Rechtsextreme Gesänge auf Schülerparty Acht Louisenlund-Schüler werden für eine Woche suspendiert
Louisenlund (2005): Konsequenzen nach Vorfall bei Schülerparty
Foto: rtn; peter wüst / picture alliance / rtn - radio tele nordDas Eliteinternat Louisenlund hat Konsequenzen aus dem Vorfall bei einer Schülerparty am vergangenen Donnerstag gezogen. Acht Schülerinnen und Schüler sollen an dem Abend zu Gigi D'Agostinos Song »L'amour toujours« eine von Rechtsextremen etablierte Parole gesungen haben. Laut Stiftungsleiter Peter Rösner werden sie nun für eine Woche vom Schul- und Internatsbetrieb suspendiert.
Am Montag hatte das Bildungsministerium von Schleswig-Holstein bestätigt, dass Schüler der Privatschule eine rechtsextreme Parole gesungen haben sollen. Der Leiter der Stiftung hatte zu diesem Zeitpunkt in einer E-Mail an die Schulgemeinschaft bereits pädagogische Konsequenzen angekündigt. Nun schildert er in einem Schreiben an den SPIEGEL, wie der Vorfall aufgearbeitet werden soll.
»Anflug großer ›Dummheit‹«
Demnach seien am Montag zahlreiche Gespräche geführt worden. Den beteiligten Schülerinnen und Schülern sei es »in einem Anflug großer ›Dummheit‹ um das Nachahmen der Szenen aus dem bekannten Video gegangen«, schreibt Rösner. Sie alle wiesen von sich, »dass sie irgendwie fremdenfeindlich sein wollten«; alle hätten Freunde, die »in diesem Sinne als ›Ausländer‹« gelten. »Sie bereuen dieses Fehlverhalten sehr und sind bereit, jegliche Sanktionen der Schule als Strafen anzunehmen«, so Rösner.
Während der Suspendierung sollen sich die acht ehrenamtlich engagieren und ihr Verhalten reflektieren. Das sei Teil eines »Maßnahmenpakets«, das die Schule heute für die gesamte Schulgemeinschaft beschlossen habe. Dazu gehöre etwa, Konzepte zur politischen Bildung und Demokratieerziehung weiterzuentwickeln und die Schule noch mehr zu einem Ort zu machen, an dem »angstfrei kontrovers diskutiert« werden dürfe.
Die Schülerschaft ist Rösner zufolge »völlig erschüttert, wütend und deprimiert, dass es in Louisenlund eine solche Szene gegeben hat« und dass Mitschüler es »cool« fänden, die Vorfälle von Sylt nachzuahmen.
Pädagogin beendete Party
An der Schülerparty im Schülerhaus – dem Jugendtreff des Internats, in dem regelmäßig Feiern stattfinden – hätten vergangenen Donnerstag etwa 40 Schülerinnen und Schüler teilgenommen. Sensibilisiert durch die Berichterstattung über den Vorfall von Sylt sei eine anwesende Pädagogin entsprechend aufmerksam gewesen, als »L'amour toujours« von Gigi D'Agostino angespielt wurde – und habe sofort die Tonanlage ausgemacht, als sie tatsächlich die Parole »Ausländer raus« gehört zu haben glaubte. Sie habe die Party beendet »und die Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken ins Bett geschickt«.
Mit einigen der acht beteiligten Schüler seien direkt im Anschluss Gespräche geführt worden. Sie seien überrascht gewesen, dass auf ihr Verhalten so drastisch reagiert wurde. »Die mögliche Tragweite und Folgen eines solchen Imitats sei ihnen überhaupt nicht bewusst gewesen«, zitiert Rösner sie in seinem Schreiben.
Noch am Abend sei auch das Kollegium in Louisenlund per E-Mail über den Vorfall informiert worden.