Feuer bei Lübtheen Waldbrand breitet sich auf 600 Hektar aus - Bundeswehr unterstützt Löscharbeiten

2000 Einsatzkräfte bekämpfen den größten Waldbrand in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns. Nun will die Bundeswehr mit Bergepanzern aushelfen.

Jens Büttner/ DPA

Das Feuer auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Lübtheen hat sich im Laufe des Montags und der Nacht von 430 auf 600 Hektar ausgebreitet. Vor allem nach Süden und Südwesten bewege es sich je nach Windrichtung "wie eine Feuerwalze", sagte der Landrat des Kreises Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg. Inzwischen wurde eine vierte Ortschaft evakuiert.

Bei der Bekämpfung setzen die Löschkräfte auf die Unterstützung der Bundeswehr. Die Einsatzkräfte wollen nun "von der Verteidigung zum Angriff übergehen." Wegen des mit Altmunition und Blindgängern belasteten Bodens dürfen sich die Einsatzkräfte zu ihrem eigenen Schutz den Brandherden nur auf 1000 Meter nähern. Immer wieder kommt es im Brandgebiet zu Detonationen.

Der Kommandeur des Landeskommandos Mecklenburg-Vorpommern, Brigadegeneral Gerd Josef Kropf, kündigte an, dass mit zehn Bergungspanzern im Laufe des Tages Wege und Schneisen so vorbereitet werden sollen, "dass die Feuerwehren nach vorne kommen". Er hoffe, am Abend erste Ergebnisse präsentieren zu können.

Die Dörfer am Rande des ehemaligen Schießplatzes seien gesichert, sagte Landrat Sternberg. Die Polizei schütze auch die evakuierten Ortschaften. Am Montagabend musste das Dorf Volzrade, die vierte Ortschaft, geräumt werden. 117 Menschen verließen ihre Häuser. Insgesamt sind von den Evakuierungen bereits mehr als 700 Menschen betroffen.

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Waldbrand in Mecklenburg: Einsatzkräfte wollen "von der Verteidigung zum Angriff übergehen"

Derzeit sind 2000 Einsatzkräfte aus Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen im Vier-Schicht-System im Einsatz. Unterstützt werden sie von sechs Löschhubschraubern. Ein Löschflugzeug hatte die Einsatzleitung abgelehnt, da dann die Hubschrauber hätten am Boden bleiben müssen. Sie holen ihr Löschwasser inzwischen auch aus der Müritz-Elde-Wasserstraße, da nach Auskunft von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) in der Gegend das Wasser knapp werde.

Nach den Worten von Lorenz Caffier (CDU), Innenminister des Bundeslandes, werden auch zwölf Wasserwerfer der Polizei bei der Brandbekämpfung zum Einsatz kommen. Zudem komme der Bund seinen Hilfszusagen nach, unter anderem bei der Bereitstellung der Hubschrauber, die je zur Hälfte von der Bundeswehr und der Bundespolizei gestellt würden. Kritik gab es am Verhalten einzelner Schaulustiger, die privat Drohnen in das Katastrophengebiet geschickt hätten. Das gefährde den Einsatz der Hubschrauber, sagte Caffier.

Landrat Sternberg dankte zahlreichen Lebensmittelunternehmen aus der Region, die mit Spenden die Einsatzkräfte unterstützten. Besonders der örtliche Bäcker in Lübtheen "backt rund um die Uhr". Sternberg sagte, dass die Landschaft nach dem Brand eine andere sein werde. Aber "was jetzt abbrennt, kann in nächster Zeit nicht mehr brennen".

Für den Nachmittag ist ein Besuch von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) in Lübtheen angekündigt. Sie will sich einen Überblick über die Situation verschaffen und unterbricht dafür ihren Urlaub.

Der größte Waldbrand in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns war vor einer Woche ausgebrochen. Nachdem er nach wenigen Tagen unter Kontrolle schien, wurden am Wochenende neue Brandherde entdeckt. Die Polizei geht von Brandstiftung aus und bat Zeugen, sich zu melden. (Lesen Sie hier mehr zum Waldbrand östlich von Lübtheen.)

sen/AFP/dpa

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