Love-Parade-Trickserei Die wundersame Schrumpfung der 1,4 Millionen

Sie wollten sich für eine Millionenparty feiern lassen, die keine war. Love-Parade-Chef Schaller und Duisburgs OB haben vor einer Woche grotesk hohe Besucherzahlen genannt. Jetzt ist für Ermittler die zentrale Frage, wie viele wirklich da waren - und ob Genehmigungen verletzt wurden. SPIEGEL ONLINE sortiert die Angaben.

Von Simone Utler


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Polizei-Dokumentation: Chronik der Love-Parade-Katastrophe
Hamburg - Viele Teilnehmer, möglichst viel mehr als eine Million: Das bedeutete bei der Love Parade jahrelang sensationellen Erfolg. Gerne verkündeten Gastgeber und Veranstalter Rekordzahlen. Bis zum vergangenen Samstag.

Seit der Katastrophe von Duisburg kursieren höchst unterschiedliche Angaben darüber, wie viele Raver vor einer Woche wirklich gefeiert haben. Alle Zahlen sind deutlich niedriger als die 1,4 Millionen in den Sensationsmeldungen, die Veranstalter Rainer Schaller und Oberbürgermeister Adolf Sauerland vor den Unglücksmeldungen verkündeten. Und der Verdacht liegt nahe, dass nun einige Beteiligte nicht die Klärung der tatsächlichen Zahl im Blick haben könnten, sondern ihre eigenen Interessen bei der Klärung der Schuldfrage.

Fest steht, dass am neuralgischen Punkt zwischen Tunnel und Rampe am Samstagnachmittag viel zu viele Menschen waren. Fest steht außerdem, dass die genaue Zahl der Menschen große Bedeutung für die Aufklärung der Ereignisse hat. "Wir ermitteln wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung. Da müssen wir ein umfangreiches Bild erstellen - und ein Aspekt sind die unterschiedlichen Zahlen", sagt Rolf Haferkamp, Sprecher der Duisburger Staatsanwaltschaft. Man versuche besonders sorgfältig zu klären, wie viele Menschen es tatsächlich waren.

Die Zahlen seien der "Dreh- und Angelpunkt der Untersuchung", sagt auch Stadtsprecherin Anja Huntgeburth. Wegen der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dürfe sie zu diesem Thema keine Auskünfte geben. Klar ist, dass die Stadt eine Genehmigung für 250.000 Menschen auf dem Veranstaltungsgelände ausgegeben hat - SPIEGEL ONLINE hatte dies bereits am Sonntag enthüllt. Der Veranstalter Lopavent wollte sich zum Thema nicht äußern. Auf Anfrage teilte die Pressestelle am Freitag mit, sie gebe "angesichts laufender Ermittlungen keine Statements zu Einzelfragen an Medien".

Die zentralen Fragen zu den Zahlen - SPIEGEL ONLINE gibt Antworten:

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Hovac 25.07.2010
1. traurig
Zitat von sysopDie Entscheidung war umstritten, es gab Zweifel am Konzept, dann kam es zur Katastrophe - war es ein Fehler, die Love Parade auf diesem Gelände in Duisburg abzuhalten?
Wenn auch nur ein Mensch stirbt war es ein Fehler. Sowas darf in Deutschland doch nicht mehr passieren, wozu wird man von Formularhaufen für die kleinsten Anlässe erdrückt wenn es dann doch nicht sicher ist.
lawinchen, 25.07.2010
2. Rhetorische Frage
Zitat von sysopDie Entscheidung war umstritten, es gab Zweifel am Konzept, dann kam es zur Katastrophe - war es ein Fehler, die Love Parade auf diesem Gelände in Duisburg abzuhalten?
Ein Gelände, das max. 500.000 Besucher aufnehmen kann und dessen Zugangswege derart beschränkt sind, ist fraglos für eine Veranstaltung wie die Love Parade geeignet, denn die Love Parade ist dafür bekannt, weniger als 500.000 Besucher anzuziehen. Duisburg mag pleite sein und die zusätzlichen Einnahmen begrüßen, aber auf diesem Gelände mit diesen Zugangswegen hätte eine solche Veranstaltung niemals stattfinden dürfen: Ich hoffe, der Link wird dargestellt, ansonsten hilft eine Google-Maps-Suche nach "Karl-Lehr-Straße, Duisburg". Das Gelände befindet sich nördlich der L237. http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&geocode=&q=Love-Parade,+Duisburg&sll=51.151786,10.415039&sspn=21.231081,67.631836&ie=UTF8&hq=Love-Parade,&hnear=Duisburg,+Nordrhein-Westfalen&ll=51.422882,6.770582&spn=0.010276,0.033023&t=h&z=16 Polizeipräsidium und Staatsanwalt befinden sich gleich um die Ecke, ich hoffe, sie nutzen die Nähe.
xkultx 25.07.2010
3. Wo gesunder Menschenverstand aufhört...
Egal wo ob in Duisburg, Essen oder Berlin zu solchen tragischen Zwischenfällen kann es leider überall kommen. Es ist nur immer sehr einfach alles auf die Veranstalter abzuschieben, dabei wird allzu oft vergessen wer hier der wahre Auslöser des Dilemmas ist, war und bleiben wird - Alkohol, Drogen, Egoismus und Rücksichtlosigkeit. Wenn es nicht weiter geht - schiebt man nicht!!! Wo gesunder Menschenverstand aufhört, kommen die verschiedensten Schuldzuweisungen - Klar der Veranstalter ist Schuld - Klar die Stadt Duisburg ist schuld. Leute packt Euch mal an den Kopf und fangt an zu denken! Wenn ich mit 2 Promille in eine 30 Zone aus der Kurve fliege - ist dann auch die Stadt Duisburg Schuld oder der Hersteller meines Autos oder die Brauerei, warum bauen die denn dort eine Kurve hin, warum fährt mein Auto wenn ich getrunken habe?
waffenstillstand 25.07.2010
4.
Zitat von sysopDie Entscheidung war umstritten, es gab Zweifel am Konzept, dann kam es zur Katastrophe - war es ein Fehler, die Love Parade auf diesem Gelände in Duisburg abzuhalten?
Ja, sicher. Es war vorher schon bekannt, dass das Gelände höchstens 500.000 Menschen aufnehmen kann, man wusste, dass annähernd 1.000.000 Menschen kommen würde (tatsächlich kamen sogar 1.400.000). So gesehen war es allzu sehr leichtsinnig, die Veranstaltung überhaupt stattfinden zu lassen.
gisu 25.07.2010
5. Schuld haben
Schuld haben die Organisatoren, von deren Seite wurden ehr die Befürchtungen laut das eventuell zu wenig Menschen erscheinen würden, da hat man Zweifel am Gelände und den eingeschränkten Möglichkeiten außer acht gelassen. Wer mit solchen Menschenmassen plant, der muss auch verstärkt auf die Sicherheit achten, und beim kleinsten Zweifel entweder umplanen oder die Sache ganz abblasen. Mein Beileid an die Opfer und deren Angehörigen.
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