Versuch mit Uniform-Kameras Londoner Polizisten sollen Einsätze filmen

Polizei, bitte lächeln: Ordnungshüter in London sollen künftig ihre Einsätze mit Uniform-Kameras filmen. Die Aktion ist eine Konsequenz aus den schweren Krawallen, die 2011 in Großbritannien ausbrachen.

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London - Polizisten in der britischen Hauptstadt sollen künftig mit Kameras ausgerüstete Uniformen tragen. Scotland Yard werde 500 Beamte versuchsweise mit der neuen Technologie auf Streife durch London schicken, teilte die Behörde mit. Ziel sei es, die Polizeiarbeit wirksamer zu machen.

"Unsere Erfahrungen zeigen, dass Menschen ihre Fehler leichter einsehen, wenn sie wissen, dass der Vorfall von einer Kamera aufgezeichnet wurde", sagte Scotland-Yard-Chef Bernard Hogan-Howe. Polizei und Justiz erhoffen sich demnach schnellere Verfahren, einen besseren Opferschutz und einen Beitrag zur Deeskalation.

Hogan-Howe fügte laut "Sky News" hinzu, er erhoffe sich von der Technik "klarere Beweise, wenn es Anschuldigungen gibt, dass wir Dinge falsch gemacht haben". Diese Transparenz sei sowohl im Interesse der Öffentlichkeit als auch der Polizei.

Die Uniform-Kameras werden laut Scotland Yard nur im Einsatz laufen, die Betroffenen müssen zudem informiert werden, dass man sie filmt. Anders als mutmaßliche Täter dürfen Opfer verlangen, dass Material über sie gelöscht wird. Die Daten sollen einen Monat lang gespeichert bleiben. Anschließend müssen sie vernichtet werden, es sei denn, sie werden in einem laufenden Verfahren gebraucht.

Body-Cams auch für hessische Polizisten

Die Entscheidung für die Uniform-Kameras war nach einem umstrittenen tödlichen Zwischenfall im Jahr 2011 beschleunigt worden. Der Einsatz, bei dem ein Mann getötet worden war, hatte schwerste Straßenkrawalle in Großbritannien ausgelöst. Die Justiz bescheinigte den beteiligten Beamten unlängst, gesetzestreu gehandelt zu haben, die Familie des getöteten Mark Duggan sprach dagegen von einer "Hinrichtung".

Mini-Kameras für Polizisten sind auch in Deutschland im Einsatz: Hessen kündigte Anfang der Woche an, nach einer ersten Testphase in Frankfurt am Main nun auch in Wiesbaden und Offenbach einzelne Beamte mit sogenannten Body-Cams auszurüsten. Die Polizisten sollen damit besser vor Angriffen geschützt werden.

Für Wiesbaden und Offenbach wurden nun Einsatzbereiche festgelegt, in denen die Kameras vor allem in Nachtdiensten und an Wochenenden zum Einsatz kommen sollen. Dabei gelten strenge Vorgaben: So muss jeder Polizist mit einer Body-Cam eine Weste mit der Aufschrift "Videoüberwachung" tragen. Es dürfen ausschließlich Bilder aufgenommen werden, der Ton wird dagegen nicht aufgezeichnet.

Es darf zudem keine ständige Videoüberwachung stattfinden. Aufzeichnungen sind nur anlassbezogen erlaubt, also etwa bei einer Personenkontrolle oder beim Schlichten von Streitigkeiten. Die Aufzeichnungen müssen nach Einsatzende gelöscht werden, wenn diese nicht als Beweismaterial dienen.

rls/AFP

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