsatzkräfte sprengten sich den Weg zu einer Wohnung in Leeds frei, nachdem sie vorher mehrere Straßen abgesperrt und 500 Anwohner in Sicherheit gebracht hatten. Die Beamten seien Hinweisen auf Sprengstoff nachgegangen, teilte die Polizei mit. Bereits am Morgen hatten die Fahnder fünf andere Wohnungen in Leeds durchsucht. Ein Mann sei im Landkreis West Yorkshire in Gewahrsam genommen worden. Er werde nun zu Verhören nach London gebracht.

Nach Hinweisen auf ein verdächtiges Auto sperrte die Polizei am Nachmittag den Bahnhof von Luton in der Grafschaft Bedfordshire, 50 Kilometer nördlich von London. Aus Sicherheitsgründen wurde auch das angrenzende Parkhaus des Bahnhofs zeitweise geschlossen. Die Polizisten durchsuchten das Fahrzeug, das möglicherweise von den Attentätern benutzt wurde, hieß es. Luton liegt an der Bahnlinie nach London, die im Bahnhof King's Cross endet. Am Abend meldete die BBC, in dem Wagen sei Sprengstoff entdeckt worden. Die Polizei bestätigte diese Meldung zunächst nicht.

Die Polizei wertet mehr als 2500 Bänder mit Aufnahmen von Überwachungskameras aus. Die Behörden haben diese Bänder nicht nur von der U-Bahn-Gesellschaft, sondern auch von der Stadtverwaltung und privaten Unternehmen erhalten. Insgesamt sind in London mehrere tausend Überwachungskameras eingerichtet. Die Polizei hat auch die Öffentlichkeit dazu aufgerufen, alle digitalen Fotos und Videos einzuschicken, die vom Ort der Anschläge gemacht wurden.

In den vergangenen Tagen war in London immer wieder Terroralarm ausgelöst worden. Am Montag waren vorübergehend mehrere Straßen im Regierungsviertel abgesperrt worden, nachdem ein verdächtiges Paket entdeckt worden war. Später wurde dann auch die U-Bahn-Station King's Cross evakuiert. Auch hier handelte es sich um falschen Alarm. Am Dienstagabend wurden Augenzeugen zufolge alle Ein- und Ausgänge des britischen Parlaments versiegelt. Eine Polizei-Sprecherin in London bestätigte den Alarm, nannte jedoch keine weiteren Einzelheiten. Wenig später meldete die BBC, der Alarm sei wieder aufgehoben worden.



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